Publiziert am: 22.01.2016

2. Röhre schützt Menschenleben Wie geht das aus? Mehr unter www.gotthard-tunnel-ja.ch Alt-SP-Regierungsrat: «Jede Sekunde zählt»

Gotthard-Sanierungstunnel – Mehr Sicherheit, weniger Unfälle und ein Pannenstreifen für Rettungsfahr­zeuge: Die Sanierungsröhre hat unschätzbare Vorteile für die Sicherheit.

Verkehr in den 
Tunnel – nicht ins Quartier

Der Gotthard-Strassentunnel ist mit seinen 17 Kilometern einer der längsten Tunnel Europas. Im Vergleich mit anderen Tunnel in Europa und auch im Schweizer Nationalstrassennetz ist die Unfallgefahr im Gotthard-Strassentunnel am höchsten. In der engen Röhre im Gegenverkehr kreuzen Lastwagen, Wohnmobile und Personenwagen auf engstem Raum. Pro Stunde kommt es durchschnittlich zu 75 000 Kreuzungen. Nur ein Fahrfehler, eine Unaufmerksamkeit auf der monotonen Fahrt, und schon kann es zu einem verheerenden Unfall kommen. Wie 2001, wo eine Frontalkollision zweier LKW elf Todesopfer forderte. Eine zweite Röhre würde diese Unfallursache praktisch ausschliessen.

Gefährliche Durchfahrt

Pannenstreifen gibt es im Gotthardtunnel nicht. Die Sicherheitsnischen sind viel zu weit voneinander entfernt, und der Gegenverkehr erfordert von den Automobilisten höchste Konzentration. Entsprechend gefährlich ist die Fahrt durch den Tunnel.

Mit einer Sanierungsröhre könnte nicht nur die Sicherheit massiv erhöht, sondern auch die Unfallgefahr deutlich gesenkt werden. Es entstehen zwei richtungsgetrennte Röhren mit je einem Pannenstreifen.

Denn nicht nur die Autofahrer, sondern auch der Pannendienst ist darauf angewiesen, rasch zum jeweiligen Unfallort zu gelangen.

Alberik Ziegler – Alt-SP-Regierungsrat des Kantons Uri und ehemaliger Kommandant der Rettungskräfte am Gotthard holte selber Opfer aus dem Tunnel. Für ihn ist klar: Wegen der Sicherheit braucht es eine zweite Röhre.

Gerade SP-Kreise stehen dem Bau eines Sanierungstunnels am Gotthard kritisch gegenüber. Weshalb unterstützen Sie den Bau einer zweiten Röhre?

AZ: Wegen der Sicherheit. Es geht hier um Menschenleben und nicht um Ideologien. Wer einmal einen Unfall in einem solchen Tunnel miterlebt hat, weiss: Es braucht eine zweite Röhre.

Was würde sich denn dank einer Sanierungsröhre im Gotthard-Strassentunnel an der Sicherheitssituation ändern?

AZ: Wenn in einer derart grossen Tunnelanlage eine Frontalkollision passiert, stehen zahlreiche Menschenleben auf dem Spiel. Im Gotthardtunnel war dies 2001 der Fall: Nach der Frontalkollision zweier Lastwagen sind damals elf Menschen ums Leben gekommen. Generell gilt: Sobald im Tunnel ein grosser Brand ausbricht, entsteht ein Chaos. Temperaturen bis zu 1000 Grad Celsius und eine enorme Rauchentwicklung machen ein Überleben schier unmöglich. Nur ­eine zweite Röhre schliesst solche Unfälle praktisch aus.

Wie haben die Ereignisse aus Ihrer Zeit als Stützpunktkommandant Sie geprägt?

AZ: Jeder Mensch, der im Gotthardtunnel ums Leben gekommen ist, ist ein Toter zu viel. Das Risiko, das durch den Gegenverkehr entsteht, kann man nur lösen, indem man eine zweite Röhre baut. Der heute fehlende Pannenstreifen würde es den Sicherheitskräften erlauben, schneller an den jeweiligen Unfallort zu gelangen. Vergessen wir nicht: Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Denn ein Mensch kann lediglich drei Minuten ohne Sauerstoff überleben.

Petra Wyrsch-Gisler, betroffene Anwohnerin: Petra Wyrsch-Gisler wohnt mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn Adrian am Rande von Erstfeld nahe den grünen Feldern. Anfang 2016 erwartet die Familie Nachwuchs, ein zweites Kind ist unter­wegs. Wird der Bau einer zweiten Röhre abgelehnt, fürchtet Petra Wyrsch-Gisler um die Sicherheit ihrer Familie. Denn kaum fünf Meter vor ihrer Türe würden künftig während 18 Stunden am Tag Lastwagen vorbei auf die über­di­mensionierten Rampen für den Bahnverlad fahren. Diese werden von den Tunnelgegnern anstelle der zweiten Röhre gefordert. «Eine zweite Röhre bringt mehr Sicherheit – und 
das ist dringend nötig. Die Lastwagen gehören 
in den Tunnel und nicht auf unsere Kantonsstrasse 
und in unser Quartier», macht sich Petra Wyrsch-
Gisler Sorgen. «Meine Kinder sollen ohne gefährlichen Lastwagenverkehr auf den Spielplatz und 
in die Schule gehen können.»