Publiziert am: Freitag, 19. Januar 2018

China vor den USA und Südkorea

EXPORTMÄRKTE – Eine Studie von Switzerland Global Enterprise (S-GE) in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle (KOF) zeigt die attraktivsten Exportmärkte für Schweizer KMU auf.

China ist für Schweizer KMU das attraktivste Exportland. Das zeigt ein Ranking von Switzerland Global Enterprise (S-GE), welches für Schweizer KMU als Orientierungshilfe dient und in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich erstellt wurde. Hinter China folgen die USA und Südkorea.

Stark wachsendes BIP

Dass gerade China die Rangliste anführt, ist für Alberto Silini, Leiter Beratung bei S-GE, keine Überraschung. «China bietet für exportierende Schweizer KMU einen enorm grossen Markt. Das Bruttoinlandprodukt stand im Jahr 2016 bereits bei 11,2 Billionen Dollar, Tendenz noch immer steigend mit über sechs Prozent.»

«SCHWEIZER Unternehmen haben EINEN Preisvorteil.»

Zudem sind für Schweizer KMU die Exporte nach China nicht zuletzt wegen des Freihandelsabkommens interessant. «Zollgebühren für eine Reihe von Branchen konnten durch das Abkommen bereits verringert oder sogar abgeschafft werden», erklärt Exportexperte Silini. «Schweizer Unternehmen haben damit einen Preisvorteil etwa gegenüber europäischen Konkurrenten.»

Auch die Umfrage zu den Exportperspektiven von Switzerland Global Enterprise bestätigt diesen Trend. 
31 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen werden bis Ende Jahr nach China exportieren.

ASEAN an der Spitze

Die Topexportmärkte sind neben 
den einzelnen Ländern auch nach Regionen bewertet worden. Im Regionen-Ranking betrachtet, belegen die asiatischen Länder der ASEAN-Region – also die Philippinen, Indonesien, Vietnam, Singapur, Malaysia, Myanmar, Laos, Thailand, Brunei und Kambodscha – den ersten Platz. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat Switzerland Global Enterprise im Juli 2017 den jüngsten Swiss Business Hub eröffnet.

PD/S-GE

GRÖSSTES POTENZIAL AUSSERHALB DER EU

«Erstaunlich und ermutigend»

Es ist erstaunlich und ermutigend, das Ergebnis der neuesten S-GE-Studie! Erstaunlich, weil nach den Handelsstatistiken, wie sie heute vorliegen, die EU der stärkste Auslandsmarkt ist. Gefolgt von den USA und China. Nimmt man die Zahlen nur für die KMU, so steht die EU immer noch an der Spitze, gefolgt von China und den USA. Doch Statistiken zeigen bekanntlich, was in der Vergangenheit war. Die neue S-GE Studie zeigt, was KMU von der 
Zukunft erwarten.

Mehr Freihandel

Und Schweizer KMU wagen einen offenen Blick in die Zukunft. Dieser Blick geht nicht nur über die europäischen Grenzen hinaus. Er ist auch differenziert und lässt verschiedene, auch Nischenmärkte, in den Fokus geraten. Damit zeigen KMU, dass sie sich ihres eigenen Werts, aber auch der Wichtigkeit nordamerikanischer und asiatischer Märkte bewusst sind.

Gerade wegen des Zukunftspotenzials dieser Märkte und der Bereitschaft der KMU, dort zu diversifizieren, fordert der Schweizerische Gewerbeverband sgv ein möglichst weltumspannendes Netz von Freihandelsverträgen. Und zwar solche, die den Handel in den Mittelpunkt stellen. Die nächsten zwei grossen Würfe: USA und Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay). Einfach werden diese Verhandlungen nicht; doch lohnen werden sie sich allemal.

Weltweit differenzieren

Was die KMU erkannt haben, muss die Politik noch nachvollziehen: Das grösste Potenzial liegt nämlich ausserhalb der EU. Selbst wenn die Union Wirtschaftswachstum verzeichnen würde, machen ihre Regulierungen und interne Abschottungen den Markt gerade für Schweizer KMU zu wenig attraktiv. Weltweite Differenzierung ist das politische und wirtschaftliche Gebot.

Zugegeben: Auf den zweiten Blick ist diese Erkenntnis gar nicht so 
erstaunlich. Aber ermutigend ist sie allemal.

Henrique Schneider, stv. Direktor sgv