Publiziert am: 20.02.2015

Berufsnachwuchs würdigen

BERUFSBILDUNGSPROJEKTE – Der Gewerbeverein Muri AG und Umgebung will mit dem Berufs­erkundungsanlass «Berufe Muri+» sowie dem Lehrlings-Award die Berufsbildung aktiv fördern.

Die Bäckerei-Konditorei Kreyenbühl im aargauischen Muri beschäftigt zwischen drei bis fünf Lernende. Bis jetzt habe er immer genug Bewerbungen erhalten und auswählen können, erklärt Inhaber Burkard Kreyenbühl. «In der Regel finde ich immer motivierte, junge Leute, die hier bei uns erfolgreich ihre Lehre absolvieren und wissen, wie unser Betrieb funktioniert und welches unsere Erwartungen sind», erklärt der 
Bäcker-Konditor. Doch er wisse, dass nicht alle Betriebe bei der Rekrutierung ihrer Lernenden so privilegiert seien. Die Brandbreite der Defizite sei zum Teil gross und reiche von mangelnden Sozialkompetenzen über einen schwachen schulischen Rucksack bis hin zu fehlenden Grundvoraussetzungen.

Als Chef eines renommierten Lehrbetriebes in der Region weiss Kreyenbühl, wie wichtig der Berufsnachwuchs für die KMU-Wirtschaft ist. Deshalb möchte der Präsident des Gewerbevereins Muri und Umgebung einerseits die KMU der Regionen bei der Suche nach Lernenden unterstützen und andererseits die Jungen zu einer Berufslehre motivieren. «Wir lancieren im Gewerbeverein zwei Lehrlingsprojekte – den Berufserkundungsanlass «Berufe Muri+» sowie den Lehrlings-Award. Damit möchten wir den Stellenwert der Berufsbildung ins Zentrum rücken», so Kreyenbühl. Oftmals seien Eltern wie auch Lehrer zu wenig über die Durchlässigkeit des dualen Berufsbildungssystems informiert. «Hier ist unbedingt Aufklärungsarbeit an der Basis – bei den Eltern und in der Schule – notwendig. Die Lehre wird leider oft verkannt, und viele wissen gar nicht, dass man mit einer Berufslehre via Berufsmaturität, höhere Fachschulen usw. Karriere machen kann», betont Kreyenbühl.

Lehrlings-Award

Mit dem Lehrlings-Award werden sämtliche frischgebackenen Berufsleute aus Muri und Region, die ihre Lehrabschlussprüfung bestanden haben, geehrt. «Dieser Award richtet sich an alle, unabhängig von ihrer Note oder Branche. Wir möchten den Lehrabgängern gratulieren und mit einem Präsent unsere Wertschätzung ausdrücken, wie wichtig der Berufsnachwuchs für die KMU-Wirtschaft ist», betont Kreyenbühl. Nebst der Ehrung runden ein Kurzreferat einer Persönlichkeit sowie ein Apéro riche diesen Anlass ab. Die Berufsbildung soll damit ein Schaufenster erhalten – in den Betrieben, bei den Behörden, in der Schule sowie in den Medien.

«Wir möchten den Stellenwert der 
Berufsbildung 
fördern.»

Es sei zwar harte Knochenarbeit gewesen, die Betriebe anzuschreiben und die ausgelernten Berufsleute zu erfassen, doch der Aufwand habe sich gelohnt, freut sich Kreyenbühl. Er ist zufrieden mit dem Feedback «Letztes Jahr hatten wir 120 Gäste und rund 50 Lernende. Wir hoffen natürlich, dass wir dies an der dritten Auflage in diesem Jahr noch steigern können. Die Unternehmen, Lehrabsolventinnen und -absolventen, Eltern und Lehrer, aber auch Behörden, der Kanton sowie der Aargauische Gewerbeverband AGV sind begeistert davon», sagt Kreyenbühl. Finanziell getragen wird der Anlass vom Gewerbeverein Muri, dazu wird er unterstützt von Patronatsfirmen und dem Aargauischen Gewerbeverband AGV.

Berufserkundungsanlass

Das zweite Projekt, der Berufserkundungsanlass «Berufe Muri+», lanciert der Gewerbeverein Muri und Umgebung zusammen mit der Industrievereinigung Muri und Umgebung. Es richtet sich an die Schüler der 3. Klasse Oberstufe von Muri und Umgebung. «Sie sollen die Möglichkeit haben, unsere Berufe und Lehrbetriebe näher kennenzulernen», erklärt Kreyenbühl und konkretisiert: «Während zwei Tagen können die Schüler sich vor Ort während zwei Stunden über die beruflichen Möglichkeiten informieren. Dies ist eine optimale Plattform sowohl für die Schüler als auch für die rund 60 Unternehmen.» Die Schüler könnten sich ein detailliertes Bild über einen von ihnen selbst ausgewählten Beruf machen, während die Unternehmer potenzielle Lernende rekrutieren. Das Feedback der 250 Schüler sowie der Unternehmer und Lehrer sei durchwegs positiv, betont Kreyenbühl: «Die Schüler machen einen ­ersten Kontakt mit einem möglichen Beruf/Ausbildner. Daraus können Schnupperlehren entstehen, und in einem weiteren Schritt ergibt sich vielleicht sogar ein Lehrverhältnis», sagt Kreyenbühl. Auch dieses Jahr steht der Berufserkundungsanlass wieder in der Agenda des innovativen Gewerbevereins Muri.

Corinne Remund