Publiziert am: Freitag, 9. Dezember 2016

Industrie-KMU erholen sich leicht

KMU-BAROMETER – Die Situation der Industrieunternehmen beider Grössen liegt unter dem langjährigen Schnitt. Dennoch stieg das KMU-Barometer nochmals auf –0,16 Punkte im Oktober, während das der Grossunternehmen marginal auf –0,24 Punkte fiel.

Das Barometer der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Industrie verbesserte sich im Oktober im Vergleich zum September wieder leicht von –0,35 auf –0,16 Punkte. Einem stärkeren Anstieg standen vor allem die pessimistischeren Erwartungen über künftige Bestellungseingänge und das Produktionsniveau im Weg. Aus denselben Gründen sank das Barometer der Grossunternehmen im Vormonatsvergleich von –0,23 auf –0,24 Punkte. Beide Barometer liegen mit diesen negativen Werten unter dem langjährigen Durchschnitt. Die pessimistischen Erwartungen deuten darauf hin, dass die Erholung in der Industrie immer noch äusserst fragil ist. Vor allem die exportorientierten Firmen leiden nach wie vor unter dem starken Schweizer Franken. Zwar verbesserte sich die Geschäftslage bei vielen Industrieunternehmen in den letzten Monaten, aber die Gewinnsituation blieb schwierig.

Margendruck auch im 
Dienstleistungssektor

Zusätzlich zum KMU-Barometer, das sich auf die Lage von KMU sowie Grossunternehmen in der Industrie fokussiert, wurde die Situation der Dienstleistungsunternehmen angeschaut. Während sie ihre allgemeine Geschäftslage immer noch als gut beurteilten, leiden sie, wie bereits in den Vorquartalen, unter sinkenden Erträgen. Bei den Grossunternehmen ist die Situation auch im laufenden Quartal deutlich angespannter als 
bei den KMU. In den kommenden Monaten dürfte sich die Margen­situation der Dienstleister wenig 
ändern, erwarten doch beide Unternehmensgrössen anhaltend sinkende Preise.

Schwierigkeiten mit der Ertragslage belasten insbesondere den Detailhandel und den Tourismus. Beide Branchen leiden seit der starken Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro im Jahr 2011 unter dem intensiven Wettbewerbsumfeld. Im Tourismus hat sich die Abwärtsdynamik sowohl bei den Grossunternehmen als auch bei den KMU verlangsamt. Bei den Detailhändlern ist der Abwärtstrend hingegen ungebrochen, wie auch die seit 21 Monaten rückläufigen Daten über die Detailhandelsumsätze des Bundesamtes für Statistik zeigen.

Abnehmende Dynamik 
im Baugewerbe

Wie bereits in den Vormonaten, ­sanken im Baugewerbe weiterhin 
die Preise und die wirtschaftliche Dynamik. Während sich die Ertrags-
lage bei den KMU weiter verschlechterte, stabilisierte sie sich bei den Grossunternehmen erstmals seit 
dem Anfangsquartal 2015 auf tiefem Niveau. Die etwas besseren Zahlen bei den grossen Bauunternehmen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschäftslage 
seit dem zweiten Quartal 2010 nicht mehr so schlecht beurteilt wurde 
wie jetzt.

Auch bei den Architektur- und Ingenieurbüros litten die Grossunternehmen weniger unter schlechten Erträgen als die KMU. Gemäss der Erwartung der Unternehmen dürfte sich die unterschiedliche Entwicklung in den nächsten Monaten fortsetzen. Während die Grossunternehmen von steigenden Preisen ausgehen, rechnen die KMU mit einem tieferen Preisniveau.

KOMMENTAR

Was bringt uns das Jahr 2017?

Ökonomen sind bekanntlich nicht die Besten, wenn es darum geht, Aussagen über die Zukunft zu machen. Das hält sie aber nicht davon ab, es trotzdem zu tun. Jedes Jahr, wenn die Adventskalender aufgehängt werden, kommen die Prognosen für das nächste Jahr. Auch beim Schweizerischen Gewerbeverband sgv.

Für das Jahr 2017 erwartet der sgv ein Wirtschaftswachstum von ca. 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Schweiz. Die Inflation soll moderat negativ um die –0,5% ausfallen und die Arbeitslosigkeit im Band zwischen 3,0 und 3,3 Prozent bleiben. Damit sind die Erwartungen des sgv leicht optimistischer als der schweizweite Durchschnitt.

Wie kommt der sgv darauf? Zunächst ist es plausibel, dass es eine leichte Entspannung an der «Frankenfront» gibt. Es ist wahrscheinlich, dass die US-Zentralbank die Zinsen anheben wird. Das sorgt für kurzfristige Kapriolen in den Finanzmärkten, tut aber der Realwirtschaft gut. Ein stärkerer Dollar schafft eine Alternative zum Franken als «Fluchtwährung». Davon können die exportorientierten Branchen profitieren. Im Weiteren geht der sgv auch davon aus, dass andere Auslandsmärkte, zum Beispiel die EU oder China, ihre Wachstumspfade fortsetzen.

Wenn die Binnenwirtschaft die Arbeitsplätze in der Schweiz hält, bleibt auch sie auf moderatem Expansionskurs. Aufgrund all dieser Komponenten kommt der sgv – wie viele andere auch – auf ein positives Szenario. Weil der sgv die Auslandskomponente leicht übergewichtet, fällt seine Wachstumsprognose noch etwas optimistischer aus: 1,9 statt 1,7 Prozent BIP-Wachstum.

Was das Jahr 2017 aber in Wirklichkeit bringen wird, weiss niemand so genau. Und es ist auch immer sehr subjektiv. Aber auch das wird Ökonomen nicht davon abhalten, weiter Prognosen zu machen.

Henrique Schneider,
Stv. Direktor sgv