Publiziert am: 09.04.2021

Bräunung auf Zeit

PHOTOMED – Unter neuer Führung weht ein frischer Wind in der Besonnungsbranche. Mit neuen Hightechgeräten und digitalisierten Prozessen bestimmt sie den Megatrend Gesundheit mit und macht den Gang ins Solarium für die Kunden noch attraktiver.

Sommerliche Wärme auf der Haut, sich geborgen und wohl fühlen, einfach abschalten, den Alltag für ein paar Minuten hinter sich lassen, relaxen und von Strand und Meer träumen. Für viele ist dies ein effizientes Kurzwellnessprogramm, das sie sich regelmässig zuliebe tun. Momentan allerdings sind Herr und Frau Schweizer Corona-bedingt etwas zurückhaltender mit dem Gang in die Besonnungsstudios. Dies, obwohl es jetzt in der Corona-Zeit besonders wichtig ist, sich Gutes zu tun, das Immunsystem zu stärken, Abwehrkräfte zu mobilisieren und den Körper optimal mit Vitamin D zu versorgen.

«Wir müssen mit der Zeit gehen, digitalisierte Prozesse sind unabdingbar.»

«Unsere Branche spürt die Folgen der Pandemie stark. Schliessungen im ersten und zweiten Lockdown, das Sonntagsverbot, die Einschränkungen der Reisebranche etc. haben dazu geführt, dass die Frequenz der Solariumbesuche zurückgegangen ist. Dies widerspiegelt sich in Umsatzeinbussen», stellt Florian Gavilan fest. Er ist seit dem letzten Jahr der neue Präsident des Solarien-Verbandes Schweiz, Photomed. Er kennt die Branche bestens und ist selbst Inhaber von sechs Studios in Zürich.

Seit der Öffnung am 1. März kämen wieder mehr Kunden, «doch die Laufkundschaft fehlt. Die Kunden besuchen die Studios wellenartig, mal mehr, mal weniger. Dies ist sicher auf die allgemeine ungewisse Situation sowie die Planungssicherheit zurückzuführen», so Gavilan. «Die Leute haben weniger Geld zur Verfügung und sparen beim Luxus. Dazu gehört der Gang ins Bräunungsstudio.»

Immunsystem stärkenmit Vitamin D

Die Branche hat eine dynamische Zeit hinter sich: In den 90er-Jahren boomen die Besonnungsstudios. Im Zuge des heutigen Gesundheits­hypes sind Solarien immer wieder ein Dorn im Auge von Präventionsfachleuten und werden arg kritisiert. Mit dem Argument, Solarien wirken krebserregend, blasen sie zum Kampf gegen Sonnenstudios. Hier argumentiert der Verband mit der Gegenfrage: «Und was ist mit der natürlichen Produzentin der UV-Strahlung, der Sonne?» Dass ein Gang in ein Besonnungsstudio nicht gefährlich ist, wie leider behauptet wird, sondern sich durchwegs positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann, weiss Gavilan: «Sonnenschein und Solarien liefern dem Körper das lebenswichtige Vitamin D. Ein ausgewogener Vitamin-D-Spiegel unterstützt das Immunsystem und stärkt gerade in den dunklen Jahreszeiten die Abwehr gegen Infektionskrankheiten.» Und er ergänzt: «Es wirkt wie ein natürliches Antibiotikum. Das körpereigene Wohlbefinden erhält einen Motivationskick.» Weltweite medizinische Studien belegen, dass Sonnenschein und Solarien nicht nur den Vitamin-D-Haushalt auffrischen, sondern auch andere positive Effekte für unsere Gesundheit haben. Dazu Gavilan: «Vitamin D stärkt unsere Knochen und Organe und hat einen positiven Einfluss auf unseren Blutdruck sowie auf unsere Psyche, und dadurch sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Eine positive Auswirkung haben UV-Strahlen auch auf Hautkrankheiten wie Psoriasis.»

