Publiziert am: 18.11.2016

Arbeitsplätze sichern mit der Steuerreform

Tribüne

«Wir sind als Dienstleister absolut abhängig vom Wohlergehen des Finanz- und Dienstleistungsplatzes Zug. Davon hängen also Arbeitsplätze und meine ‹lokale Kaufkraft› direkt ab.» Dieses Zitat eines Zuger Hoteliers zur Unternehmenssteuerreform III (USR III), über die wir am 12. Februar 2017 abstimmen, bringt deren Wichtigkeit schön auf den Punkt. Die Reform, mit der international nicht mehr akzeptierte Sonderbesteuerungen und Holdingprivilegien abgeschafft werden und die steuerliche Attraktivität der Schweiz im internationalen Standortwettbewerb gewahrt und gestärkt wird, ist nicht nur wichtig für die direkt betroffenen Firmen, sondern auch für Unternehmen in deren Umfeld. Deshalb ist die USR III auch für KMU entscheidend. Denn die rund 24 000 Firmen mit über 150 000 Beschäftigten, die bis anhin von Steuerprivilegien profitierten, kaufen zahlreiche Dienstleistungen und Güter bei anderen Unternehmen ein. Davon sind viele KMU wie das Hotel des eingangs zitierten Hoteldirektors, der von den vielen Besuchern bei den zahlreichen in Zug domizilierten Konzernen profitiert.

Geht es also den grossen Konzernen gut und erhalten diese ihre Arbeitsplätze in der Schweiz oder bauen sie gar aus, so läuft es auch bei ihren Zulieferern und dem gesamten Umfeld der Grossunternehmen rund. Auch in der Pharmaindustrie sind diese Effekte zu beobachten: Auf jeden Franken Wertschöpfung, der von Pharmaunternehmen generiert wird, kommen weitere 80 Rappen in Zulieferbranchen. Allein die grossen Basler Pharmafirmen kaufen in der Schweiz jährlich Güter und Dienstleistungen im Wert von mehreren Milliarden Franken ein. Viele dieser Aufträge gehen an KMU. Und da die Pharmafirmen weniger von der Konjunktur abhängig sind als andere Unternehmen, sind sie auch eine wichtige Stütze für Zulieferbetriebe in konjunkturell schwierigen Zeiten. Für die Arbeitsplätze heisst das: Während bei den Pharmaunternehmen direkt rund 41 800 Beschäftigte arbeiten, kommen in den Zulieferbetrieben nochmals über 180 000 Beschäftigte dazu.

Die oft durch Sonderbesteuerungen geschaffene steuerliche Konkurrenzfähigkeit der Schweiz ist ein wichtiger Grund für Wachstum und Wohlstand in der Schweiz. Gemischte Gesellschaften tätigen rund die Hälfte der privatwirtschaftlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung und sie zahlen jährlich rund 5 Milliarden Steuern. Damit stammt jeder zweite Franken, den der Bund an Gewinnsteuern generiert, von ihnen. Entsprechend wichtig ist die
USR III. Sie ist die Grundlage dafür, dass Arbeitsplätze sowohl bei den Konzernen wie auch in deren Umfeld erhalten bleiben und neue Stellen geschaffen werden. Schon in der Vergangenheit haben sich Steuerreformen bewährt und dank dem attraktiven steuerlichen Umfeld konnten zehntausende Arbeitsplätze geschaffen werden. Damit haben sich seit 1990 alleine beim Bund die Steuererträge von Unternehmen vervierfacht. Diese Erfolgsstory kann mit der USR III fortgeschrieben werden. Sie stärkt die steuerliche Attraktivität der Schweiz als Ganzes. Von den in manchen Kantonen vorgesehenen Gewinnsteuersenkungen sollen aber alle Unternehmen profitieren, nicht nur jene mit Steuerprivilegien.

Bei einer Ablehnung würde eine Phase der Planungs- und Rechtsunsicherheit einsetzen, weil die nicht mehr akzeptierten Steuerregimes weiterbestünden. Das wäre ein Schuss in den eigenen Fuss, da viele Firmen nach wie vor unter dem starken Franken ächzen und die Beziehungen zur EU weiterhin in der Schwebe sind. Falls die Konzerne abwanderten, müssten zudem Privatpersonen und KMU die entstehenden Löcher im Steuerhaushalt stopfen. Die Reform verhindert dies, da die Konzerne ihre Steuern auch weiterhin in der Schweiz zahlen. Und sie sorgt zudem für gleich lange Spiesse für alle Schweizer Unternehmen: Zukünftig werden alle Firmen gleich behandelt, egal, ob es sich um ein KMU oder ein ausländisches Grossunternehmen handelt.

Davon profitieren alle: Die Bürgerinnen und Bürger, die weiterhin in attraktiven Jobs in Schweizer KMU und multinationalen Konzernen arbeiten können. Die Sozialwerke, die auf eine leistungsfähige Wirtschaft angewiesen sind. Die internationalen Konzerne, die auch zukünftig in der Schweiz forschen, produzieren und investieren. Schliesslich kommt die USR III auch den KMU zugute, die von den Aktivitäten der Grosskonzerne profitieren. Mit der Reform kann also auch der Zuger Hoteldirektor in Zukunft auf eine gute Bettenauslastung und zahlreiche Seminare in seinem Haus hoffen.

*Thomas B. Cueni ist Generalsekretär/Geschäftsführer von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz.

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