Publiziert am: Freitag, 10. März 2017

«Gründer haben Weitblick gezeigt»

PROPARIS – Die Vorsorge-Stiftung des Schweizer Gewerbes feiert das 60-jährige Bestehen. sgv-Direktor und Nationalrat Hans-Ulrich Bigler ist Stiftungsrats-Präsident von proparis.

Schweizerische Gewerbezeitung: Herr Bigler, 60 Jahre proparis – das darf schon gefeiert werden, oder?

  Hans-Ulrich Bigler:  Natürlich feiern wir das – einerseits im Rahmen unserer Stiftungsversammlung im kommenden Juni in Zürich und andererseits mit ein paar kleinen und feinen Aktionen übers ganze Jahr. Wir müssen das nicht über­schwänglich machen, aber verstecken müssen wir uns sicher auch nicht. Wir dürfen durchaus etwas stolz sein auf proparis.

Welche Bedeutung hat proparis für das Schweizer Gewerbe?

  Mit der Gründung der «Gemeinschaftsstiftung für Alters- und Hinterlassenen­vorsorge im Schweizerischen Gewerbe» – so hiess proparis damals – haben die Gründer Verantwortungsbewusstsein und Weitblick gezeigt. Damals gab es nur die AHV, und auch das erst seit 1948. Im Schweizer Gewerbe wurde schon bald die Notwendigkeit erkannt, mehr zu tun für die berufliche Vorsorge. Mit der neuen Stiftung schufen sie dann sehr früh eine trag- und leistungsfähige private Lösung als Ergänzung zur staatlichen AHV. Das war fast dreissig Jahre, bevor mit dem Gesetz über die berufliche Vorsorge 1985 Pensionskassenlösungen obligatorisch wurden. Das gab den Gewerbetreibenden und den Mitarbeitenden in den KMU damals ein hohes Mass an Sicherheit.

Wo sehen Sie die Stärken der Sammelstiftung?

  Ich sehe vier wesentliche Stärken. Erstens die gute Verankerung und die breite Abstützung innerhalb des Schweizer Gewerbes; das garantiert grosse Stabilität. Zweitens die schlanke und zielorientierte Organisation; das ermöglicht Effizienz und gibt den Versicherten die Gewissheit, dass das Geld auch tatsächlich zu ihrem maximalen Nutzen eingesetzt werden kann. Drittens die Zusammenarbeit und Absicherung mit grossen Schweizer Privatversicherern; das schafft hohe Sicherheit. Und viertens die gute und enge Zusammenarbeit der Sozialpartner im Rahmen der Parität; das ergibt umsichtige und ausgewogene Lösungen, die alle mittragen.

Und was möchten Sie noch ver­bessern?

  Es ist wie überall: Wir dürfen nicht stehen bleiben und uns auf Lorbeeren ausruhen. Die Welt ist in Bewegung. Wir müssen dafür sorgen, dass sich auch die Jungen, die heute oder erst in ein paar Jahren ins Berufsleben einsteigen, betreffend ihrer beruflichen Vorsorge gut und sicher fühlen können. Da stehen wir vor grossen Aufgaben. Sie betreffen nicht nur proparis und die angeschlossenen Vorsorgewerke, sondern das ganze System der beruflichen Vorsorge in der Schweiz.

Die Zukunft der beruflichen Vorsorge wird derzeit heftig diskutiert, und viele machen sich Sorgen. Teilen Sie diese Bedenken?

  Einerseits stellt uns die Tatsache, dass wir alle immer älter werden, vor grosse Herausforderungen. Das Geld, das fürs Alter angespart wird, muss für eine immer längere Rentenzeit ausreichen. Da gibt es im Grundsatz nur zwei Lösungen, um das wieder ins Lot zu bringen: Entweder setzen wir das Rentenalter hinauf und verkürzen so die Rentenzeit. Oder wir reduzieren die Rentenleistungen pro Rentenjahr. Eine dritte Lösung gibt es nicht. Gleichzeitig spitzt sich andererseits die Situation weiter zu, weil die Zinsen weltweit am Boden sind und sich auf den Anlagegeldern mit vernünftigem Risiko die Renditen nicht mehr erzielen lassen. Diese sind nötig, um das System im Gleichgewicht zu halten. Die Fachleute reden im Zusammenhang mit den Kapitalmärkten gerne vom «dritten Beitragszahler», der neben Arbeitgeber und Arbeitnehmer ins Vorsorgeguthaben der Versicherten einzahlt. Wenn dieser Dritte über längere Zeit ausfällt, dann tun sich rasch grosse Deckungslücken auf, die anderweitig wieder geschlossen werden müssen.

Was meinen Sie: Steht die berufliche Vorsorge in der Schweiz heute insgesamt besser da als vor 
60 Jahren? Oder eher schlechter?

  Kein Zweifel, dass die berufliche Vorsorge trotz der grossen aktuellen Heraus­forderungen heute deutlich besser geregelt ist als vor sechzig Jahren. Damals gab es kein Drei-Säulen-Modell mit AHV, Pensionskasse und privater Vorsorge. Entsprechend war die Zahl der Berufstätigen in der Schweiz, deren Vorsorge nur ungenügend ausgestaltet war, sehr viel grösser als heute. Aber wie gesagt: Wir müssen aufpassen, dass wir das heute gute System nicht gefährden.

