Publiziert am: 21.09.2018

Chancen – auch für die Schweiz

CHINAS NEUE SEIDENSTRASSE – Die Verbindung Ostasiens mit Europa ist ein Anliegen Chinas. Natürlich 
ist es primär ein geopolitisches Projekt. Aber es öffnet viele Chancen für die Wirtschaft – auch für Schweizer Unternehmen.

Die «Belt and Road Initiative» (BRI)wurde im Jahr 2017 definitiv lanciert. China will über Land – Belt – und Meer – Road – Ostasien, Zen­tralasien, Südasien, Afrika und Europa verbinden. Dabei setzt Peking bewusst auf die Parallele zur historischen Seidenstrasse. Allerdings ist das Ziel nicht, in die Geschichte zurückzublicken, sondern die Zukunft zu gestalten.

Grosses Potenzial

Die Voraussetzungen dazu passen gut. Um die 70 Länder haben ihr 
Interesse an der BRI angemeldet – inklusive der Schweiz. Der BRI-Raum vereinigt etwa 30 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts und circa 60 Prozent der Bevölkerung des Planeten. Die Weltbank schätzt alleine die Infrastrukturinvestitionen auf 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

«bei der ‹belt 
and road initiative› gelten chinesische regeln.»

Die Initiative sieht nämlich nicht nur Freihandel vor, sondern auch den Aufbau von Infrastrukturen in den Ländern des neuen Wirtschaftsraums. Die Überlegung dabei ist eine zweifache. Handel funktioniert besser, wenn Infrastrukturen vorhanden sind – Strasse, Häfen, Telekommunikation etc. –, und die Teilnehmerländer sollen nicht reine Transiträume sein. Wenn sie attraktive Infrastrukturen haben, können sie ihre Vorteile in die Wertschöpfungskette einbringen.

Viel zu tun

Finanziert werden diese Projekte vor allem von China über verschiedene Entwicklungsbanken. Doch bei 
der Asian Infrastructure and Investment Bank (AIIB) macht auch die Schweiz mit. Sie ist dort Geldge­berin und in den Aufsichtsgremien 
präsent.

Die Aufträge werden öffentlich ausgeschrieben und an Konsortien vergeben. Diese Arbeitsgemeinschaften werden in der Regel von chinesischen Unternehmen koordiniert. Es gibt verschiedene Onlineportale, welche das Prozedere beschreiben. Einige übernehmen sogar das Matchmaking zwischen Unternehmen. Empfehlenswert ist das von der chinesischen Regierung betriebene (https://eng.yidaiyilu.
gov.cn) und jenes von der Investitionsagentur Hongkongs (https://beltandroad.hktdc.com).

Offen für die Schweiz

Schweizer Unternehmen, so betont die chinesische Regierung, sind eingeladen, mitzumachen. Schliesslich unterhält die Schweiz als einziges kontinentaleuropäisches Land ein Freihandelsabkommen mit dem Reich der Mitte. Und nicht nur das: Schweizer Unternehmen geniessen generell ein hohes Ansehen in China. Was interessierte Unternehmen jedoch beachten müssen: Das Ganze hat chinesische Vorzeichen, d. h., es gelten chinesische Regeln. BRI ist ja auch ein geopolitisches Projekt.

Henrique Schneider, Stv. Direktor sgv