Publiziert am: Freitag, 6. November 2015

Alle Wege führen nach Paris Plusenergiegebäude und -areale

KLIMAPOLITIK – Für die Klimakonferenz in Paris hat sich auch die Schweiz ein Ziel gesetzt – der Ausstoss von Treibhausgasen soll bis 2030 um 50 Prozent reduziert werden. Der Gewerbeverband begrüsst dieses ambitiöse Ziel.

Im Dezember 2015 ist es so weit. In einer Klimakonferenz in Paris sollen sich alle Nationen der Welt ein verbindliches Klimaziel geben. Das ist ehrgeizig. Nicht alle Vorzeichen dieses Projekts stehen unter einem positiven Stern, aber auch nicht unter einem negativen. Zunächst einmal zum positiven Aspekt: Zum ersten Mal, seitdem es Klimakonferenzen überhaupt gibt, haben sich die zwei grössten CO2-Emittenten offen gezeigt. China und die USA schliessen ein internationales Verpflichtungssystem nicht aus. Mittlerweile haben diese Länder gut funktionierende Programme, die ihnen auch erlauben, ihren CO2-Ausstosssenkpfad vorauszusagen. Auch Indien und Brasilien, die anderen zwei grossen Emittenten, sind offener als auch schon. Allerdings beinhaltet diese Klimakonferenz auch grössere Herausforderungen: Sich industrialisierende Länder möchten nicht einer starren internationalen Kontrolle unterstehen. Der Stellenwert der globalen Investitions- und Kompensationsmechanismen wird dabei in Frage gestellt. Nicht zu vergessen die sogenannte historische Schuld: Müssen Länder auch jenes CO2 kompensieren, das sie in den letzten 100 Jahren ausgestossen haben? Dies wird alles in Paris diskutiert. Kontroverse überrascht da kaum.

Reduktion und Anpassung

Die zwei grossen Pole der Verhandlung sind Reduktion und Anpassung. Die EU oder etwa die Schweiz verfolgen ehrgeizige Reduktionsziele. Sie möchten in Zukunft viel weniger CO2 ausstossen. Sie möchten dies nicht alleine tun, sondern in einem global konzertierten Verbund, um den Klimawandel abzuwenden.

Andere Länder sehen die Priorität darin, sich dem Klimawandel anzupassen. Das beinhaltet verschiedene Umverteilungsfragen, welche das Wasser, die Bevölkerung bis hin zum Land betreffen. Und natürlich wollen sie auch die Umverteilung der Technologie.

«Der sgv begrüsst die ambitiösen Ziele des Bundesrates.»

Es ist allen klar: Ein Konsens bewegt sich zwischen den zwei Polen. Und es wird die Aufgabe der Klimakonferenz in Paris sein, zu eruieren, wo die Schwerpunkte sind. Und dann bleibt eine wichtige Frage, die alles verbindet: Wer bezahlt wem wie viel? Somit geht es auch um die Umverteilung finanzieller Ressourcen.

Die Position der Schweiz

Der Bundesrat wird das genaue Mandat noch publizieren. Bisher sind die Ecksteine der Schweizer post-2020-Politik bekannt. Der Ausstoss von Treibhausgasen soll bis 2030 um 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 reduziert werden. Derzeit folgt die Schweiz einem Klimaziel bis 2020: Bis dann muss sie die Emissionen um 20 Prozent senken. Im Inland will der Bundesrat mindestens 30 und im Ausland 20 Prozent Reduktionen anstreben.

Der Bundesrat machte die Ankündigung schon im Rahmen der Verpflichtungen für Paris. Alle Staaten sind nämlich aufgefordert, ihre Klimaziele für die Zeit nach 2020 bekanntzugeben. Der Bundesrat begründet das neue Ziel mit der globalen Verantwortung der Schweiz, dem Potenzial sowie den Kosten der Reduktionsmassnahmen. Die Schweiz sei für 
0,1 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich und habe bereits einen relativ niedrigen Ausstoss.

Die Position des sgv

Wie üblich wird der sgv ein Mitglied in der Schweizer Delegation stellen. Und dieses Mitglied widmet sich vor allen den Fragen der Auslandskompensationen. Denn die Schweiz ­gehört zusammen mit Schweden, Grossbritannien und der Weltbank zu den weltweit wichtigsten Investoren in multinationalen Klimaprojekten. Es sind diese Projekte, mit denen die Schweiz ihre Auslandsverpflichtungen erfüllen wird.

«Die EU oder etwa 
die Schweiz verfolgen ehrgeizige Reduk­tionsziele.»

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv begrüsst die ambitiösen Ziele des Bundesrates. Vor allem ist es wichtig, dass die Auslandskompensationen wieder ein Teil der Klimapolitik werden. Sie erlauben es schliesslich, günstig und hochqualitativ CO2 zu reduzieren. In Sachen Klimafinanzen ist der sgv verhalten. Die Schweiz hat neben ihren üblichen Finanzmitteln der Entwicklungshilfe auch einen namhaften Betrag an den globalen Klimafonds entrichtet. Als eine der grössten Finanziererinnen von Klimaprojekten trägt auch die Schweizer Wirtschaft bei.

Alles neu macht Paris? Vermutlich nicht. Aber Zuversicht ist immer gut.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv

veranstaltungen von energiecluster.ch

Plusenergiegebäude können dank dezentraler Energieerzeugung einen Beitrag sowohl zur Energie- als auch zur Klimapolitik leisten. Das Konzept ist einfach. Das Gebäude versorgt sich selbst mit der notwendigen Energie und produziert (Strom-)Überschüsse. Diese werden ins Netz geleitet. Aber wie so oft: Der Teufel steckt im Detail.

Gemäss offiziellen Schätzungen entfallen in der Schweiz 45 Prozent des Endenergiebedarfs auf die Gebäude. Der Bedarf für das Heizen wird immer noch zum grössten Teil mit fossilen Energieträgern (Heizöl 51Prozent, Erdgas 15 Prozent) und Elektroheizungen (10 Prozent) abgedeckt. Sowohl die Forschung und Entwicklung als auch die Politik streben jedoch einen CO2-freien Gebäudepark an.

Strom und Wärme

Die erste Knacknuss ist die Herstellung von Strom. Diese erfordert ein miteinander verschiedener Erzeugungs- und Speichertechnologien. Die Fotovoltaik dürfte dabei die wichtigste Form der häuslichen Produktion sein. Für die Speicherung von Strom stehen immer kleiner werdende Hausspeicher zur Verfügung.

Bei der Wärme fängt alles mit der guten Isolierung an. Der Gebäudehülle kommt dabei die Doppelrolle zu, sowohl für Energieproduktion als auch für -effizienz zu sorgen. Die Wärmegewinnung kann mit Hilfe von Erdsonden oder auch Anschluss an lokale erneuerbare Wärmeversorgung.

Messung und Planung

Damit alles aufeinander abgestimmt ist, braucht es Messung und Planung. Zum einen dient die Messung der Qualitätskontrolle von Gebäude und Haustechnik, zum anderen hat der Nutzer mit der Messung ein Werkzeug zur kontinuierlichen Verbesserung der Energiebilanz des Gebäudes, welche von seinem Verhalten wesentlich beeinflusst wird.

Insgesamt müssen diese Gebäude geplant werden. Und das steht am Anfang. Durch praxisbezogene Weiterbildungskurse fördert energie-cluster.ch die Verbreitung von Wissen und Erfahrungen und begünstigt die sachgerechte Realisierung von Plus­energiegebäuden. Mit der Thematisierung des Konzeptes an Tagungen und Kongressen werden die Chancen und Potentiale einem breiten Publikum anschaulich erläutert.

Die nächsten Veranstaltungen zum Thema Plusenergiegebäude und -areale finden am Dienstag, 17. November, in Basel und am Mittwoch, 18. November, in Luzern statt.