Publiziert am: Freitag, 11. Dezember 2015

2016 – der steile Weg bergaufwärts

Tribüne

Sie kennen die Geschichte von den drei Fröschen im Milchfass? Nachdem sie ­hineingefallen sind, paddeln sie wie verrückt. Zwei gehen unter, weil sie aufgeben; der dritte sitzt auf Butter. Genau das ist die Situation im Gewerbe und in vielen KMU. Wollen wir aufgeben, weil wir müde sind, nicht die geeigneten Mitarbeiter finden und die Konkurrenz die Preise kaputt macht? Oder paddeln wir mit aller Kraft, damit wir am Ende die Gewinner bleiben?

Hinter uns liegt ein schwieriges, aber kein schlechtes Jahr. Im Tessin machen die Handwerker freitags immer noch um 15.00 Uhr Schluss. Wahrscheinlich fluchen sie dann über die Billigkonkurrenz aus Italien oder ­sehen sich ein Fussballspiel ihrer Lieblingsmannschaft an. Der Geist von Sepp Blatter, der aus der Schweiz den Weltfussball geschaffen hat, weht über allen.

2016 wird schwieriger. Bereits haben wir, nach den Regeln der OECD in Paris, mehr Arbeitslose als Deutschland. Natürlich hören wir dies nicht gerne und unsere Medien schenken dem nicht viel Aufmerksamkeit, aber die Wirklichkeit lässt sich auf Dauer nicht betrügen. Die bei uns so sehr gehasste Europäische Union, die EU, der Hauptabnehmer unserer Produkte und Dienstleistungen, findet langsam Halt, aber ist immer noch kein Motor der Weltwirtschaft. Aus den USA kommen nur schlechte Nachrichten; die Selbstmordrate im dortigen weissen Mittelstand erreicht Spitzenwerte. Nur Lateinamerikaner, dunkelhäutige Amerikaner und eingewanderte Asiaten bleiben optimistisch und am Leben.

Auf China ist wenig Verlass, auf Afrika schon gar nicht, und Brasilien,
Nr. 1 in Lateinamerika, liegt in Trümmern. Also müssen wir uns auf uns selber verlassen, gut produzieren, hier einkaufen. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv hat immer wieder dafür gekämpft, dass wir nicht in Deutschland, Frankreich oder Italien
fremdgehen; das ist auch richtig so. Anderseits kaufen unsere kantonalen und Bundesbehörden, die kleinen und grossen Firmen ­gezwungenermassen immer mehr dort ein, wo es billiger ist: im Ausland. Mein Taxifahrer in Zürich kann nur überleben, wenn er am Wochenende in Konstanz einkauft, denn die hohe Miete frisst sein Einkommen auf.

Wer ein wenig oder etwas mehr gespart hat, hat bei unseren Banken keine Freunde mehr. Die Zinsen sind eine Katastrophe, die Anlageempfehlungen oft auch. Wer etwas riskieren will, ist meist ärmer als zuvor. Die Banken schützen sich vor Forderungen mit seitenlangen Erklärungen, die schon zu lesen eine Zumutung ist.

Was also tun? Gibt es eine Lösung, die machbar ist? Nun, ich kenne das Gewerbe und die KMU. Gewinnen wird in diesem wenig übersichtlichen Gelände nur, wer das eigene Denken gelernt hat. Die Fähigkeit unserer Vorfahren, der Grosseltern, Tag und Nacht zu arbeiten, sich laufend zu verbessern, den schlechten Mitarbeitern den Schuh zu geben, diese Fähigkeit war es, die viele zu glücklichen Erben gemacht hat. Der Mut, nicht in das Stadion oder auf den Golfplatz zu gehen, sondern zu Hause den Kunden, auch am Wochenende, zu dienen, dieser Mut ist es, der unser Gewerbe am Leben hält.

Wir leben in einer krisenhaften Zeit. Was ist das, eine Krise? Eine Krise ist eine rasche Veränderung, der wir uns nicht bewusst waren, die wir nicht kommen sahen. Wer einen Familienbetrieb führt, muss heute krisenfest sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn viele unserer erfolgreichsten Gewerbler haben kaum Krisenerfahrung. Was tue ich, wenn die Konkurrenz mir den Markt nimmt? Wie antworte ich auf eine Pressekampagne, die meine Kompetenz infrage stellt? Wer derlei überlebt, wird seine Firma an die nächste Generation weitergeben können. Und existiert diese Generation nicht, dann gilt es, den Verkauf vorzubereiten. All dies ist nicht leicht.

Ich bin optimistisch, was 2016 betrifft. Wir haben Wissen, Energie und stille Reserven. Wir haben, immer noch, eine grossartige Jugend, für die zu arbeiten es sich lohnt. Wir haben viel erlebt, viel überstanden und viel gelernt. Was wir verhindern müssen, ist der Übermut des Staates, der tief in unsere Taschen greift, der uns Tage und Stunden stiehlt mit unsinnigen Formularen.

Deshalb brauchen wir kampfbereite
bürgerliche Politiker, auch Frauen. Nicht zu viele grüne Träume, denn derlei ist teuer und die Aussichten sind unscharf. Wir sollten auch Medien haben, die uns nicht, wie bei der SRG, dem Schweizer Fernsehen und Radio, mit viel Sauce den Verstand verwirren. In zwölf Monaten werden wir wissen, wer dies verstanden hat. Ich wünsche Ihnen einen guten Kampf.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon ZH .

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.