Publiziert am: 21.06.2019

Auf Augenhöhe mit den Banken

VERBAND SCHWEIZERISCHER VERMÖGENSVERWALTER – Im Rahmen der neuen Finanzgesetze FIDLEG und FINIG steht der Verband vor neuen Herausforderungen: Der VSV wird sich dabei von einem Branchenverband mit integrierter Selbstregulierungsorganisation zurück zu einem reinen Berufs- und Branchenverband verändern. Dabei will er sich noch zielgerichteter aufstellen.

Die Finanzwelt ist schnelllebig und dauernd im Wandel – auch in den letzten Jahren waren die Veränderungen gross, wenn man bedenkt, wie viele Jobs verloren gingen. Ein grosser Schock war die Preisabgabe des Schweizer Bankkundengeheimnisses. Das war das Ende eines Wettbewerbsvorteils. Den grössten Schlag erhielten dabei die Banken, rund ein Drittel von ihnen verschwand. Die Anzahl Vermögensverwalter hingegen blieb weitgehend konstant. Eine Herausforderung für sie sind nun die beiden neuen Bundesgesetze über die Finanzdienstleistungen (FIDLEG) und über die Finanzinstitute (FINIG). Dabei hat sich der Verband für eine KMU-taugliche Lösung eingesetzt und diese auch erreicht. Das Jahr 2018 ist deshalb für den VSV ein wichtiger Meilenstein in der Verbandsgeschichte. «Mit dem neuen FINIG werden unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz erstmals gesetzlich anerkannt und neu prudenziell reguliert. Die unabhängigen Vermögensverwalter sind damit auf Augenhöhe mit den Banken», erklärt Ralph Frey, Leiter der Hauptniederlassung des VSV in Zürich.

Diese Neuregulierung entspricht einem neuen Selbstverständnis der Branche. Vermögensverwalter werden korrekterweise als eigene Kategorie im Gesetz verankert und sind damit nicht mehr «externe» Vermögensverwalter, sondern gesetzlich anerkannte Vermögensverwalter. Mit FIDLEG/FINIG werden sie künftig durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) bewilligt – genau wie Banken – und durch eine Aufsichtsorganisation (AO) laufend überwacht. «Der VSV wird zusammen mit Partnern eine solche AO namens SOFIT (Supervisory Organisation for Financial Intermediaries & Trustees) aufbauen. Die Mitglieder des VSV profitieren davon, dass die SRO des VSV Mitte 2020 direkt auf SOFIT übertragen wird», sagt Frey. Den Aufsichtsorganisationen wird es gesetzlich nicht erlaubt sein, die ihnen Angeschlossenen auszubilden oder gar zu beraten. Dies liegt heute wie künftig beim VSV als Berufs- und Branchenverband. «Dabei wollen wir zu einem noch leistungsfähigeren und effizienteren Branchen- und Berufsverband werden, der die Aufgaben mit höchster Professionalität erfüllt – von der politischen Interessenvertretung bis zur Weiterbildung», so Frey.

«Wir wollen zu einem noch leistungsfähigeren und effizienteren Branchen- und Berufsverband werden.»

Die künftigen Benefits bestehen aus vier Pfeilern. Nebst der Interessenvertretung ist die Unterstützung der Mitglieder in Rechtsfragen ein zentrales Anliegen des VSV. Dazu Frey: «In den letzten Jahren haben die Regulierungen stark zugenommen, wobei juristische Fragen fast zum täglichen Geschäft eines unabhängigen Vermögensverwalters gehören. Mit der Trennung von Branchenvertretung und aufsichts-rechtlichen Funktionen können all-fällige Interessenkonflikte vermieden werden, was positiv für unsere Mitglieder ist.» Das dritte Element ist die Aus- und Weiterbildung. «Da haben wir ein neues Modell der Fortbildung auf der Grundlage der Eigenverantwortung entwickelt, das dem Status des Selbständigerwerbenden entspricht und für eine kompetente und qualifizierte Berufsausübung steht», sagt Frey. Der vierte Eckpfeiler sind die sogenannten VSV-Services. Da geht es um Unterstützung in administrativen Fragen, wie etwa die Verwaltung und den Transfer von Dokumenten.

