Publiziert am: Freitag, 22. Mai 2015

Ökologie auf hohem Niveau leben

HAUSHALTSGERÄTEBRANCHE – Politische Überzeugungsarbeit – besonders in Energiefragen – steht für den Fachverband Elektro­apparate für Haushalte und Gewerbe Schweiz FEA im Vordergrund. Eine Herausforderung ist die schweizerische Gesetzgebung.

Das Image der Haushaltsapparatebranche ist sehr gut, selbst grüne Politiker attestieren der Branche, Massstäbe im Bereich der Umweltverträglichkeit gesetzt zu haben. Ökologie und Energieeffizienz gehören denn auch zu den wichtigen Kerngeschäften des Fachverbandes Elektroapparate für Haushalte und Gewerbe Schweiz FEA. «Obschon oder gerade weil die Hersteller bereits viel erreicht haben, steht beim Verband seit Jahren die politische Überzeugungsarbeit immer an vorderster Stelle», betont FEA-Geschäftsführer Diego De Pedrini. «Dort geht es meistens um die Vermeidung von Sondervorschriften zum Energieverbrauch. Wir haben erreicht, dass das Bundesamt für Energie uns als zuverlässigen Partner wahrnimmt, den es anzuhören gilt.» Mit den Bekenntnissen zu den ökologischen Zielen in den 1990er-Jahren hat der FEA schon früh Pionierarbeit im Energiebereich geleistet. Dazu De Pedrini: «Wegweisend waren dabei die Verpflichtung zu ökologischem Verhalten in der Öko-Charta. Darin enthalten ist unter anderem auch eine fachgerechte Entsorgung der Geräte.» Seine ökologische Überzeugung ist für den FEA ein wichtiger Leistungsausweis, den er immer wieder erbringt. Dies in engem Kontakt zum Bundesamt für Energie BFE wie auch zum Bundesamt für Umwelt Bafu, da die sogenannten Öko-Design-Richtlinien – Vorschriften an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte – in Europa immer wichtiger werden. Diese seien im Einklang mit der EU zu übernehmen.

«Das Bundesamt für Energie nimmt uns als zuverlässigen Partner wahr.»

«Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir unsere Kontakte zum Bafu ausbauen. Wir müssen aufzeigen, dass die heute global aufgestellte Haushaltsgerätebranche mit ihren internationalen Fabriken keine kostspieligen Extraserien anfertigen kann», spricht De Pedrini eine wichtige Herausforderung der Branche an. Ebenso ein ungelöstes Problem ist die fehlende Erhebung der vorgezogenen Recyclinggebühr auf Importgeräten. «Dies führt zu einer Verteuerung der in der Schweiz verkauften Geräte gegenüber den importierten Produkten. Hier muss der Zoll in die Pflicht genommen werden», erklärt der engagierte Geschäftsführer.

Hohe Massstäbe in Ökologie- 
und Ökonomiefragen

Die Schweiz strebe oft eine gewisse Leuchtturmfunktion in Ökologiefragen an. «Spitzenprodukte setzen nicht nur beim Komfort, sondern auch bei der Ökologie immer höhere Massstäbe. Dies zeigt sich in der Bewerbung der Produkte», erklärt De Pedrini. «Hier betonen die FEA-Mitglieder das Thema Ökologie konsequent. Auch sind die Konsumentinnen und Konsumenten sehr gut informiert und vergleichen die in Frage kommenden Haushaltsgeräte vor dem Kaufentscheid sehr kritisch», weist De Pedrini auf compareco, das zurzeit wichtigste Projekt des FEA, hin.

«Wir fordern gleich lange Spiesse für in- und ausländische Firmen.»

Ein Erfolgsausweis bezüglich Energieeffizienz ist dabei auch die Energieetikette. Sie wurde Anfang der 1990er-Jahre in der EU erstmals für Kühl- und Gefriergeräte eingeführt. «Heute ist die Etikette für viele Geräte obligatorisch. Sie ist ein wichtiger Antrieb für die Entwicklung neuer Geräte und ein nützliches Instrument für deren Vergleichbarkeit geworden», so De Pedrini. Die FEA-Mitglieder erfüllen hohe Qualitätsanforderungen. «Die Geräte unserer Mitglieder sind alle zuverlässig und langlebig. So verurteilen wir auch jegliche Versuche einer geplanten Obsoleszenz durch bewusst eingebaute Produkteschwachstellen zur Verkürzung der Lebensdauer», betont De Pedrini.

Keine schweizerischen 
Sonderlösungen

Lange bevor der Gesetzgeber aktiv wurde, waren die Firmen selbst sehr fortschrittlich. Sie haben früh erkannt, dass Energieeffizienz und Ökologie wichtige Wettbewerbskriterien sind und haben deshalb ihre Produkte auch in dieser Hinsicht optimiert. So reduzierte sich beispielsweise der Stromverbrauch von Waschmaschinen von 1975 bis 2013 um 81 Prozent. Der Wasserverbrauch nahm sogar um 87 Prozent ab. «Kaum eine andere Branche hat einen ähnlichen Leistungsausweis», freut sich De Pedrini. Mehrere FEA-Mitglieder nehmen als Goldpartner am energyday teil und leisten mit ihren Aktivitäten einen Beitrag, dass der Stromverbrauch von Geräten kleiner wird.

