Publiziert am: 19.06.2020

Betriebsunterbrechung – ein Toprisiko für KMU

Versicherungsratgeber – Viele Unternehmen sind gegen Betriebsunterbrechungen (BU) versichert – jedoch genügt eine Versicherung meistens nicht. Sie sind sich auch nicht bewusst, dass die Kosten eines BU-Schadens deutlich über dem Sachschaden liegen.

B. S. aus W.: Ich führe ein mittleres KMU in der Verarbeitung von Druckerzeugnissen und bin im überregionalen Gewerbe sehr gut vernetzt. Mit anderen Firmeninhabern haben wir schon oft diskutiert, wie viele interne oder externe Ursachen einen monatelang dauernden Vermögensausfall bewirken können. Trotzdem ist mir nicht klar, wie schnell ich meine Produktion wieder hochfahren könnte und wie sich ein solcher Vermögensschaden genau versichern lässt?

Sehr geehrter Herr B.: Eine Betriebsunterbrechung bildet wohl das Toprisiko aller Unternehmungen. Es lohnt sich deshalb, sich mit diesem Thema vertieft auseinanderzusetzen und bereits vor einem Ernstfall aktiv zu werden. Meine Erfahrung zeigt leider, dass sich viele Unternehmen zu wenig detailliert mit ihren internen oder externen Abhängigkeiten auseinandergesetzt haben und wie sie diesen Risiken optimal begegnen können. Unabhängig davon, ob solche Risiken versicherbar sind oder nicht. Sogar kleine Szenarien können schnell weitreichende Folgen haben. Bei einem Lieferanten entsteht ein Engpass. Ein Maschinenersatzteil kann nicht geliefert werden. Eine Schlüsselfigur in der Unternehmung erkrankt längerfristig. Manchmal genügt bereits eine kleine Unterbrechung in der Lieferkette und die gesamte Produktion steht still. Gerade bei Produktionen «just-in-time» kann ein kleines Szenario ungeahnte Folgen haben. Viele Unternehmen sind gegen Betriebsunterbrechungen (BU) versichert. Aber: Eine Versicherung genügt meistens nicht. Denn grundsätzlich besteht nur ein BU-Schutz, wenn die Unterbrechung durch einen versicherten Sachschaden verursacht wurde, bedingt durch ein Feuer-, ein Hochwasser- oder ein sonstiges versichertes Ereignis. Ein Ertragsausfall muss jedoch ausdrücklich als Folge­schaden eines versicherten Sachschadens abgedeckt werden.

Globalisierte Welt bringtneue Risiken

Viele Schadenstudien belegen, dass die Kosten eines BU-Schadens in der Regel deutlich über dem eigentlichen Sachschaden liegen. Die zunehmende Spezialisierung der Betriebe vergrössert die möglichen Schadensursachen deutlich. Dabei steigt nicht nur die Schadenhöhe an, sondern auch die möglichen Ursachen für eine Betriebsunterbrechung. Neben den erwähnten traditionellen Risiken wie Feuer, Naturgefahren oder Maschinenbruch stossen mit der fortschreitenden Digitalisierung neue Auslöser dazu.

Um Ihren Abdeckungsbedarf zu definieren, sind viele Kriterien in Ihrem Betrieb zu prüfen:

• Standortinformationen zum versicherten Betrieb (z. B. Risikopotenzial, Hochwasser- oder Erdbebengebiet, verkehrstechnische Infrastruktur);

• Geschäftsfelder, Betriebsarten und -abteilungen auf dem Betriebsgelände (Haupt-, Neben-, Hilfsbetriebe) und deren Abhängigkeiten untereinander;

• Organisation des Betriebs (Ablauf-, Aufbau-, Arbeits-, Betriebs-, Verwaltungs-, IT- und Vertriebsorganisation);

• generelle Beurteilung potenzieller BU-Folgeschäden nach einem möglichen versicherten Sachschaden (z. B. in Bezug auf Fertigungsanlagen, Logistik, IT, Infrastruktur oder die möglichen finanziellen Auswirkungen auf den Umsatz/Gewinn).

Gestützt auf diese Analyse sollten Sie eine genügend hohe Versicherungssumme sowie eine ausreichende «Haftzeit» vertraglich vereinbaren. Die korrekte Einschätzung Ihres BU-Versicherungsbedarfs ist komplex.

Wenden Sie sich an Ihren Berater – er unterstützt Sie in Ihrem Risikomanagement und in der Analyse Ihrer Prozesse, die durch einen Ausfall einen grossen Teil Ihres KMU-Betriebs lahmlegen könnten.

laszlo.scheda@mobi.ch

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