Publiziert am: Freitag, 9. Dezember 2016

Mit Leidenschaft und Spass Gesamtes Business in der Cloud

GLICE® INNOVATIONAL AG – Das Luzerner Start-up vermarktet weltweit aus Spezialpolymeren ge­fertigte Eisfelder. Mit Erfolg – die Firma erschliesst immer mehr neue Märkte rund um den Globus.

Alles begann mit einer BBC-Sendung über Toni Vera, der in Spanien an einer Kunsteisbahn forschte. Dies war die Initialzündung für das heute boomende Start-up. «Das hat mich sofort gepackt. Also rief ich Vera an, ob er an einer Zusammenarbeit interessiert sei», erinnert sich Glice®-Mitbe­gründer Viktor Meier. «Ich wollte immer schon etwas Eigenes auf die Beine stellen, das hier war meine Chance.» Der Luzerner flog nach Südspanien und traf den gelernten Ingenieur und Kunststoffeis-Experten. Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut. Sie wurden nicht nur enge Geschäftspartner, sondern auch dicke Freunde. Während vier Jahren vermarkten sie nun unter dem Markennamen «Glice®» Schlittschuhbahnen aus Kunsteis – rund um den Globus, mit durchschlagendem Erfolg. «Es hat zwischen uns sofort Klick gemacht. Wir ergänzen uns bestens.» Meier kümmert sich um alles Kommerzielle, Marketing, Verkauf und Rekrutierung lokaler Vertriebspartner, während sich sein Partner in Orense auf die Weiterentwicklung der Produkte, Produktion, Logistik und technischen Support konzentriert.

«Unsere Kunsteisbahn ist mit null Strom- und Wasserverbrauch 100 
Prozent ökologisch.»

Die beiden Jungunternehmer können nach vier Jahren eine positive Bilanz ziehen: «Wir sind zufrieden mit der Entwicklung. Wir haben in- und extern ein tolles Team und geben Vollgas», so Meier. Der Umsatz des letzten Jahres hätte sich 2016 mehr als verdoppelt. Dies führt Meier auf das gute Image seines Produktes, auf die neuen Technologien, die bei Produktion und Vermarktung benutzt werden, und das System der Vertriebspartner und Gesamtlösungen zurück. «Ein ganz wenig profitieren wir natürlich auch vom guten Image der Schweizer Produkte», meint Meier lächelnd. Meier und Vera arbeiten in den rund 70 Ländern, in welchen sie schon ihre aus Spezialpolymeren gefertigte Schlittschuhbahnen installiert haben, mit lokalen Vertriebspartnern zusammen. «Dies bedingt, dass ich sehr viel reise. Doch dadurch können wir mit den Leuten vor Ort Vertrauen aufbauen, sie schulen und nicht selten entstehen sogar Freundschaften daraus», so Meier. Dieses Partnernetzwerk schaffe für den ganzen Betrieb eine Win-win-Situation und funktioniere bestens. «Wir standen von Anfang an jeweils in sehr engem Kontakt mit den lokalen Partnern, denen wir die Hälfte des Verkaufsgewinns überlassen sowie den Kunden. So konnten wir unser Produkt rasch verbessern.»

Alles aus einer Hand

Ein weiterer Pluspunkt sind die effektiven Gesamteisbahn-Business-Lösungen. «Darin enthalten sind nebst dem Installieren der Kunsteisbahn Schlittschuhe, Schleif- und Reinigungsmaschinen usw. In vier Stunden ist die Eisbahn aufgestellt und es kann losgehen», sagt Meier. Alles sei dabei von A bis Z aufeinander abgestimmt. Der Kunde wolle in der Regel nicht viel Zeit verlieren und 
die neue Errungenschaft möglichst schnell in Betrieb nehmen. Eine kleine Eisbahn vor der Garage kostet etwa 1000 Franken. Eine 200 Quadratmeter grosse etwa 80000 Franken und eine in einer olympischen Grösse eine halbe Million Franken. Gemäss Meier hält eine in der Schweiz entwickelte Glice®-Kunsteisbahn 20 Jahre. In der Hälfte der Lebenszeit lässt sich die Bahn einfach umkehren. So hat man wieder eine Neue.

«Es gehört für uns dazu, sich immer weiter zu entwickeln und spielerisch zu 
experimentieren.»

