Publiziert am: 19.06.2015

Auf ursprüngliche Ziele konzentrieren

Schweizer Casino Verband –Die Branche verliert zunehmend Kunden ans grenznahe Ausland, ans Internet und an 
illegale Spielclubs. Mit dem neuen Geldspielgesetz soll die Wettbewerbsfähigkeit der Spielbanken deutlich gestärkt werden.

In der Casinobranche bläst zurzeit ein eiskalter Wind. Auch 2014 ist der Umsatz der 21 Schweizer Spielbanken erneut um 5 Prozent auf 
710 Millionen Franken zurückgegangen. «Damit ist der Umsatz seit 2007 um insgesamt 30 Prozent gesunken», betont Marc Friedrich, Geschäftsführer des Schweizer Casino Verbandes. Wegen der extrem hohen Regulierung der Schweizer Casinos seien Marktanteile von über 300 Millionen Franken pro Jahr von den Schweizer Spielbanken an die Konkurrenz geflossen, die nicht oder nur schwach reguliert ist.

«Wir brauchen dringend vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen.»

«Kunden wandern ab zu Spielhallen und Casinos im grenznahen Ausland, zu unkontrolliert zugänglichen Angeboten im Internet und zu illegalen Spielclubs», stellt Friedrich fest und betont: «Damit sinken die Casinoumsätze. Der AHV und den Kantonen entgehen beträchtliche Einnahmen und die Schweizer Volkswirtschaft verliert qualifizierte Arbeitsplätze.» Durch die Abwanderung würden auch die hiesigen Präventionskonzepte, Spielsperren und der Jugendschutz unterwandert.

Die Gründe für den fortdauernden Umsatzrückgang der Schweizer Spielbanken sind vielfältig: Rauchverbote, Schweizer Sondervorschriften für Geldspielautomaten, die den Casinos einen Teil der international üblichen Spielangebote verunmöglichen, und das Verbot, Glücksspiele auch im Internet anbieten zu dürfen. «In der Schweiz sind die ausländischen Online-Angebote frei zugänglich. Über das Internet fliesst so ein Bruttospielertrag von mindestens 
100 Millionen Franken ins Ausland ab», sagt Friedrich.

Konkurrenz aus dem Ausland

Stark aufgerüstet hätte bezüglich ­Casinos aber auch das Ausland mit neuen Casinos in Frankreich, Spielhallen in Süddeutschland und Norditalien. «Auch hier kassiert die direkte Konkurrenz pro Jahr geschätzt 
100 Millionen Franken zugunsten der Schweizer Casinos.»

«Wir lehnen den Entwurf des neuen 
GEldspielgesetzes ab.»

Zusätzlich wirkt sich der Frankenschock negativ auf die Umsatzentwicklung aus. Dies spüren vor allem grenznahe Casinos in Basel oder im Tessin. Sie machen ihren Umsatz mit 80 bis 90 Prozent ausländischen Gästen. «Was sie in Euro umsetzen, ist in Schweizer Franken gemessen 15 Prozent weniger wert», so Friedrich. Deshalb fordert der Verband vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen, um den Abfluss ins Internet, ins Ausland und in die Illegalität zu stoppen.

Neues Geldspielgesetz 
ist unbefriedigend

Dies kommt allerdings im neuen Geldspielgesetz zu wenig zum Ausdruck. Die Branche lehnt den Entwurf zum Bundesgesetz über Geldspiele ab. «Er schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der Spielbanken und führt zu einem weiteren Rückgang der Casinoumsätze und Abgaben an AHV und Kanton. Der Gesetzgeber muss sich wieder auf die ursprünglichen Ziele konzentrieren. Wer in der Schweiz wohnt, soll in den kontrollierten und überwachten Schweizer Casinos spielen und nicht an ausländischen, illegalen Angeboten teilnehmen», bringt es Friedrich auf den Punkt.

«Die Spielsucht nimmt gemäss einer Studie der ESBK ab.»

Das neue Geldspielgesetz, dessen Vernehmlassung abgeschlossen ist und das 2018 in Kraft treten soll, wird im Herbst zuhanden des Parlamentes verabschiedet. Es ist zu hoffen, das hier noch Korrekturen gemacht werden.

