Publiziert am: Freitag, 10. April 2015

Afrikas grösster Handelspartner

CHINA – Das Reich der Mitte ist im Schwarzen Kontinent seit vielen Jahren überaus aktiv. Von allen Nationen, die um Afrika ­buhlen, ist es am besten darauf vorbereitet, aus seiner dominierenden Rolle Kapital zu schlagen.

China ist mit einem Gesamthandelswert von 200 Milliarden US-Dollar Afrikas grösster Handelspartner. Peking hat eine Kreditlinie von 30 Milliarden Dollar an afrikanische Regierungen eröffnet, wie Gastexperte Brendan O’Reilly für den Informationsdienstleister Geopolitical Information Service AG (GIS) schreibt. Doch das ist nicht alles: Während etwa eine Million Chinesen in Afrika leben, leben um die 200 000 Afrikaner in den Ballungsräumen Chinas. Die Verbindung ist also eng. Und sie ist intensiv. Diese Zahlen deuten an, dass von allen Nationen, die um einen Anteil am Wirtschaftswachstum Afrikas konkurrieren, China das Land ist, das am besten darauf vorbereitet ist, aus seiner dominierenden Rolle Kapital zu schlagen.

Business,…

Chinesische Unternehmen blicken zunehmend auf Afrika. Die relative Armut bietet wirtschaftliche Chancen. Die Arbeitskosten sind in den meisten afrikanischen Ländern extrem niedrig, während die Durchschnittslöhne in China im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte rapide gestiegen sind. Zhang Huarong, ein chinesischer Unternehmer, der eine Schuhfabrik in Äthiopien errichtet hat, sagt, «Äthiopien ist genau wie China vor 30 Jahren.» China braucht Afrika als Rohstofflieferant. Doch das Reich der Mitte sieht im Schwarzen Kontinent auch einen aufstrebenden Markt für eigene Produkte. Und einen Markt, den man mit Infrastrukturinvestitionen entwickeln kann.

…Politik…

Pekings Ausdehnung seiner Aktivitäten nach Afrika hat damit bedeutende politische Dimensionen. Da China darum bemüht ist, die zwischenstaatliche politische Stabilität und die Zusammenarbeit innerhalb Afrikas zu erhöhen, hat es für das neue Hauptquartier der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bezahlt und dieses auch gebaut. Im Jahr 2012 sicherte Peking der Afrikanischen ­Union 95 Millionen US-Dollar über den Zeitraum der nächsten drei Jahre zu. Das ist mehr als zehn Prozent des Jahresbudgets der Afrikanischen Union. Doch Chinas Dominanz in Afrika könnte mit der Zeit geschwächt werden, so dass es dann nur noch ein ausländischer Investor unter mehreren sein wird, der sich in Afrika um wirtschaftliche Vorteile drängelt. Indien zum Beispiel hegt wachsende Ambitionen in Afrika. China verfügt allerdings über Vorteile, die Indien nicht hat. China ist sehr kompetent, wenn es um die Errichtung von Infrastruktur geht; und solche Projekte sind häufig in seine Geschäftsabschlüsse mit eingeschlossen. Indien verfügt nicht über dieselben Fähigkeiten.

…und Konkurrenz

Die Konkurrenz der Supermächte wird sich allerdings sehr wahrscheinlich in Chinas Afrikapolitik widerspiegeln. Zurzeit sind die Vereinigten Staaten und China an einer freundschaftlichen Form der globalen Konkurrenz beteiligt. Während China seine Investitionen in Afrika erhöht hat, scheinen die Vereinigten Staaten in erster Linie eine militärische Herangehensweise zu wählen.

Der Ministerpräsident Chinas hat Afrika versprochen: «China wird niemals einen kolonialistischen Weg einschlagen, so wie einige Länder es taten, oder dem Kolonialismus, der der Vergangenheit angehört, erlauben, in Afrika wieder in Erscheinung zu treten.» Mal sehen, wie ernst solche Zusagen genommen werden können.

Henrique Schneider,
Ressortleiter sgv

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