Strenge Richtlinien – neue Verordnung

Klar ist allerdings auch, dass zu viel Sonne schaden kann. Doch die Branche wird bezüglich der Gesundheit ihrer Kundschaft strengstens reglementiert. Alle Solariumbetreiber in der Schweiz sind ab dem 1. Dezember 2020 gesetzlich verpflichtet, die Geräte gemäss neuem Solarium-Gesetz (V-NISSG) zu betreiben. Ab dem 1. Januar 2022 gehört dazu auch eine Alterskontrolle ab 18 Jahren. «Unsere Branche hat sich technologisch weiterentwickelt. Wir haben moderne hochkomplexe Geräte, die via Sensoren den jeweiligen Hauttyp bestimmen und die Bräunungs­dauer berechnen», so Gavilan. «Zudem weisen wir auf die möglichen Gefahren hin und deklarieren die wichtigsten Punkte mit einem Besonnungsplan und den Risikofaktoren, die gut sichtbar beim Kabineneingang angebracht sind.»

Aktuelle Studien wie auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) halten fest, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen massvoller Solariennutzung und einem erhöhten Melanomrisiko nicht erwiesen ist. «Die neuen Besonnungskonzepte mit UV-Strahlung, Rotlicht und Kollagen aufbauenden Anteilen gehen Richtung Gesundheit und weg von der Bräune», sagt Gavilan. «Allerdings werden wir im Gesundheitswesen noch nicht als massgebender Player wahrgenommen, weil leider noch immer die Bräunung im Vordergrund steht.»

Digitalisierung vorantreiben

Das möchte der junge, dynamische Präsident ändern: Es hat bereits ein Strukturwandel stattgefunden: «Wir haben weniger Betriebe, dafür grössere und professionellere Studios. Mit den zahlreichen Auflagen und Reglementierungen kann man heute nicht einfach so nebenbei ein Solarium eröffnen und betreiben, dazu braucht es Kapital und Know-how.» Er möchte vor allem die Digitalisierung in der Branche vorantreiben. «Wir müssen mit der Zeit gehen, digitalisierte Prozesse sind unabdingbar. Geräte im Hightechbereich, bargeldloses zahlen, Musik via Bluetooth etc. vereinfachen die Prozesse für unsere Kunden und machen die Sonnenstudios künftig noch attraktiver.» Der Verband engagiert sich auch auf politischer Ebene, um so die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen auszuhandeln. «Wir sind gut vernetzt und arbeiten eng mit dem BAG zusammen.» Dennoch sind die Reglementierungen, gesetzliche Vorgaben und der grosse Papierkrieg Hürden, die es gilt, tagtäglich zu meistern.

Gavilan ist jedoch überzeugt, dass die Branche grosses Potenzial hat. Denn mittlerweile durchdringt der Megatrend Gesundheit alle Bereiche unseres Alltags und prägt sämtliche Lebensbereiche, Branchen und Unternehmen – auch die Sonnenstudios. «Vor allem seit der Pandemie ist die Bedeutung von körperlicher Unversehrtheit zu einer Schlüsselres­source geworden. Für viele gehört es daher zum Lebensstil, fünf Minuten Strand vor der Haustüre zu geniessen und die Sonne ganzjährig zu umarmen», ist Gavilan überzeugt. Corinne Remund

www.photomed.ch

DAS MACHT PHOTOMED

Professionalisierung der Branche vorantreiben

Der Solarien-Verband Schweiz,Photomed, wurde 1987 gegründet. Die Branche schloss sich damals zusammen, um die wissenschaftliche Forschung in allen Fragen der Photomedizin zu fördern und zu unterstützen. Photomed ist für seine Mitglieder eine wichtige Informationsplattform, stellt ihnen ökonomisches, Management- und Expertenwissen zur Verfügung und unterstützt sie im Marketing. Photomed vertritt als Fachverband der Solariumanbieter und Sonnenstudios die Anliegen seiner Mitglieder sowohl in der Öffentlichkeit als auch vor den Behörden. Der Verband setzt sich für die Professionalisierung der Besonnungsbranche ein. Photomed ist auch auf der politischen Ebene aktiv, wo sich der Verband mit der Verbesserung relevanter Gesetze, Verordnungen, Normen, Verhaltensregeln und Qualitätsstandards für die Besonnung in der Schweiz einsetzt. Der Verband ist gut vernetzt mit anderen Verbänden, Institutionen und Organisationen.

Photomed umfasst 71 aktive Mitglieder – dies sind 40 Prozent aller Sonnenstudios in der Schweiz. Dazu gehören Sonnenstudios, Kosmetikstudios, Hotels und Fitnesscenter mit Solarien, Importeure, Lieferanten und Servicedienstleister. Die Branche beschäftigt rund 1200 Personen und generiert jährlichen einen Umsatz von rund 100 Millionen Franken. CR

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