Publiziert am: Freitag, 18. Mai 2018

Bald geht’s voll ran an die Säcke

Jugendarbeitsschutz – Auf Drängen des sgv und der Branchenverbände hat der Bundesrat
die Jugendarbeitsschutzverordnung revidiert. Jugendliche müssen nun nicht länger das 18. Altersjahr abwarten,
bis sie «gefährliche» Arbeiten in ihrem erlernten Beruf verrichten dürfen.

Ein Ärgernis sondergleichen für 
viele Unternehmen, aber auch für viele Jugendliche: Die Verordnung 5 zum Arbeitsgesetz (Jugendarbeitsschutzverordnung) verbietet unter 18-Jährigen, die nicht in einer Ausbildung sind, die Verrichtung von gefährlichen Arbeiten. Als für 
Jugendliche gefährlich gelten alle Arbeiten, die ihrer Natur nach oder aufgrund der Umstände, unter denen sie verrichtet werden, die Gesundheit, die Ausbildung und die Sicherheit der Jugendlichen sowie deren physische und psychische Entwicklung beeinträchtigen können.

EBA noch vor der Volljährigkeit

Aufgrund der interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obli­ga­torischen Schule (HarmoS) oder anderer Konstellationen gibt es immer mehr Jugendliche, die früher eingeschult werden oder Klassen überspringen. Die Schulkinder durchlaufen – je nach Fähigkeiten und persönlicher Reife – die Stufen schneller oder langsamer. Dies kann zur Folge haben, dass sie bereits vor dem 16. Altersjahr die obligatorische Schulzeit abgeschlossen haben. Wählen diese einen Beruf, für welchen eine Ausbildung von zwei Jahren nötig ist, erhalten sie das eidgenössische Berufsattest EBA, noch bevor sie das 18. Altersjahr erreicht haben.

Da die bis heute geltende, völlig unverständliche Regelung ein absolutes Verbot für die Ausübung von gefährlichen Arbeiten für alle Jugendlichen vorsieht, dürfen Jugendliche mit einem EBA ihren erlernten Beruf je nach Arbeit bis zum Erreichen des 18. Altersjahres noch nicht ausüben. Ein nahtloser Berufseinstieg nach Erlangen eines eidgenössischen Berufsattests EBA ist deshalb notwendig.

 

Neu nicht mehr bis 18 warten

Doch nun hat der Bundesrat auf Drängen des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv und der Branchenverbände die Jugendarbeitsschutzverordnung revidiert. Jugendliche müssen nicht länger das 18. Altersjahr abwarten, um gefährliche Arbeiten in ihrem erlernten Beruf zu verrichten.

Mit der Revision der Jugendarbeitsschutzverordnung ermöglicht der Bundesrat allen Jugendlichen mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis EFZ oder Eidge­nössischen Berufsattest EBA unabhängig von ihrem Alter die uneingeschränkte Ausübung ihres erlernten Berufes.

Die bestehende Lücke führte auch bei den Unternehmen zu grosser Verunsicherung im Umgang mit 
der Anstellung von ausgebildeten Jugendlichen. Die neue Bestimmung schafft nun die notwendige Rechtssicherheit. Die Änderung wird voraussichtlich per 1. Juli in Kraft gesetzt.

Dieter Kläy, Ressortleiter sgv

Thema auch im KMU-TV

FOKUS KMU, die vom Schweizerischen Gewerbeverband sgv produzierte Sendung für Wirtschaft & Gesellschaft, machte das Problem des übertriebenen Arbeitsschutzes für Jugendliche bereits vor gut einem Jahr zum Thema. In der Sendung vom 10. April 2017 zeigte «FOKUS KMU» (ab Minute 12.46) auf, wie junge Menschen auf dem Bau vor anstrengenden Arbeiten «geschützt» werden – in ihrer Freizeit aber Aktivitäten ausführen, die sie körperlich mindestens ebenso stark fordern wie die Arbeiten, die sie im Job nicht ausführen dürfen. Eine absurde Situation, die jetzt – auch dank dem sgv – bald ein Ende haben wird (vgl. Haupttext).

www.fokus-kmu.tv