Umfassender Sozialschutz

Die Aufsicht über die Schweizer Casinos gehört zu den weltweit strengsten. Betrug ist ausgeschlossen und es wird ein umfassender Sozialschutz in den Schweizer Spielbanken gewährleistet. «Die Eidg. Spielbankenkommission ESBK, die als Aufsichtbehörde über die Spielbanken agiert, und die kantonalen Stellen führen jährlich über 
100 Inspektionen bei den Spielbanken durch», erklärt Friedrich. Untersucht würden dabei die Wirksamkeit der Massnahmen gegen die Spielsucht und die Geldwäscherei sowie der korrekte Ablauf des Spielbetriebes, die elektronischen Kontrollsysteme und die ­Videoüberwachung.

Untersuchungen dokumentieren, dass rund 0,5 Prozent der Bevölkerung ein spielsüchtiges Verhalten zeigt. Das bezieht sich auf alle Glücksspielangebote, also für Casinos, Lotterien,Wetten und Internet. Für die betroffenen Personen und deren Umfeld müssen die negativen Folgen vermieden werden. «Das Casinopersonal wird von externen Fachleuten ausgebildet, um spielsüchtige Personen möglichst früh zu erkennen. Die Spielbanken setzen jedes Jahr rund 3000 Personen auf eine Sperrliste. Insgesamt sind heute über 40 000 Spielsperren in Kraft», erklärt Friedrich. Beim Eintritt ins Casino muss ein amtlicher Ausweis vorgelegt werden und es wird überprüft, ob die Person auf der Sperrliste ist. «Das führt dazu, dass die meisten Spielsüchtigen gar nicht in einem Schweizer Casino spielen können. Zudem nimmt gemäss einer Studie der ESBK die Spielsucht ab», betont Friedrich.

Corinne Remund

Geldspielgesetz

Die Position des sgv

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv lehnt das Geldspielgesetz ab. Der vorliegende Entwurf schiesst über das Ziel hinaus, indem er nicht nur Vorschriften macht und Sensibilisierung anstrebt, sondern direkte Eingriffe in die unternehmerische Freiheit vornimmt. Der Kreis der betroffenen Firmen ist viel weiter, als man es vermuten würde. Die Vorlage ist somit unverhältnismässig.

Die Forderungen des SCV:

n Wettbewerbsfähige Definition 
der Casinospiele

n Rasche Einführung 
von Innovationen ermöglichen

n Beschränkung der Lotterie-­Geldspielautomaten (Tactilos) 
auf den heutigen Stand

n Keine Geldspielturniere ­ausserhalb von Spielbanken

n Rasche und wirksame Verhinderung des illegalen Spiels auch 
im Internet

n Keine neue Präventions­kommission

SCV KURZ ERKLÄRT

Rund fünf Milliarden fürs Gemeinwohl bezahlt

Der Schweizer Casino Verband SCV ist aus dem Schweizerischen Kursaal Verband entstanden. Damals wurden Glücksspiele zur Unterhaltung in Kursälen angeboten. Am 7. März 1993 stimmte das Volk der Einrichtung von Spielbanken mit grosser Mehrheit zu. Dieser Entschluss führte zur Gründung des SCV. Die Schweizer Casinos wurden 2002∕2003 eröffnet. 2012 kamen die Casinos Neuenburg und Zürich dazu. Insgesamt gibt es heute 21 Schweizer Spielbanken, davon sind 15 Verbandsmitglieder. Diese repräsentieren 75 Prozent des gesamten Umsatzes. Die Konzession aller Casinos läuft bis 2023. Zu den Verbandsaufgaben gehört die Interessensvertretung der Casinobranche ­gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Er ist aber auch eine Plattform für den Erfahrungsaustausch im Bereich der Sozialkonzepte und der Bekämpfung von Geldwäscherei.

Die Branche beschäftigt rund 2100 Personen und ist Auftraggeber für die Baubranche und Zulieferbetriebe. 2014 hat sie einen Gesamtumsatz von 710 Millionen Franken gemacht. Jährlich verzeichnen die Casinos über 5 Millionen Franken. Sie leisten Spielbankenabgaben, die hauptsächlich in die AHV und zu einem kleinen Teil an die Kantone fliessen. Seit Eröffnung der Casinos wurden insgesamt rund 5 Milliarden Franken Abgaben an das Gemeinwohl geleistet.