Publiziert am: Freitag, 20. Januar 2017

China, die Schweiz –und die KMU

Die Meinung

Vielen ist es nicht ganz wohl bei der 
Sache: Der übermächtige rote Drache und das kleine weisse Kreuz – was verbindet sie? Kann hier wirklich Freundschaft gedeihen? Und: Was haben die KMU davon?

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping besuchte dieser Tage erstmals offiziell die Schweiz. Staatsbesuche sind immer hochrangig – und zu abstrakt, als dass sie Konkretes bewirken. Doch man sollte sich nicht täuschen: China und die Schweiz haben sehr gute Beziehungen. Beide Länder sind aneinander interessiert. Und das bringt mehrheitlich Vorteile.

Die Schweiz muss sich von einer einseitigen Ausrichtung an Staaten der OECD loslösen. Nicht selten bauen diese Druck auf Bern auf. Das Resultat dieses Drucks ist die weitgehende Aufgabe des Bankkundengeheimnisses und das Einbüssen steuerlicher Wettbewerbsfähigkeit. Ebenso muss die Schweiz Alternativen zum wirtschaftlichen Klumpenrisko Eurozone suchen. Die Strategie des Bundesrates, engere Beziehungen zu Ländern wie China, Indien und Brasilien zu suchen, ist ein guter Weg.

So weit, so gut. Aber was will China von der Schweiz? China bewundert die Schweiz. Ein reiches, stabiles und neutrales Land, das zu anderen Staaten Beziehungen aufbaut und pragmatisch mit Meinungsverschiedenheiten umgeht – so wird die Eidgenossenschaft dort wahrgenommen. Darüber hinaus schätzt Peking die frühe Anerkennung der Volksrepublik und die ebenso frühe Bezeichnung des Landes als Marktwirtschaft durch Bern. Diese Bezeichnung ist in der Welthandelsorganisation nämlich sehr wichtig.

China braucht ein westliches Land als guten Freund. Peking will Bern als Brückenbauer für seine Anliegen einsetzen und ist offen für das Umgekehrte. Deshalb zollt die chinesische Staatsführung der Schweiz einen hohen Respekt. Die Schweiz erhält Geschenke, die auf der Prestigeliste zuoberst stehen. Und vor allem ist die Schweiz das erste kontinentaleuropäische Land mit einem Freihandelsabkommen mit China – überhaupt: Es ist das erste Land mit einem sogenannten dynamischen Freihandelsabkommen mit dem roten Drachen.

Politisch ist das alles sinnvoll. Aber gibt es in diesem Zusammenhang konkrete Chancen für KMU? Die Antwort lautet: Ja. Für Schweizer KMU ist China nach der EU – und vor den USA! – der zweitgrösste Auslandsmarkt. So unterschiedliche Branchen wie Umwelttechnik, Maschinenindustrie, Ausbaugewerbe, Kunststoffproduktion oder Biotechnologie sind unter anderem dort aktiv.

Das hat verschiedene Gründe: In China können Schweizer KMU relativ einfach eine Marktpräsenz aufbauen. Sie können auch bewusst dort experimentieren; das wäre in Europa zu teuer oder die damit einhergehenden Reputations-
risiken zu hoch. Schweizer Technologie und Swissness im Allgemeinen werden dort geschätzt. Schweizer Unternehmen können sogar höhere Preise erzielen oder von der chinesischen Skalierbarkeit profitieren. Oft treten beide Effekte gemeinsam auf.

Ist also nur Positives zu vermelden? Nicht ganz. China ist ein dynamischer Markt. Unternehmen profitieren davon. Aber sie müssen sich auch anpassen. Und sie müssen eine überdurchschnittliche Dynamik an den Tag legen, um dort mitzuhalten. Aber dies alles zahlt sich aus.

Und es zahlt sich für die Schweiz aus, ihre Beziehungen – nicht nur mit China – zu vertiefen. Gerade ein kleines Land muss weltweit Beziehungen pflegen. Genauso sind globale Freundschaften der Hebel der Schweizer KMU.