Die genaue Zusammensetzung ihrer Kunststoffbahnen – eine Mischung aus dichten, hochwertigen Polymeren mit Silikon und weiteren Additiven – hüten die Firmengründer wie Coca-Cola sein berühmtes Rezept. Bekannt sind indessen die ökologischen Vorzüge ihrer Erfindung: 100 Prozent rezyklierbar, hergestellt mit erneuerbaren Energien und gegenüber herkömmlichen Eisbahnen enorme Energie- und CO2-Einsparungen im Betrieb. Dazu Meier: «Eine konventionelle Eisbahn verbraucht pro Quadratmeter gleich viel Strom wie ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt. Unsere Alternative ist mit null Strom- und Wasserverbrauch 100 Prozent ökologisch.»

Hoher Qualitätsanspruch

Zur Unternehmenskultur gehört auch, dass alle Mitarbeitenden und Partner mit grosser Leidenschaft sich für den Brand Glice® und seine Produkte einsetzen. «Die Arbeit macht uns allen grossen Spass und das soll man auch spüren», sagt Meier. Ein weiteres Merkmal der Firmenphilosophie ist die Fähigkeit, schnell zu lernen und die Offenheit zu experimentieren. «Wir geben einander immer Feedbacks und schauen, was wir verbessern können. Dies hat auch mit unserem hohen Qualitätsanspruch zu tun», erklärt Meier. «Es gehört für uns dazu, sich immer weiterzuentwickeln und spielerisch zu experimentieren.»

Eine Herausforderung für das Start-up – besonders am Anfang – waren die flüssigen finanziellen Mittel. «Wir haben mit einem sehr bescheidenen Budget gestartet und in kleinen Schritten angefangen. Jeden Gewinn haben wir wieder in die Firma investiert», sagt Meier. In diesem Sinne vertrauten die engagierten Jungunternehmer auch nicht auf einen klassischen Businessplan, sondern viel mehr auf ihr Bauchgefühl. Mittlerweile machen sie so viel Umsatz, dass auch Finanzierungen drin liegen. Die Liste der Referenzobjekte ist lang und breitgefächert. Sie umfasst Länder auf der ganzen Welt: Neben den klassischen Eishockeynationen wie Russland, Kanada oder den USA verkauft Meier Eisbahnen auch an Länder wie Saudi-Arabien, Katar, China oder Chile. Auch im grössten Casino der Welt, dem «The Vene­tian», im südchinesischen Macao, oder im Pinguincenter in Detroit steht eine Glice®-Eisbahn.

«Jeden Gewinn haben wir wieder in die 
Firma investiert.»

Trotz harzigem Start vertreibt Meier seine Kunsteisbahnen auch in der Schweiz. Vor dem Hotel Chedi in Andermatt oder vor dem Altstätterhof in Brunnen sind eine solche zu finden. Meier und Vera sind zwei Entwickler und «Tüftler», die nicht still stehen wollen. «Wir müssen unsere Produkte immer wieder weiterentwickeln. So ist auch geplant, dass mein Partner sich nächstes Jahr wieder zu 50 Prozent neuen Projekten widmet», so Meier. Davon gibt es einige in der Schublade: Beispielsweise ein Franchising-Businesskonzept für Kunsteisbahnen. Jedenfalls gehen Meier und Vera die Ideen nicht so schnell aus.

Corinne Remund

DIGITALISIERUNG

Die Digitalisierung macht es möglich: Mit Hilfe von GoogleAdWords hat Glice®-Mitbegründer Viktor Meier in nur vier Jahren bereits mehr als 250 Hochqualitäts-Kunsteisbahnen in über 70 Ländern verkauft. Ein Weg durch den Glice weltweit effektiv und unkompliziert auf sich aufmerksam machen kann, wenn auf Google nach Synthetik-Eisbahnen gesucht wird. «Unsere Firma ist so quasi digital geboren, ohne neue Technologien hätten wir sie gar nicht so schnell und erfolgreich aufbauen können», erklärt der innovative Eisbahnverkäufer. «Unser ganzes Business ist in der Cloud. So haben wir jederzeit Zugriff auf unsere Geschäftsunterlagen. » Der geschäftliche Alltag im Luzerner Start-up funktioniert voll und ganz elektronisch. «Wir arbeiten nicht mit Papier», so Meier. Auch die Werbung erfolgt zu 70 bis 80 Prozent via Netz. Die Website ist in 15 Sprachen übersetzt. Dazu der Jungunternehmer: «Inzwischen finden die Kunden uns. Derzeit erhalten wir jeden Tag fünf bis zehn Anfragen aus aller Welt – das ist dank der Investition in unseren Internetauftritt schon fast ein Selbstläufer geworden. Seit dem Anfang habe ich jedes Jahr persönlich über 30 Länder bereist und bin mit vielen jungen Unternehmern weltweit zusammengesessen.»CR