Publiziert am: 25.10.2019

Ängste schüren, um zu regulieren

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – Eigentlich ist künstliche Intelligenz ein stetiger Begleiter der Wirtschaft – und das schon seit Jahrzehnten. Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich Politik und Medien stark für «KI» interessieren. Was aber beunruhigt: Es wird zunehmend negativ darüber berichtet. Für diese Entwicklung gibt es Gründe.

«Künstliche Intelligenz ist die Wissenschaft der Herstellung von Maschinen, die Dinge bewerkstelligen, für die Intelligenz von Menschen notwendig wäre.» Mit dieser Definition starteten Wissenschaftler bereits in den 1960er-Jahren die Forschung zur künstlichen Intelligenz, kurz auch «KI» genannt. Ob Bancomat oder Computer, diese Technologien galten alle schon als Inbegriff der KI. Selbst der Taschenrechner wurde einst als KI vermarktet. Das trifft auch zu, wenn man bedenkt: Er kann besser und schneller rechnen als Menschen.

Was diese und andere Formen der KI gemeinsam haben, ist: Sie helfen den Menschen nicht nur im Alltag, sondern sie setzen Arbeitskapa­zitäten frei. Je technologisierter die Arbeitswelt, desto wertvoller ist auch die menschliche Arbeit geworden.

Kontinuierliche Entwicklung

Als die ersten Computer ins Büro zogen, wurde der Tod der kaufmännischen Berufe prophezeit. Das Resultat? Es gibt heute mehr Bürojobs als je zuvor. Manche dieser Jobs sind spezialisierter und anspruchsvoller denn je. Andererseits wurden dank der künstlichen Intelligenz der Textverarbeitungsprogramme frühere Tätigkeiten, die mit der Wertschöpfung wenig zu tun hatten, eliminiert.

Viel früher noch begann die KI in der Industrie. CNC-Maschinen und Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme sind künstliche Formen der Intelligenz. Sie können präziser drehen und fräsen sowie genauer Arbeitsgänge und Materialien abstimmen. Und der Mensch? Auch hier wurde der Mensch gestärkt. Mechaniker lernten zu programmieren und mit Informationstechnologie umzugehen.

Die Revolution blieb aus

Als dann das Internet kam, sah man schon die ganze Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Zugegeben, das Internet ist keine «künstliche Intelligenz».

Es ist ein Netzwerk, das menschliche und künstliche Intelligenzen verbindet. Trotz oder wegen des Multiplikatoreffekts hat es die Realität nicht revolutioniert. Umgekehrt haben Menschen und Unternehmen gelernt, das Internet gewinnbringend einzusetzen. Es gibt dafür kein Patentrezept, sondern nur indi­viduelle Wege. Und was bringt die Zukunft? Das zu sagen, wäre vermessen. Doch es ist unwahrscheinlich, dass es, ausgelöst durch KI, eine Revolution geben wird. Die Anpassungswege sind so differenziert und individuell, dass sie zwangsweise zu einer Vielfalt von Prozessen führen. Einige werden erfolgreich sein, andere nicht. Aber viele neutralisieren sich gegenseitig.

Weshalb Ängste geschürt werden

Doch weshalb werden so viele Ängste rund um die KI geschürt? Ihr wird nichts weniger nachgesagt, als dass sie Arbeitsplätze zerstöre, ja sogar Menschen zu versklaven imstande sei. Diese Extremszenarien werden ganz bewusst gezeichnet. Das Ziel dabei ist simpel: Es soll mehr reguliert werden. Ideologisch geleitet, versuchen einige politische Akteure, ihrer Sicht die alleinige Deutungshoheit zu geben. Sie tun dies wie so oft: durch Regulierung. Und genauso oft verkennen sie dabei alles Gute, das KI bisher gebracht hat.

«EXTREMSZENARIEN WERDEN BEWUSST GEZEICHNET – MIT DEM EINZIGEN ZIEL, VERMEHRT ZU REGULIEREN.»

Das ist viel mehr als der Taschenrechner oder Computer. Es sind – um bloss zwei Beispiele zu nennen – höhere Löhne und bessere Produkte. Und davon profitieren wir alle.

Henrique Schneider,

Stv. Direktor sgv

Meist Gelesen