Publiziert am: Freitag, 10. März 2017

Industrieunternehmen unter Druck

KMU-Barometer — Das Barometer für die kleinen und mittelgrossen Industrieunternehmen fiel von Oktober 2016 bis Januar 2017 von –0,16 auf –0,38 Punkte. Die wirtschaftliche Lage der Dienstleister von KMU und Grossunternehmen verbesserte sich leicht.

Der leichte Rückgang des UBS-KMU-Barometers von Oktober 2016 bis Januar 2017 um 0,22 auf –0,38 Punkte war vor allem den gegenüber dem Vormonat schwächeren Bestellungseingängen und Produktionsniveaus zu verschulden. Die optimistische Erwartung des künftigen Produktionsniveaus verhinderte allerdings einen stärkeren Rückgang. Auch bei der zweiten Unternehmensgruppe, den Grossunternehmen, trugen die schlechteren Bestellungseingänge und das tiefere Produktionsniveau zum Rückgang bei. Zudem beurteilen die Grossunternehmen die künftige wirtschaftliche Situation deutlich weniger optimistisch. Der Januarwert des Barometers sowohl bei den KMU mit –0,38 Punkten wie auch bei den Grossunternehmen mit –0,56 Punkten liegt unter dem langjährigen Durchschnitt. Die immer noch zurückhaltende Einschätzung der wirtschaftlichen Lage dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Industrieunternehmen beider Unternehmensgruppen ihr aktuelles Beschäftigungsniveau immer noch als zu hoch bezeichneten.

Lichtblicke bei den Dienstleistern

Während die grossen Dienstleistungsunternehmen ihre wirtschaftliche Lage im ersten Quartal wieder deutlich besser beurteilten als noch Mitte des letzten Jahres, blieb die Lageeinschätzung bei den KMU unverändert. Zur optimistischeren Beurteilung bei den Grossunternehmen im Dienstleistungsbereich dürften die bessere Ertragslage und Nachfrage beigetragen haben. Während die Industrieunternehmen beider Unternehmensgruppen die Beschäftigung noch als zu hoch beurteilten, wurde sie bei den Dienstleistern unabhängig von der Unternehmensgrösse als gerade richtig beurteilt.

Zwar beurteilten die meisten Detaillisten ihre wirtschaftliche Lage immer noch als schlecht, jedoch konnte sowohl bei den KMU wie auch bei den Grossunternehmen der Abwärtstrend gestoppt werden. Vor allem die Grossunternehmen zeigten sich optimistisch bezüglich künftiger Umsätze, hingegen weniger optimistisch hinsichtlich der Preisentwicklung. Die KMU rechnen hingegen mit stabilen Verkaufspreisen im zweiten Quartal.

Trendwende bei den Gross­unternehmen im Tourismus?

Die Grossunternehmen in der Tourismusbranche beurteilten im Anfangsquartal ihre wirtschaftliche Lage das erste Mal wieder als gut seit der Aufgabe der Kursuntergrenze im Januar 2015. Diese Verbesserung wird von den meisten Subindikatoren gestützt. So verbesserte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal, die Ertragslage stieg erstmals seit Ende 2014 wieder und auch die Nach-
frage nahm im ersten Quartal leicht zu. Von einer Trendwende oder 
einer nachhaltigen Erholung bei den grossen Tourismusunternehmen zu sprechen, wäre aber verfrüht, da 
die Währungssituation angespannt bleibt. Die KMU im Tourismus jedoch waren in einer unkomfortablen wirtschaftlichen Situation. Sie bezeichneten die wirtschaftliche Lage seit 2010 als schlecht, die Erträge stiegen das letzte Mal Ende 2014 und auch die Nachfrage war im ersten Quartal des laufenden Jahres rückläufig.

Während sich die Geschäftslage bei den KMU im Baugewerbe im ersten Quartal wieder stabilisierte, verbesserte sie sich bei den Grossunternehmen beträchtlich. Diese leicht optimistischere Beurteilung der Situation basiert auf einer Trendwende bei vielen Subindikatoren. Die Stimmungsaufhellung ist aber nicht der Ertragslage zu verdanken, denn diese verschlechterte sich nach wie vor – sowohl bei den Grossunternehmen wie auch bei den KMU im Bausektor. Auch die Architektur- und Ingenieurbüros schätzten ihre Geschäftslage als konstant ein; beide Unternehmensgruppen konnten im ersten Quartal wieder leicht mehr Aufträge vermelden. Die KMU kämpfen aber auch in dieser Branche mit einer schwachen Ertragslage.

Dienstleistungen: Geschäftslage

Dienstleistungen: Ertragslage

Dienstleistungen: Preisentwicklung

n Klein

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Industrie: Ertragslage

Industrie: Preisentwicklung

Industrie: Auftragslage

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KOMMENTAR

Die Preisentwicklung gibt Rätsel auf

Kleine und mittlere Unternehmen erwarten leicht sinkende Preise. Grossunternehmen erwarten grosse Preiskorrekturen. Warum diese Diskrepanz?

Drei Erklärungsmöglichkeiten

Genau kann man es nicht sagen, aber es gibt drei Erklärungen. Sie schliessen einander nicht aus, 
sondern beleuchten je verschiedene 
Aspekte.

Unternehmen, die ihre Absatz­märkte in der EU haben, müssen 
Preise stärker senken als jene, die hauptsächlich im Binnenmarkt und im Nicht-EU-Ausland tätig sind. Der ewig sich entwertende Euro wird mit grossen Preisnachlässen gekontert.

Firmen, die eine feste Nische haben, passen ihre Preise nicht an. Sie schöpfen die Nische ab. Dass es zu Preisreduktionen kommt, hat mit der aktuellen Schweizer Negativteuerung zu tun.

Grossunternehmen können es sich auch erlauben, Preissenkungen aggressiv durchzusetzen. Das hat mit 
ihrer Margensituation und Struktur zu tun. KMU hingegen können sich keine grossflächigen Preissenkungen leisten und erwarten deswegen bei sich selber ebenfalls keine.

Vermutlich stimmen alle drei

Vermutlich stimmen auch alle drei Erklärungsmöglichkeiten gleichzeitig. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Wettbewerb nicht nur über Preis­reduktionen stattfindet.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv