Publiziert am: 07.11.2014

Angemessene Titel für Berufsleute

TITELGEBUNG – Zur Stärkung der Höheren Berufsbildung HBB gehört für den sgv auch die gute Position im Arbeitsmarkt. Deshalb fordert er für Absolventen der HBB verständliche und aussagekräftige Titel wie «Professional Bachelor» und «Professional Master».

Auch wenn sich der Bundesrat immer wieder für die bessere Positionierung der Höheren Berufsbildung im internationalen Umfeld ausspricht, hält er bezüglich der Titelgebung in der HBB an seiner Position fest: Er spricht sich klar gegen die Einführung eines Professional Bachelor oder Professional Master für einen HBB-Abschluss aus. In der Sommersession wurde die Motion Aebischer, welche auch englische Bezeichnungen für die Abschlüsse der HBB verlangt, im Nationalrat mit 93 zu 80 Stimmen bei 16 Enthaltungen angenommen; in der Wintersession muss aber noch der Ständerat dazu Stellung nehmen.

«Solche Titel sind für die Berufsperspek­tiven der Jungen 
wichtig.»

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv hat sich bezüglich der Titel in der HBB klar positioniert. Er fordert zusammen mit verschiedenen weiteren Institutionen der HBB klar, dass die Titel der Höheren Berufsbildung überprüft, im Nationalen Qualifikationsrahmen NQR positioniert und dementsprechend insbesondere im englischen Sprachgebrauch verständlich und auch verbindlich übersetzt werden. Dabei müssen die Titel in den drei Amtssprachen selbstverständlich bestehen bleiben. Weiter verlangt der grösste Wirtschaftsdachverband der Schweiz, dass ein ­Abschluss im Tertiär-B-Bereich auf Niveau 6 des NQR offiziell als Professional Bachelor in… (Berufsbezeichnung) und ein Abschluss mit Niveau 7 des NQR als Professional Master in… übersetzt wird.

Im Moment weht dem sgv jedoch ein scharfer Wind entgegen: «Der Bundesrat und gewisse Parteiexponenten bekämpfen unser Anliegen heftig, aber mit fadenscheinigen Argumenten», betont sgv-Direktor Hansueli Bigler. Besonders die Skepsis von mehrheitlich akademisch gebildeten Politikerinnen und Politikern komme immer wieder zum Vorschein. So werde behauptet, es gebe eine Vermischung von beruflicher und akademischer Bildung. «Das Gegenteil ist richtig. Werden die beruflichen Abschlüsse mit Niveau 6 im nationalen Qualifikationsrahmen gleich wie die akademischen Abschlüsse in Englisch mit ‹Bachelor›, respektive ‹Professional Bachelor› bezeichnet, muss keiner mehr erklären, er habe ‹nur› eine Berufsprüfung, Höhere Fachprüfung respektive Meisterprüfung oder Höhere Fachschule abgeschlossen», konkretisiert Christine Davatz, sgv- Vizedirektorin und Verantwortliche der Berufsbildung. «Solche Titel sind für die Berufsperspektiven der Jungen, aber auch für ihre Eltern wichtig», ergänzt die Bildungsfachfrau.

Uneinheitliche, unverständliche Titel ersetzen

Der sgv setzt sich vehement für die Motion Aebischer ein und versucht den Ständerat davon zu überzeugen, dass die heutigen völlig uneinheitlichen, zum Teil unverständlichen, ja abschätzigen Titel definitiv ausgedient haben. «Wir müssen noch ­einiges an Überzeugungsarbeit leisten, wenn der Ständerat wirklich dem Nationalrat folgen soll», so Bigler, und Davatz doppelt nach: «Sonst müssten sich die Parlamentarierinnen und Parlamentariern wohl die Gretchenfrage stellen lassen, ob sie jungen Fachkräften wirklich die Bezeichnung «Swiss Certified Expert for Accounting and Controlling with Advanced Federal Diploma of Profes­sional Education and Training PET» für den Abschluss der Höheren Fachprüfung zum dipl. Expertin/Experte in Rechnungslegung und Controlling (HFP) – Pet heisst übrigens auf Englisch Haustier – zumuten wollen.»

Corinne Remund