Publiziert am: Freitag, 6. Oktober 2017

Absatzmarkt im In- und Ausland stärken

SCHWEIZERISCHER SPIRITUOSENVERBAND – Der SSV setzt sich für gleich lange Spiesse in der Werbebestimmung und bei der 
Alkoholsteuer ein. Ebenso will die Branche das Image der Spirituosen rehabilitieren.

Der Schweizer Spirituosenmarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Vor 20 Jahren zählte die Schweiz noch 770 gewerbliche Brenner, heute sind es noch 250. In derselben Zeitspanne sank die Schweizer Spirituosenproduktion von 64 000 hl reinen Alkohols auf 22 000 hl. Gemäss der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV) belief sich die Produktion inländischer Spirituosen im Brennjahr 2015/16 auf 21 106 hl reinen Alkohols. Dies entspricht einem Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem vorherigen Brennjahr. Die Importe dominieren den Schweizer Spirituosenmarkt mit einem Marktanteil von 80 Prozent. Die inländischen Brände und die auf Basis von Trinkspirit erzeugten inländischen Spirituosen verteilen sich auf die übrigen 20 Prozent. Dies ist eine direkte Folge der 1999 von Parlament beschlossenen Steuerharmonisierung. Dazu Ernest Dällenbach, Zentralsekretär des Schweizerischen Spirituosenverbandes (SSV): «Seit 1999 hat der Import stetig zugenommen. Bis 1990 wurden in der Schweiz hauptsächlich in der Schweiz produzierte Brände konsumiert.» Der Spirituosenexport ist 2016 um fünf Prozent auf 3361 hl angestiegen. Besonders begehrt sind im Ausland die Schweizer Kirschen. Sie nahmen in den letzten acht Jahren kontinuierlich zu, 2016 sogar um 65 Prozent. Insgesamt wurde letztes Jahr 122`890 hl Spirituosen konsumiert.

«WIR FORDERN DIE
ANPASSUNG DER 
WERBEBESTIMMUNGEN AN DIEJENIGEN DER EU.»

«Der allgemeine Spirituosenkonsum ist allerdings seit Jahrzehnten sinkend», stellt Dällenbach fest. Er führt dies auf veränderte Lebensgewohnheiten zurück. «Der Alkohol hat generell einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft bekommen. Dies zeigt sich beispielsweise mit der 0,5-Promille-Grenze oder bei einem Geschäftsessen, wo wenig bis kein Alkohol konsumiert wird», erklärt Dällenbach. Leider sei das Image der Spirituosen immer noch etwas umstritten. Dies zu Unrecht, erklärt Dällenbach, habe doch 2 cl eines Brandes gleich viel Volumen Alkohol wie 3 dl Bier oder 1 dl Wein. «Wir sind die Ersten, die nicht wollen, dass Jugendlichen unter 18 Jahren Spirituosen abgegeben werden, sowohl in der Gastronomie als auch im Detailhandel», betont Dällenbach. Zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit der Branche gehört für den SSV auch, sich in der Präventionsarbeit einzubringen. «Wir arbeiten eng mit den Verantwort­lichen in der Prävention sowie mit dem Bundesamt für Gesundheit zusammen. Zudem zahlt die Spirituosenbranche jedes Jahr rund 280 Millionen Franken Alkoholsteuer. Zehn Prozent davon gehen direkt in die Prävention», sagt Dällenbach.

Obwohl hochprozentige Edelbrände, Whisky, Rum und andere Destillate als purer Genuss für den Gaumen gedacht sind und im Mass konsumiert werden, gibt es immer eine kleine Minderheit, die zu viel davon trinkt. «Dies ist nicht zu vermeiden. Mehr Kontrollen und Einschränkungen wären heute nicht zumutbar. Irgendwo müssen wir an die Eigenverantwortung appellieren», sagt Dällenbach. Daher ist der SSV auch Mitglied der Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik (AWMP).

