Publiziert am: Freitag, 21. Oktober 2016

Ein sehr feines Gespür für den Markt

HAUERT HBG DÜNGER AG – Aus dem kleinen Düngerbetrieb in Suberg-Grossaffoltern ist die Schweizer Nummer Eins für Garten-
baudünger geworden. Das international tätige KMU kann auf eine über 350-jährige erfolgreiche Firmengeschichte zurückschauen.

Wer kennt ihn nicht, den geschwungenen und etwas verschnörkelten Schriftzug in Grün, der auf den Düngerflaschen prangt: Hauert – dieser Name steht für die Hoffnung, dass Balkonpflanzen, Kräuter und Gartengemüse gedeihen mögen, dass der Hobbygärtner und Pflanzenfreund sich eines grünen Daumens rühmen darf. Die Wenigsten jedoch kennen die langjährige Erfolgsgeschichte, 
die hinter dem führenden Schwei-
zer Düngemittelproduzenten steckt. Der Familienbetrieb aus Suberg-Grossaffoltern wurde vor über 350 Jahren als Ledergerberei gegründet und ist heute Schweizer Marktführer. Immer schon wurden die festen 
organischen Nebenprodukte aus 
der Gerberei auf die nahegelegenen Felder gebracht. Aber erst durch die Forschung Ende des 19. Jahrhunderts wurde es wissenschaftlich nachgewiesen, dass und welche Bestandteile wirklich Einfluss auf die Pflanzenentwicklung haben. Damit war ein neuer Geschäftszweig geboren. Anfang des 20. Jahrhunderts ging die Ära der Ledergerbereien zu Ende und Hauert konzentrierte sich von da an ausschliesslich auf Düngemittel.

Ein grosser Meilenstein in der Unternehmensgeschichte war 2006 die 
Expansion nach Deutschland. Dort betreibt Hauert eine 100-prozentige Tochtergesellschaft in Nürnberg, die für den europäischen Markt zuständig ist, sowie einen kleinen Produktionsstandort in Saarbrücken. «85 Prozent der Produkte werden in der Schweiz hergestellt», sagt Philippe Hauert. Er führt das Unternehmen seit 2006 in der zwölften Generation und ist seit 2010 der Besitzer. Insgesamt beschäftigt das Familienunternehmen 100 Angestellte. Zu seiner Firmenphilosophie gehört der klare Fokus auf das Kerngeschäft – die 
Vermarktung von Dünger für den Profi- und für den Hausgartenbereich. Um hier erfolgreich zu agieren, bedürfe es eines übersichtlichen Firmenkonstrukts sowie viel Freude an der Aufgabe, respektive an dem Aus-
arbeiten und Herstellen von Produkten. «Unser Hauptziel ist immer, 
gesund zu überleben, nicht Wachstum um jeden Preis. Momentan haben wir bald die passende Grösse 
für den europäischen Markt», erklärt der Firmenchef.

Jährlich 30 000 Tonnen Dünger

Hauert ist ein fester Begriff für Hobbygärtner, egal ob Migros, Coop oder Landi, die Marke Hauert steht in 
jedem Geschäft. Dazu Hauert: «Wir sind in vier Sektoren tätig: Biolandbau, produzierende Gärtnereien und Baumschulen, Sport sowie Hobbygärtner. Tendenziell sei die Garten-tätigkeit abnehmend, weshalb auf dem Hobbymarkt vermehrt selbsterklärende Produkte mit entsprechenden Informationen gefragt seien, weiss Hauert. Auf dem Profimarkt jedoch würden die Produkte immer effizienter, bei zunehmenden europäischen Preisen. Hauert ist übrigens auf dem Profimarkt der einzige Anbieter, der in der Schweiz produziert. Der Dünger-Spezialist vertreibt insgesamt 1600 verschiedene Produkte und produziert jährlich rund 30 000 Tonnen Dünger. «Unsere Kunden wollen unbedenkliche und verlässliche Produkte, die zum Erfolg führen», so der Firmenboss.

«Unser Hauptziel 
ist, gesund zu überleben, nicht Wachstum um jeden Preis.»

Über Jahrzehnte hat sich Hauert ein umfangreiches Know-how erarbeitet und ein feines Gespür für den Markt und geeignete Produkte entwickelt. Dank einschlägiger Verfahrenstechniken, einer grossen personellen Kontinuität und viel Begeisterung und Ehrgeiz kann sich Hauert als Technologieführer seit Jahren behaupten. «Die Technologie gehört zu unserem Kerngeschäft. Wir bauen unsere Anlagen selber und entwickeln auch die Verfahren selber», so Hauert. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch die Forschung, die als Grundlage zur Innovation dient (siehe Kasten). «Es ist wichtig, dass wir nahe am Thema dran sind und unsere Kunden sowie das gärtnerische Umfeld gut kennen. So generieren wir technologische Innovationen.»

