Publiziert am: 07.09.2018

Beratung zur persönlichen Note

INTERIEURSUISSE – Die Strategie des Verbandes heisst optimieren – sei es in der Aus- und 
Weiterbildung, oder bei der Gewinnung von noch mehr Mitgliedern. Die Einrichtungsbranche kann sich 
dank dem Trend zur Individualität mit Fachberatung und -kenntnissen in der Nische positionieren.

interieursuisse hat gerade einen Strukturwandel durchgemacht und richtet sich wieder neu aus. «Wir leben nach dem Strategieprogramm HomeRun2020. Einen besonderen Stellenwert hat dabei die Mitgliedergewinnung, die Sicherung der Lehrstellen, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Kooperationen. Diese Punkte müssen wir angehen, um auf Kurs zu bleiben», erklärt Reto Eilinger, Präsident von interieur­suisse. Auch in der Branche selber hat sich einiges getan. Die reinen Innendekorationsfachgeschäfte sind am Verschwinden, da sie keine Nachfolger finden. «Oft können junge Fachleute solche Geschäfte nicht übernehmen, da ihnen die Finanzierung fehlt», sagt Eilinger. Auch die Digitalisierung hat in dieser Branche bereits zu massiven Veränderungen geführt. Dazu Eilinger: «Gerade in dieser traditionellen, handwerklichen Branche ist die Vertikalisierung beschleunigt worden. Standardisierbare Produkte verschwinden aus den klassischen Distributionskanälen und werden digitalisiert.» Glücklicherweise gebe es noch individuelle Produkte, die nicht vereinheitlicht werden können und Beratung sowie grosse Fachkenntnisse voraussetzten. «Unser Nachwuchs hat im planerischen Bereich oder im Design gute Chancen, sich ohne grosse Finanzen als Rückhalt einbringen zu können. Dazu gehören auch die Übernahme von Bauleitungen, das Erstellen von Gesamtkonzepten etc.», sagt Eilinger.

«Im Möbelbereich wird es zunehmend schwieriger sich zu behaupten.»

Die Prozesse der Vertikalisierung sind aber auch in den Handelskanälen zu beobachten. «Im Möbelbereich wird es zunehmend schwieriger, sich zu behaupten», so Eilinger. Der eidg. dipl. Innendekorateur ergänzt: «Dort wo es jedoch kundenspezifische, massgeschneiderte Lösungen braucht, kann sich das Einrichtungsgeschäft oder das Atelier nach wie vor in einer Nische gut positionieren.»

Das individuelle Wohnen wird mehr und mehr zum Langzeittrend und gehört damit zum Mainstream. «Das eigene Zuhause soll als persönlicher, gemütlicher Rückzugsort eingerichtet sein», so Eilinger. Natürliche Materialien sind im Trend und finden wieder vermehrt Einzug ins eigene Heim. «Nachhaltigkeit und Handwerkskunst sind ein grosses Thema. Auch die Sehnsucht nach der im Alltag verloren gegangenen Haptik kommt beispielsweise mit rauen Oberflächen, wie etwa Massivholzparkett oder Textilien wie Baumwolle, Leinen und Wolle, zum Ausdruck», sagt Eilinger.

Aus- und Weiterbildung 
optimieren

Ein wichtiges Standbein für interieur­suisse ist der Aus- und Weiterbildungsbereich. «Wir führen die überbetrieblichen Kurse üK der Grundbildung bei uns im Aus- und Weiterbildungszentrum in Selzach durch», erklärt Eilinger. Dort stehen den Auszubildenden in den Berufen Innendekorateur EFZ, Wohngestalterin EFZ und Dekorationsnäherin EBA zwei Werkhallen, Schulungsräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. 40 Innendekorateure, 15 Wohntextilgestalterinnen und 5 Dekorationsnäherinnen absolvieren jährlich ihre berufliche Grundbildung in der Branche. Obwohl die Berufe bei den Jungen gefragt sind, stehen zu wenig Lehrplätze zur Verfügung. «Leider lässt sich so mancher Betrieb nicht mehr für einen Ausbildungsplatz begeistern. Der Aufwand ist für viele zu gross», bedauert Eilinger.

Der Verband will jedoch die Ausbildung für den Nachwuchs optimieren. «Die Lehrgänge müssen unbedingt vereinheitlicht und modernisiert werden. Wir müssen uns da an den strukturellen Wandel der globalisierten Wirtschaft anpassen», so Eilinger. Mit dabei ist interieursuisse auch an den SwissSkills Bern 2018. «Das ist ein wichtiger Anlass für unsere Branchenberufe. Hier können wir unsere Berufe einem breiten Publikum vorstellen, dafür werben und auch zeigen, was unsere Berufsleute können.»

Individualität als Chance

Um das Potenzial der Branche voll auszuschöpfen, bedarf es gemäss Eilinger noch einiger Optimierungen und Verbesserungen. Gerade die Digitalisierung bietet in der Beratung im kostspieligen Kundensegment noch einige Möglichkeiten. «Spezielle Geräte und Apps erlauben, Räume dreidimensional zu visualisieren, mit Farben auszugestalten und zu möblieren. Doch momentan ist die Technik zu teuer, flächendeckend wird diese wohl erst in zehn Jahren zum Einsatz kommen», sagt Eilinger. «Design wird mit Emotionen verbunden. Jeder einzelne richtet es sich bewusst und authentisch in einer individuellen Mischung ein. Individualität ist ein grosses Thema und für uns eine Chance.»

Corinne Remund

www.interieursuisse.ch

Das macht interieursuisse

Breites Netzwerk für die Mitglieder

Vorläufer von interieursuisse sind der Schweizerische Verband der Innendekorateure und Sattler SVIS sowie der Schweizerische Verband der Innendekorateure und Fachhändler SVIM. Die beiden Verbände fusionierten 1997 zum Schweizerischen Verband der Innendekorateure, des Möbelfachhandels und der Sattler SVIMSA. 1994 wurde der Verband in interieursuisse umgetauft.

Heute ist interieursuisse der führende Schweizerische Verband der Fachgeschäfte für Inneneinrichtungen, Möbel, Vorhänge, Polster, textile Wandbehänge, Teppiche, Spezialböden und Parkette. Die Interessenvertretung in der Branche des Baunebengewerbes sowie die berufliche Grund-, Aus- und Weiterbildung gehören zu den Hauptaufgaben des Verbandes. Ebenso setzt er sich für eine faire Sozialpartnerschaft (GAV) sowie die Strukturerhaltung innerhalb der Branche ein. interieursuisse vertritt seine Mitglieder auch gegenüber aussen (Behörden und Öffentlichkeit) und pflegt ein gutes Netzwerk mit anderen Verbänden, Branchenorganisationen und Vertretern.

In interieursuisse haben sich über 350 Einrichtungsfachgeschäfte und Ateliers zusammengeschlossen. 95 Prozent sind Kleinstbetriebe mit einem bis fünf Mitarbeitenden – also KMU. Die gesamte Branche macht jährlich einen Umsatz von rund 2 Milliarden Franken. CR