Gleich lange Spiesse

Ein Hauptanliegen des Verbandes auf politischer Ebene ist die Gleichbehandlung aller alkoholischen Getränke, speziell in Bezug auf die Werbung und die Verkaufseinschränkungen. «Wir fordern die Anpassung der Werbebestimmungen an diejenigen der EU. Heute sind die Schweizer Werbebeschränkungen für Spirituosen viel strenger. Im Zeitalter von Internet und sozialen Medien ist dies einfach unverhältnismässig», s0 Dällenbach. Der Verband wünscht sich auch gleich lange Spiesse bezüglich der Abstimmung der Alkoholsteuer mit derjenigen der Nachbarländer. Dazu Dällenbach: «Heute ist die Schweizer Alkoholsteuer mit 29 Franken pro Liter reinen Alkohols mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Alkoholsteuer der umliegenden Länder wie Frankreich, Deutschland, Österreich oder Italien.» Damit werde der Einkaufstourismus gefördert.

Image verbessern

Die Branche will das Image der Spirituose rehabilitieren. «Dabei ist unsere Message klar: Solange starker Alkohol massvoll konsumiert wird, schadet er nicht – im Gegenteil, er ist für viele Genuss pur», konkretisiert Dällenbach. Künftig noch mehr Gewicht legt der SSV auf die Aus- und Weiterbildung. «Die Ausbildung hat einen direkten Einfluss auf die Qualität unserer Produkte. Indem wir Know-how vermitteln und unsere Leute weiterbilden, bekommen sie ein fundierteres Wissen und produzieren nachhaltiger und auf höherem Niveau», erklärt Dällenbach. Der Verband will deshalb sein Ausbildungsprogramm ausbauen mit Brennkursen sowie die Ausbildung der Spirituosensommeliers unterstützen etc.

Mehr Export

Die Branche hat noch Potenzial, unter anderem im Export mit Schweizer Whisky. «Der inländische Alkoholkonsum geht stetig zurück. Aus diesem Grund sollte der Export intensiviert werden. Die Qualitätsprodukte haben wir – es braucht nur noch die nötigen Beziehungen und Absatzkanäle», betont Dällenbach.

Corinne Remund

Der SSV KURZ ERKLÄRT

Information und Lobbying als Hauptaufgaben

Der Schweizerische Spirituosenverband (SSV) wurde am 13. November 1892 gegründet. Hauptzweck war damals schon die vermehrte Wahrnehmung der Mitgliederinteressen. Die Hauptaufgabe des Verbandes ist die Information der Mitglieder. Der Verband ist die erste Anlaufstelle für sämtliche Fragen der Mitglieder wie beispielsweise zum Arbeitsrecht, zur Absatzförderung, zur Weiterbildung etc. Einen wichtigen Stellenwert hat das Lobbying. Der Verband setzt sich dafür ein, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen bezüglich Import, Export, Zollansätze, Alkoholsteuer oder Werbebestimmungen etc. im Sinne der Mitglieder gesetzeskonform sind. Der Verband fördert die funktionsfähigen Strukturen im Spirituosengewerbe der Schweiz. Er will die Hindernisse und Probleme der Branche identifizieren, analysieren und beurteilen, um gangbare Lösungen und Vorschläge zu finden. Dazu vertritt der Verband die Interessen des schweizerischen Spirituosengewerbes gegenüber Behörden, Amtsstellen von Bund und Kantonen sowie gegenüber anderen Organisationen und der Öffentlichkeit, dies auf nationaler und internationaler Ebene. Der engagierte Verband beschäftigt sich auch mit der Weiterbildung seiner Mitglieder. Ebenso gestaltet er die Schweizer Alkoholpolitik mit und wirkt bei der Präventionsarbeit mit.

Der Verband zählt aktuell 45 Mitglieder. Dies sind Spirituosenproduzenten (Brenner) sowie Importeure, Exporteure und Distributeure. Sie decken 80 Prozent der Schweizer Spirituosen und ca. 15 Prozent der Importspirituosen ab. Die gesamte Branche macht jährlich einen Umsatz von 4.2 Mia (direkt und indirekt) Franken. CR