Ein wichtiges Stichwort ist für den Düngerproduzenten die Ökologie. «Wir geben den organischen Düngern den Vorzug und stellen unsere Produkte möglichst auf der Basis lokaler nachwachsender Rohstoffe her», betont Hauert. «Wo dies nicht möglich ist, setzen wir modernste Technologien für den schonenden Umgang mit wertvollen Ressourcen ein.» Schon seit den 30er-Jahren setzt Hauert auf biologischen Dünger – inzwischen trägt schon eine Reihe Hauert-Produkte das Schweizer Bio-Label, und mit Biorga steht dem biologischen Landbau eine eigene Produktelinie zur Verfügung. Unter Nachhaltigkeit versteht Hauert aber auch eine gesunde Investitions- und Firmenpolitik sowie solide Arbeit.

Eine Wachstumsstrategie
anstreben

Die Produkte noch besser zu machen, erachtet Hauert als eine ständige Herausforderung. Aber auch ein rentables Exportgeschäft gehört zu den alltäglichen Hürden des Unternehmens. «Es ist eine grosse Aufgabe, die Produktivität zu steigern und dabei mit den europäischen Konkurrenten mitzuhalten», so Hauert. Den starken Franken spüre man hier gut. Er mache auch im Binnenmarkt Probleme. «Wir sind sehr gefordert, wenn es darum geht, bei den zum Teil schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, Regulierungen usw. eine gute Ertragslage zu erwirtschaften», so Hauert. Doch der Patron schaut lieber vorwärts. Er will das Wachstum im Ausland forcieren und im europäischen Markt noch präsenter sein. «Unser Exportanteil beträgt ein Drittel.» Demnächst wird auch eine neue Produktionsanlage in Suberg in Betrieb genommen, mit der die Produktion am Schweizer Standort nochmals ausgebaut wird. Über allen diesen Vorhaben steht aber die Firmengrundhaltung, nur mit dem Cashflow zu investieren, sowie das Firmencredo, alles zu tun, um langfristig weiterbestehen zu können.

Corinne Remund

FORSCHEN SEIT 350 JAHREN

Forschung als Grundlage der Innovation

Grosse Bedeutung für die Hauert HBG 
Dünger AG hat die Forschung. Seit 1985 
unterhält Hauert ein eigenes Labor. Es dient unter anderem der Grundlagenforschung für die Düngerentwicklung. Dank jahrzehntelanger Erfahrung und gezielter Forschung in Pflanzenernährung und Düngemittelproduktion konnte Hauert so immer wieder mit bahnbrechenden Innovationen aufwarten. 
Zu erwähnen sind dabei beispielsweise die 
Pionierarbeit im Bereich der umhüllten 
Langzeitdünger oder der wasserlöslichen Mehrnährstoffdünger. Den letzten Durchbruch erzielte das Unternehmen mit der 
Entwicklung des Sphero-Verfahrens. Dazu 
Philippe Hauert, geschäftsführender Eigen-
tümer der Hauert HBG Dünger AG: 
«Unseren Verfahrenstechnikern ist es gelungen, ein Granulierverfahren zu entwickeln, mit welchen sich organische Stoffe in 
Granulat bester Qualität einbinden lassen. Der Gärtner profitiert dabei von staubfreier Verarbeitung, die Pflanze von gezielter 
Versorgung mit einem ausgewogenen Nährstoff-Mix.»

Zusammenarbeit mit verschiedenen
Forschungsanstalten

Für alle Dünger steht eine riesige Anzahl 
Rohstoffe zur Verfügung. In aufwändigen 
Labor- und Feldversuchen werden Rohstoffe 
geprüft und in den Rezepturen so kombi-
niert, dass ein optimales Pflanzenwachstum resultiert. Dazu Hauert: «Das bedingt für
jedes Produkt umfangreiche Forschungsarbeit. Dabei suchen wir stets die Zusammenarbeit mit Produzenten, Garten- und Landschaftsbauern und öffentlichen Forschungsstellen, etwa dem Forschungsinsti-
tut für biologischen Landbau (FiBL).» Hauert ist das europaweit einzige Unternehmen 
unter den «Mittelständlern» in seiner Bran-che, das ein so grosses Versuchswesen 
betreibt. 400 Stellenprozent sind für den 
Forschungsbereich reserviert. «Wir betreiben sogar ein eigenes Bodenlabor, das heisst 
konkret, wir analysieren den Boden von Kunden. Die Daten können wir dann auch für 
die Forschung verwenden», erklärt Hauert. Dank der Forschungsarbeit könne sich das KMU von anderen Firmen in der Branche klar abheben. «Diesen Vorsprung brauchen wir, um uns einerseits qualitativ abzuheben und andererseits um langfristig unsere Marke zu stärken. Zudem ist das Labor eine wichtige Station im firmeneigenen Qualitätsmanagement», betont der CEO. Und schliesslich sei die Forschung auch eine wichtige Grundlage der Innovation.

CR