Publiziert am: 17.02.2023

Ausstellungen für eine Alltagspause

KUNST – Bei akuten Inspirationskrisen rettet einen manchmal bloss noch die Kunst. Ein Glück, ist davon zur Genüge vorhanden: Diese sechs Ausstellungen sind alle eine kleine Auszeit wert.

Die Fondation Beyeler widmet dem amerikanischen Maler Wayne Thiebaud (1920–2021) die erste Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum. Thiebaud, der seine Karriere ursprünglich als Grafikdesigner begann und kurze Zeit für die Walt Disney Studios in der Trickfilmabteilung arbeitete, beschwört in seinen Gemälden von Sahnetorten, Kuchenstücken, Cupcakes und Bonbons die Verheissungen und den Überfluss des «American Way of Life». Neben den Stillleben werden Figurenbilder sowie multiperspektivische Städtebilder und Landschaften ausgestellt, welche die Vielseitigkeit des brillanten Malers demonstrieren. Seine raffinierten Farbsetzungen scheinen die Motive zum Leben zu erwecken und schaffen eine ganz eigene Stimmung, die sich zwischen Nostalgie, Melancholie, Ironie und Witz bewegt. Die Retrospektive präsentiert mit 65 Werken aus vor allem amerikanischen Museen und privaten Sammlungen die wichtigsten Schaffensperioden des Künstlers und lädt dazu ein, seine Bildwelt und seine virtuose Malweise zu entdecken.

Wayne Thiebaud, 29. Januar bis 21. Mai 2023,

www.fondationbeyeler.ch

Kunstmuseum Bern

Das Kunstmuseum Bern zeigt die erste grosse Überblicksausstellung zu den Gemälden von Katharina Grosse in der Schweiz. Grosse, die als international bedeutendste Malerin ihrer Generation gilt, entwickelt seit den 1990er-Jahren ein durch seine Performativität und Medialität bestechendes Werk.

Katharina Grosse. Studio Paintings 1988–2022. 3. März bis 25. Juni 2023, Vernissage: 2. März, 18.30 Uhr,

www.kunstmuseumbern.ch

Zentrum Paul Klee

Joan Miró ist bekannt für seine farbigen surrealistischen Traumwelten. Besonders nach dem lang ersehnten Bezug eines eigenen grossen Ateliers in Palma de Mallorca im Jahr 1956 erweiterte der katalanische Künstler seinen Malereibegriff jedoch auf bisher unbekannte Weise. Er hinterfragte sein gesamtes bisheriges Schaffen, überarbeitete frühe Werke oder nahm die Arbeit an unvollendeten Werken wieder auf. Dieser Moment der Selbstkritik und des Neuanfangs bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung «Joan Miró Neue Horizonte» im Zentrum Paul Klee in Bern.

«Joan Miró Neue Horizonte», 28. Januar bis 7. Mai 2023, www.zpk.org

Fondation Hermitage, Lausanne

In der ersten Hälfte des Jahres 2023 widmet die Fondation de l’Hermitage einem der wichtigsten Künstler des belgischen Schaffens zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine grosse Retrospektive: Léon Spilliaert (Ostende 1881 – Brüssel 1946). Autodidakt, ausgebildet im Kontakt mit der Literatur seiner Zeit und überzeugt von seiner Bestimmung als auserwählter Künstler, ist Spilliaert Autor eines Werks von tiefgreifender Originalität, das von metaphysischen Fragen und der flämischen Kultur durchdrungen und fast ausschliesslich auf Papier produziert wurde. Der gebürtige Ostende mischt grafische Techniken und knüpft Verbindungen zur zeitgenössischen Symbolik und zum Expressionismus und scheint in seinen radikalsten Landschaften, die aufs Äusserste vereinfacht sind, geometrische Abstraktion und Minimalismus anzukündigen.

Leon Spilliaert. Mit der Nordsee…, 27. Januar bis 29. Mai 2023,

www.fondation-hermitage.ch

Aargauer Kunsthaus

Knospende Äste, duftende Blüten und frisches Grün läuten den Frühling im Aargauer Kunsthaus ein. Die neunte Ausgabe der Ausstellung Blumen für die Kunst setzt den Dialog zwischen Floristik und Kunst fort. Meisterfloristinnen und Blumengestalter aus der Schweiz sowie ein internationaler Gast stellen ihre floralen Kompositionen klassischen und zeitgenössischen Werken aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses gegenüber: Ein Konzept, das überraschende Sichtweisen ermöglicht. Freuen Sie sich auf ein sinnliches und emotionales Kunsterlebnis! Blumen für die Kunst ist ein Projekt von FLOWERS TO ARTS und dem Aargauer Kunsthaus.

Blumen für die Kunst, Florale Interpretationen von Werken aus der Sammlung, 7. bis 12. März 2023, Tickets: shop.aargauerkunsthaus.ch/events,

www.aargauerkunsthaus.ch

Kunstmuseum Zürich

Durch die Zusammenstellung von rund sechzig Werken bietet das Kunsthaus Zürich eine noch nie dagewesene Gelegenheit, den Zeichner Füssli in seiner innovativsten und aufregendsten Form zu erleben, als Autor einer faszinierenden Bilderwelt, die sich ebenso aufreizend wie abgründig ausnimmt.

FÜSSLI Mode – Fetisch – Fantasie, 24. Februar bis 21.Mai 2023,

www.kunsthaus.ch

Corinne Remund

MUSEUMS-TIPP

Rausch – Extase – Rush

Das Bedürfnis, sich zu berauschen, scheint ein menschliches Urbedürfnis zu sein. Bereits Kinder versetzen sich im Spiel gelegentlich in einen berauschenden Zustand. Später suchen Menschen den Rausch in Mutproben und im Sport, in Musik und Tanz, in der Liebe, der Spiritualität, der Kunst oder im Konsum von psychoaktiven Substanzen. Für Jugendliche sind Rauscherfahrungen besonders reizvoll, doch der Umgang mit Risiken oder verführerischen Tabak- und Alkoholwerbungen ist eine enorme Herausforderung. Was genau ist Rausch? Warum streben wir nach ekstatischen Gefühlen und was fasziniert uns so daran?

Die Ausstellung untersucht das Phänomen «Rausch» und dessen Auswirkungen. Auf einer multimedialen Reise begegnen die Besucher/innen geschichtlichen Hintergründen sowie den Möglichkeiten und Risiken eines Rausches. Dabei ist die grosse Frage, warum unsere Gesellschaft so widersprüchlich mit diesem Phänomen umgeht. Die Ausstellung bildet den Kern des Fokusthemas «Rausch», dem sich das Bernische historische Museum vom 26.1. bis 13.8.2023 widmet.

Rausch – Extase – Rush 26.1. bis 13.8.2023www.bhm.ch

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