Publiziert am: Freitag, 20. Juni 2014

Brauchen Konsumenten Schutz?

TRIBÜNE

Das Positionspapier der Vereinigten Handelsallianz Swiss Retail Federation, Handel Schweiz, des Schweizerischen Gewerbevereins und Verband Schweizer Versandhandel schlug wie eine kleine Bombe ein – zumindest bei den vier Konsumentenorganisationen. Denn diese Allianz fordert: keine Bundessubventionen für Konsumentenorganisationen! Genüsslich wurde dies von der Presse aufgenommen und verbreitet. Konsumenteninformation wird nämlich längst nicht mehr von entsprechenden Organisationen abgedeckt. Dank Internet beziehen viele Konsumenten ihre Informationen direkt aus dem Netz; die Informationsquellen sind vielfältig wie noch nie. Der Konsument ist dank regen virtuellen Austauschs ein «Experte» geworden, der seinerseits mittels Erfahrungsberichten Produkte bewertet. Er ist somit zu einer nicht zu unterschätzenden Macht geworden.

Man kann sich schon fragen: Warum braucht es die Konsumentenorganisationen noch? Welche Konsequenz hat die Forderung der Allianz für meine Organisation, das Konsumentenforum? Möglicherweise sind Sie nun überrascht: Konsumentenforum? Werwiewas? Sara Stalder? Nein, eben nicht. Das kf ist die einzige liberale Konsumentenorganisation der Schweiz. Wir sind überzeugt, dass der heutige Konsument ein mündiger Bürger ist, der nicht nur Packungsbeilagen und Produktbeschriebe lesen, sondern sie auch interpretieren kann. Der Konsument – und natürlich auch die Konsumentin, sie ist immer mitgemeint – ist selten an Herkunfts­beschrieben interessiert, welche auch noch das hinterletzte Kräutlein bis zum anpflanzenden Bauern zurückverfolgen und jede Verpackung verteuern und schwer lesbar machen. (Verstehen wir uns recht: Die Forderung nach Rückverfolgung darf nicht nonchalant vom Tisch gewischt werden, aber es gibt schlankere Lösungen.) Unser Credo lautet denn auch: Wahlfreiheit statt Dogma, Information statt Bevormundung, Zusammenarbeit statt Anprangern, Beratung statt Belehrung, Dialog statt Konfrontation.

Das kf bietet Beratungen zu allen Konsumthemen an, gibt Broschüren und Ratgeber heraus, veranstaltet regel­mässig Anlässe zu Konsumthemen wie zum Beispiel das Olma-Forum in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband, um nur einen Partner zu nennen. Ganz neu ist das kf die Ombudsstelle E-Commerce, damit beschreitet es durchaus auch neue Wege. Dass Konsum, Spass und Nachhaltigkeit auch zusammengehören, beweist unsere neugegründete Internetcommunity Konsumhelden, die sich an ein junges Publikum richtet: an die kaufkräftigen Konsumenten von morgen. Auch wehren wir uns, dass staatliche Verordnungen und neue Gesetze die Konsumenten bevormunden und diejenigen, die sich korrekt verhalten, bestrafen. Das kf weiss auch sehr wohl: «Die Wirtschaft» ist nicht einfach böse und versucht, Konsumenten über den Tisch zu ziehen. «Der Wirtschaft» muss man auch nicht ständig auf die Finger hauen und mit immer neuen Gesetzen möglichst viele Steine in den Weg legen. «Die Wirtschaft» ist auf verlässliche Partner wie das kf angewiesen – und umgekehrt! Ja, wir brauchen Sie. Wie wäre es mit einer Mitgliedschaft?

Das war nun ein toller Werbespot für das kf, nicht wahr?

*Babette Sigg ist Präsidentin des Konsumentenforums kf, der einzigen liberalen Konsumentenorganisation.

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.