Doch gerade weil sich die Schweiz in Ökologiefragen eine Spitzenposition ergattert hat, kann dies aus wirtschaftlicher Sicht auch zu Schwierigkeiten führen: Wenn solche Ziele nämlich nicht freiwillig erbracht werden, sondern in der Schweiz strengere Gesetze als in der EU eingeführt werden. «Dann werden Anschaffungen ausserhalb der Kanäle unserer Mitglieder im Ausland getätigt und die Vorschriften so umgangen. Dadurch werden nicht nur die eigentlichen Ziele zur Reduktion des Energieverbrauchs verfehlt, sondern auch die hier ansässigen Firmen benachteiligt. Wir fordern deshalb gleich lange Spiesse für in- und ausländische Firmen und den Verzicht auf schweizerische Sonderlösungen», so De Pedrini.

«Wir wehren uns gegen bewusst eingebaute Produkteschwächen.»

In jenen Fällen, in denen der schweizerische Gesetzgeber auf strengeren Vorschriften bestehe, müsse zumindest sichergestellt werden, dass diese auch umgesetzt würden. Heute bestünden teilweise Schwachstellen im Gesetz. So sei es für einen Privaten beispielsweise erlaubt, einen den schweizerischen Energieverbrauchsvorschriften nicht entsprechenden Kühlschrank zu importieren und zu installieren, während dies den Firmen unter Androhung schwerer Strafen verboten sei, konkretisiert De Pedrini.

Obwohl der Preisdruck und Konkurrenzkampf mit dem Ausland wie in jedem gesättigten Markt sehr hoch ist, verfügt die Branche über grosses Zukunftspotenzial: «Die Angebots­palette ist nach wie vor sehr gross. Dies gilt sowohl für die Haushaltsgrossgeräte, wo für praktisch alle Nutzerwünsche massgeschneiderte Geräte vorhanden sind, wie auch für Kleingeräte, wo die Märkte speziell dynamisch sind», erklärt Diego De Pedrini. Der Grossgerätebereich folge stark der Bautätigkeit, die nach wie vor hoch sei. Corinne Remund

COMPARECO

Der neutrale
Gerätefinder

Das derzeitige Leuchtturmprojekt des FEA ist sein Gerätefinder compareco. Damit unterstreicht die Branche ihre Bestrebungen, die Energieeffizienz der Geräte in den Vordergrund zu rücken. Entwickelt wurde compareco durch die Haushaltsgerätebranche, mit Unterstützung des Programms «EnergieSchweiz» (Bundesamt für Energie). In einer umfassenden und unabhängigen Datenbank können Konsumentinnen und Konsumenten die für sie passenden Geräte zum Kühlen, Gefrieren, Spülen, Waschen, Trocknen oder Backen schnell und unkompliziert finden und die Werte vergleichen. Neben Grösse, Leistung und anderen wichtigen Informatio­nen stellt die Energieeffizienz ein entscheidendes Suchkriterium dar. Die Nutzer können einfach und per Mausklick die stromsparenden Modelle aussuchen und vergleichen.

FEA KURZ ERKlÄRT

2 bis 2,5 Milliarden Umsatz pro Jahr

Der Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz FEA wurde 1980 gegründet. Er ist Ansprechpartner für allerlei Branchenthemen. Der Wirtschaftsverband setzt sich für eine branchenkonforme Gesetzgebung sowie für gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen ein. Eine wichtige Aufgabe des Verbandes besteht darin, die ökologischen Anstrengungen der Branche zu

koordinieren. Der FEA ist mit rund 50 Firmen, – grösstenteils KMU – namhafte Hersteller und Importeure der schweizerischen Haushaltapparateindustrie – organisiert. Alle Mitglieder des FEA bieten gesamtschweizerische Verkaufs- und Servicenetze an. Diverse Mitglieder verfügen über Produktionsstätten in der Schweiz und leisten durch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen am Anfang der Wertschöpfungskette einen besonders wertvollen volkswirtschaftlichen Beitrag. Der Gesamtumsatz dieser Firmen beläuft sich auf rund 
2 bis 2,5 Milliarden Franken pro Jahr. Der Wert der in den schweizerischen Haushalten im Gebrauch befindlichen Apparate und ­Geräte wird übrigens auf etwa 20 Milliarden Franken geschätzt.

Die Branche ist im europäischen Dachverband CECED vertreten und arbeitet an der Entwicklung und Überarbeitung von Energieetiketten und ökologischen Anforderungen mit.

CR