Publiziert am: Donnerstag, 30. August 2018

Agrar-Initiativen bedrohen Arbeitsplätze im Detailhandel

ABSTIMMUNGEN Die Detailhandelsverbände Swiss Retail und VELEDES empfehlen den Stimmberechtigten in einer gemeinsamen Aktion, die beiden Agrar-Initiativen abzulehnen. Es drohten hohe finanzielle Belastungen für Konsumenten und Steuerzahler, die Reduktion der Angebotsvielfalt und der Verlust von Arbeits­plätzen im Detailhandel.

Der Detailhandel ist der grösste Arbeitgeber des privaten Sektors: Er beschäftigt rund 325’000 Personen, was 6,5 Prozent der Beschäftigten in unserem Land entspricht. Jede 8. Lehrstelle und jede 9. Teilzeitstelle finden sich im Detailhandel. Die Branche erbringt eine grosse Integrationsleistung – zugunsten der ganzen Gesellschaft.

Gewichtiges NEIN

Keine Frage: Die Stimme des Detailhandels hat Gewicht. Umso interessanter, dass sich die Detailhändler nun klar für ein NEIN zu den beiden Agrar-Initiativen aussprechen, über welche die Schweizer Stimmberechtigten am 23. September entscheiden werden.

Die Detailhandelsverbände Swiss Retail und VELEDES empfehlen den Stimm­be­rechtigten in einer gemeinsamen Aktion, die beiden Agrar-Initiativen abzulehnen. Es drohten hohe finanzielle Belastungen für Konsumenten und Steuerzahler, die Reduktion der Angebotsvielfalt und der Verlust von Arbeitsplätzen im Detailhandel, sollten die Volksinitiativen «Fair Food» und «Für Ernährungs­souveränität» durch­kommen. «Sie schlagen Vorgaben für die Schweizer Lebensmittelproduktion sowie höhere Zölle, Importbeschränkungen und -verbote vor», halten die grossen Verbände in einem gemeinsamen Aufruf fest. «Diese Veränderungen würden den Lebens­mittel­einkauf verteuern und die Konsumentinnen und Konsumenten belasten. Der für die Umsetzung notwendige Kontrollapparat und die vorgeschlagenen zusätz­lichen Subventionen würden sich zudem in den Staatsfinanzen niederschlagen, sie müssten über Steuern finanziert werden.» Gewisse Produkte würden ganz verschwinden und dadurch die Angebotsvielfalt sinken.

Für mündige Kosumenten und…

Der Detailhandel hält dem die Wahlfreiheit entgegen: «Die Schweizer Konsu­mentinnen und Konsumenten sind mündig und können im heute geltenden rechtlichen Rahmen selber entscheiden, was auf ihre Teller kommt und wo sie ihre Lebensmittel einkaufen – dies umso mehr, als in der Schweiz bereits sehr strenge Vorschriften zum Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt in Kraft sind. Zudem gibt es auf freiwilliger, marktwirtschaftlicher Basis zahlreiche Produktlabels, die Orientierung in der Vielfalt des Angebots schaffen.»

 

…gegen noch mehr Einkaufstourismus

Derjenige Teil der Schweizer Bevölkerung, der sich die höheren Preise nicht leisten wolle oder könne, die hierzulande dann nicht mehr erhältliche Produkte aber weiterhin einkaufen möchte, würde sich im Ausland eindecken, fürchten die Detaihändler. «Der steigende Einkaufstourismus würde den Schweizer Detailhandel empfindlich treffen. Arbeitsplätze und Wertschöpfung würden ins Ausland verschwinden. Die grossen Leidtragenden der beiden Volksinitiativen wären die Beschäftigten.»

Arbeitsplätze nicht vernichten

Die Detailhandelsverbände – Swiss Retail, der Verband der mittelständischen Detailhandelsunternehmen und VELEDES, der Verband des selbständigen Lebensmitteldetailhandels – rufen die Stimmberechtigten aus diesen Gründen dazu auf, der vorgeschlagenen Verankerung rigider ökologischer und sozialer Vorschriften in der Verfassung und der Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zulasten der Arbeitsplätze im Schweizer Detailhandel eine klare Absage zu erteilen.

Übrigens: Auch die beiden Grossverteiler Migros (gut 100'000 Arbeitsplätze) und Coop (rund 86'000 Mitarbeitende) haben sich gegen die Fair-Food-Initiative ausgesprochen.

www.agrarinitiativen-nein.ch

En

Swiss Retail Federation

Die Swiss Retail Federation ist der Verband der mittelständischen Detail­handelsunternehmen (stationär und online) in der Schweiz. Unter ihren Mitgliedern sind Warenhäuser, Fachmärkte und Fachgeschäfte, Verbraucher- und Abholmärkte, selbstständige Detaillisten, Food-Fachhändler und Kioske. Sie bieten insgesamt rund 40’000 Arbeitsplätze an und weisen einen jährlichen Umsatz von ca. 12 Mia. Franken auf.

Die Organisation wurde Ende der 30er-Jahre als Verband der schweizerischen Waren- und Kaufhäuser gegründet.

VELEDES

VELEDES – Verband des selbständigen Lebensmitteldetailhandels setzt sich seit 1903 für die Interessen des selbständigen Lebensmitteldetailhandels ein. Die Mitglieder von VELEDES sind freie Detaillisten, Tankstellenshops, Kioske und Franchising- Unternehmen im Lebensmitteldetailhandel. VELEDES als grösste Ausbildungsbranche mit 4500 Lernenden ist auch Träger der Ausbildungs- und Prüfungsbranche Nahrungs- und Genussmittel.