Publiziert am: 14.08.2015

Basteleien taugen nichts

GOTTHARD-SANIERUNGSTUNNEL – Die Vorschläge der Gegner einer zweiten Röhre sind unbrauchbar, ja sogar zynisch. Einzig eine Sanierungsröhre kann die Sicherheit im Tunnel verbessern.

LKW aus aller Herren Länder, vollbesetzte Reisebusse, Caravans, Wohnmobile und Autos auf dem Weg von Schweden nach Sizilien und zurück, schwerbepackte Motorräder... Seit 35 Jahren führen ihre Wege durch den Gotthardtunnel. 2012 wurden im Tagesdurchschnitt 285 000 Fahrzeugkilometer auf zwei Spuren ohne Richtungstrennung im Gegenverkehr zurückgelegt. In einem der längsten Tunnel der Welt dieser Art passieren jährlich über 1,5 Kreuzungen.

Zwei Tote jedes Jahr

Seit der Eröffnung im Jahr 1980 
kamen im Tunnel 36 Menschen ums Leben. Alleine zwischen 2001 und 2014 starben im Gotthardtunnel 
21 Menschen. Das sind fast zwei Verkehrstote jedes Jahr. 18 Menschen verstarben nach Unfällen mit Frontal­kollision, weil der Gotthardtunnel in Gegenrichtung geführt wird – was den heutigen Sicherheitsanforderungen in keiner Weise mehr genügt.

Keine Alternativen

Nun muss der Gotthardtunnel bald saniert werden. Mit dem Bau einer zweiten Sanierungsröhre könnte die Sicherheit dank richtungsgetrenntem Verkehr und neu einem Pannenstreifen stark verbessert werden. Dagegen hat der VCS mit das Referendum ergriffen. Statt des Baus einer zweiten Röhre schlagen die Gegner vor, auf beiden Seiten des Tunnels riesige, teure und doch bloss temporäre Verlade­stationen zu bauen, beim Tunneleingang Wärmescanner zu installieren, das Tempo im Tunnel auf ermüdende 60 km/h zu senken, neue LKW und später alle Fahrzeuge mit «smarter Technologie» auszustatten und eine versenkbare Mittelplanke zu installieren.

«Verantwortungslos und unnütz»

«Die Gegner des Sanierungstunnels spielen mit der Sicherheit der Automobilisten», sagt Dieter Kläy, Ressortleiter Mobilität beim Schweizerischen Gewerbeverband sgv. «Heute als vermeintliche Alternative bloss technische Retouchen an Fahrzeugen und Infrastruktur vorzuschlagen, ist 
völlig ungenügend und schlicht 
zynisch.»

Der geforderte Einbau einer Mittelleitplanke wäre eine direkte Gefährdung der Automobilisten. Eine solche Konstruktion würde bei einem Aufprall verbogen und zu einem gefährlichen Hindernis für die Rettungskräfte. Fortgeschrittene Lenksysteme seien zudem auf absehbare Zeit dem Premium-Segment des PKW-Marktes vorbehalten. «Das Referendumskomitee zaubert in verantwortungsloser Weise Basteleien aus dem Hut, die vorgeblich die Sicherheit verbessern sollen, das gravierende Sicherheitsproblem nicht lösen können.»

ADAC: «Sehr mangelhaft»

Unterstützung erhalten die Befürworter einer Sanierungsröhre aus dem Norden. In einem breitangelegten internationalen Tunnelsicherheitstest des deutschen Automobilclubs ADAC belegt der Gotthardstrassentunnel den letzten Platz. Das Unfallrisiko wird als «hoch» eingeschätzt. Hauptgrund für das schlechte Abschneiden: Der Gegenverkehr in der engen Tunnelröhre ohne Pannenstreifen. Dies wird als «sehr mangelhaft» bewertet.

Bei einer täglichen Verkehrsbelastung von 17 500 Fahrzeugen trage der hohe Lastwagenanteil zum hohen Unfallrisiko bei, so der ADAC.

Sanierungsröhre ist zwingend

«Das systembedingte Sicherheitsrisiko kann nur mit dem Bau einer zweiten Röhre mit Pannenstreifen behoben werden», ist sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler überzeugt. Nur so könne künftig der Verkehr pro Röhre ohne Gegenverkehr geführt werden, wie dies in Strassentunnels von mehr als 500 Metern Länge in Europa als Sicher­heits­standard vorgegeben sei.

Für den sgv ist deshalb klar: Der Bau einer zweiten Sanierungsröhre ist die einzig sinnvolle Lösung für die Sanierung des Strassentunnels am Gotthard. «Wir werden uns im Abstimmungskampf deshalb an vorderster Front dafür einsetzen.» En