Massgeschneiderte Lösungen

Vermögensverwalter spielen eine grosse Rolle in der Finanzwelt. Gemäss der Dissertation von Julien Froidevaux (2018: «Vertus de l’indépendance dans la gestion de fortune»)verwalteten sie im Jahre 2018 rund 500 Milliarden Schweizer Franken. Das ist etwa ein Sechstel aller verwahrten Vermögenswerte in der Schweiz. Die Assets under Management der Aktivmitglieder des VSV betrugen im 2018 im Median 101 Millionen Schweizer Franken gegenüber dem Vorjahr mit 94 Millionen Franken. Selbstverständlich sind die Banken Konkurrenten der Vermögensverwalter und umgekehrt. «Die meisten Banken haben jedoch ein grosses Interesse an einer guten Zusammenarbeit mit unabhängigen Vermögensverwaltern, sind die Anteile an verwahrten Assets durch Vermögensverwalter bei einzelnen Banken doch teilweise sehr hoch», meint Frey. Zu den Kundenbedürfnissen der Kunden führt Frey aus, «dass vermehrt massgeschneiderte Lösungen gewünscht werden, weshalb eine Spezialisierung für einen Vermögensverwalter durchaus sinnvoll sein kann.»

Viele Vorgaben der schweizerischen Standesregeln VSV wurden ohne grosse Änderungen ins FIDLEG übernommen. Doch obwohl FIDLEG und FINIG mehrheitlich ein KMU-freundliches Regelwerk sind, gibt es für den VSV noch Korrekturbedarf bei den Ausführungserlassen.

«Vermögensverwalter verwalteten im Jahre 2018 500 milliarden Schweizer Franken.»

Der VSV stört sich daran, dass bei Art. 18 FINIG die «Analogie zu den Zulassungsvoraussetzungen an Revisoren weder in irgendeiner Weise geeignet ist, sinnvolle Zulassungsanforderungen an qualifizierte Geschäftsführer von Vermögensverwaltern aufzustellen, noch es im heutigen Umfeld in irgendeiner Weise gerechtfertigt ist, ein von der Ausbildung vollständig unabhängiges Mass an Berufserfahrung zu verlangen.»

Für die Zukunft der unabhängigen Vermögensverwalter sieht Frey keine Gefahr, im Gegenteil: «Die Kunden sind da, deren Vermögen dürfte langfristig nicht weniger werden, und es braucht immer jemanden, der das Vermögen professionell verwaltet. Zudem wird der VSV seine Mitglieder in die neue Aufsichtswelt begleiten und der zukünftige «neue, alte» Berufs- und Branchenverband die Mitglieder noch besser unterstützen können.» Corinne Remund

www.vsv-asg.ch

DAS MACHT DER VSV

Das Sprachrohr der unabhängigen Vermögens­verwalter

Der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) wurde 1986 mit dem Ziel gegründet, die wirtschaftliche Bedeutung und die Anerkennung des Berufsstandes des unabhängigen Vermögensverwalters zu fördern. Ab 1999 fungierte der VSV als weitere Hauptaufgabe als Selbstregulierungsorganisation (SRO). Alle Vermögensverwalter sind verpflichtet, sich einer solchen Selbstregulierungsorganisation anzuschliessen. Denn sie unterstehen dem Geldwäschereigesetz und müssen entweder über eine Bewilligung der schweizerischen Finanzaufsichtsbehörde (FINMA) verfügen oder einer anerkannten SRO angeschlossen sein.

Als Interessenvertreter engagiert sich der Verband für das Ansehen der Branche und den Schutz der Anleger. Zu seinen Dienstleistungen gehört aber auch die Aus- und Weiterbildung.

Der VSV ist für seine Mitglieder eine wichtige Informationsplattform und ein wichtiges Netzwerk zum regelmässigen Austausch. Die Mitglieder profitieren von attraktiven Angeboten in den Bereichen berufliche Vorsorge, Versicherung, Compliance und IT. Auf politischer Ebene setzt sich der Verband aktiv mittels Vernehmlassungen oder Einsitz in Kommissionen und Arbeitsgruppen für die Brancheninteressen ein. Von den rund 2600 unabhängigen Vermögensverwaltern sind ca. 1000 Mitglieder des VSV. Die meisten Mitglieder sind Mikrounternehmen mit durchschnittlich weniger als vier Vollzeitäquivalenten. CR

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