Was braucht es, damit die Vor­sorge auch künftig gesichert ist?

  Wir müssen dafür sorgen, dass unser System der Altersvorsorge so rasch als möglich wieder ins Gleichgewicht kommt. Die Jungen müssen wieder sicher sein können, dass das Geld, das sie und ihre Arbeitgeber in die zweite Säule einzahlen, ihnen am Schluss dann auch tatsächlich zur Verfügung steht. Und dass es ausreicht, um im Rahmen des 3-Säulen-Modells auch im Alter ein gutes und würdiges Leben zu führen. Wie Sie wissen, suchen wir in der Politik unter dem Stichwort Altersreform 2020 nach dieser Lösung. Im Trockenen ist aber noch gar nichts.

proparis wurde 1957 gegründet und schaut dieses Jahr also 
auf eine bereits 60-jährige abwechslungsreiche Geschichte zurück. Gibt es aus Ihrer Sicht eine erkennbare Konstante, welche die Entwicklung von proparis geprägt hat?

  Sie haben mich vorher ja nach den Stärken von proparis gefragt. Das sind die wesentlichen Konstanten. Die starke Verankerung im Gewerbe, die schlanke Organisation, die Versicherungslösung mit den Privatversicherern und die gelebte Sozialpartnerschaft. Eine weitere Konstante ist wohl auch die gelebte Kultur: Das Schweizer Gewerbe ist sich gewohnt, die Sache selber in die Hand zu nehmen und nicht einfach auf den Staat zu warten. Das müssen wir weiter pflegen.

Sie sind seit vier Jahren Präsident des Stiftungsrats von proparis. Was war für Sie das persönliche Highlight während Ihrer bisherigen Präsidentschaft?

  Bei proparis und ebenso auf der Ebene der angeschlossenen Vorsorgewerke wird täglich gute Arbeit geleistet. Dies zeigt sich in guten Resultaten und Lösungen. Das sind immer wieder Highlights für mich. Ich glaube auch, dass proparis in den letzten Jahren in vielen Aspekten noch professioneller geworden ist. Zum grossen Nutzen der Versicherten. Auch das freut mich.

proparis wirbt mit dem Slogan ­«Sicher wie die Schweiz» – was heisst das?

  Unsere bewährte Zusammenarbeit mit den privaten Versicherern Swiss Life, Axa Winterthur und Basler Leben schafft Verlässlichkeit und Konstanz. Mit deutlich geringeren Risiken für die Versicherten. Auch die starken Wurzeln im Schweizer Gewerbe, die Vielfalt der angeschlossenen Unternehmen und Verbände und nicht zuletzt die gelebte Parität sorgen zusätzlich für Stabilität. Dies sind starke Elemente, die Qualitäten schaffen. Das ist typisch schweizerisch. Darum bin ich überzeugt: Sicher wie die Schweiz – das passt bestens.

Was wünschen Sie Ihrer Sammelstiftung für die nächsten 60 Jahre?

  Ich wünsche proparis weiterhin den Mut, Neues zu wagen, und gleichzeitig das Gespür und den Willen für gute und pragmatische Lösungen. Und dann wünsche ich proparis und allen Versicherten, dass die Rahmenbedingungen für die berufliche Vorsorge in der Schweiz rasch in die richtige Richtung weiterentwickelt werden. Damit wird die Sicherheit bewahrt, die das gute Lebensgefühl der Menschen in der Schweiz auszeichnet.

Seit 60 Jahren: Im Zentrum die Versicherten

Das Erfolgsmodell der Vorsorgestiftung proparis

Als der Schweizerische Gewerbeverband 1957 die «Gemeinschaftsstiftung für Alters- und Hinterlassenenvorsorge im Schweizerischen Gewerbe» gründete, war die Welt eine andere. Die Schweiz senkte mit der 4. AHV-Revision das Renten­alter für Frauen gerade auf 63 Jahre. Seither ist viel gegangen. Die Stiftung heisst inzwischen proparis. Das Ziel ist dasselbe: Attraktive und sichere Lösungen bei der beruflichen Vorsorge des Gewerbes und seiner Mitarbei­tenden.

2017 feiert proparis das 60-jährige Jubiläum. Die starke Verankerung im Gewerbe ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Heute sind 13 Pensionskassen mit 57 Trägerverbänden proparis angeschlossen. Dahinter stehen 11’386 Unternehmen und 74‘089 Aktive Versicherte sowie 10‘874 Leistungs­empfänger.

Gleichzeitig arbeitet proparis eng mit Versicherungsgesellschaften (Swiss Life, Axa Winterthur, Basler Leben) zusammen. Das gibt Konstanz und Sicherheit. Die gelebte Sozialpartnerschaft bringt zusätzliche Stabilität. Und die schlanken Strukturen sorgen für Effizienz. Für die Versicherten. Sie stehen im Zentrum. Seit 60 Jahren.