Publiziert am: 03.07.2020

Damit auch Mütter arbeiten können

KINDERBETREUUNGSKOSTEN – Höhere Qualifikation und die Erhöhung des Arbeitspensums führen zu höherem Einkommen – und damit zu höheren Steuern. Diese Steuerungerechtigkeit muss am 27. September mit einem «JA» zum erhöhten Kostenabzug für Kinderbetreuung bekämpft werden.

Schon vor, vor allem aber auch nach der Corona-Krise braucht die Schweiz hochqualifizierte Fachkräfte. Höhere Qualifikation und eine Erhöhung des Arbeitspensums führen aber zu höherem Einkommen und unweigerlich auch zu höheren Steuern. Für hochqualifizierte Eltern ergibt sich sogar eine dreifache Steuerungerechtigkeit: durch die Steuerprogression, den hohen Betreuungstarif der Kitas und aufgrund des nach oben begrenzten Betreuungskostenabzugs. Diese Steuerungerechtigkeit kann am 27. September bekämpft werden: mit einem «JA» zum erhöhten Kostenabzug.

Zusatzeinkommen schmilzt weg

Die plötzliche Schliessung von Schulen und Kindertagesstätten beim Lockdown hat die Hürden bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie klar und deutlich aufgezeigt. Wirtschaft und Gesellschaft sind inzwischen daran, dort, wo möglich, wieder in die Normalität zurückzukehren. Dazu braucht es verbesserte Rahmenbedingungen für die Erwerbsarbeit, und dazu gehören insbesondere das Angebot und auch die Finanzierbarkeit der Kinderbetreuung.

Eltern, die in einem hohen Pensum der Erwerbsarbeit nachgehen, werden vom Staat gleich dreifach ungerecht hoch zur Kasse gebeten: durch die Steuerprogression, durch den hohen Betreuungstarif der Kitas und aufgrund des nach oben begrenzten Betreuungskostenabzugs. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass hohe Kita-Kosten Teilzeitbeschäftigte davon abhalten, ihr Erwerbspensum zu erhöhen. Denn nach Abzug der hohen Steuern und Betreuungskosten bleibt nicht mehr viel vom Zusatzeinkommen übrig, oder noch schlimmer: Unter dem Strich wird das Haushaltsbudget sogar noch kleiner.

Meist ein Verlustgeschäft

In der Praxis werden die Kitas häufig mit Steuergeldern subventioniert. Je mehr Steuern also ein Elternpaar bezahlt, desto mehr trägt es auch zur allgemeinen Finanzierung der Kinderbetreuungsstätten bei. Gleichzeitig können gerade diese Eltern, welche überdurchschnittlich hohe Steuern bezahlen, selbst nicht auf eine günstige, subventionierte Kinderbetreuung zurückgreifen. Eine Erhöhung des Erwerbspensums ist also für diese gut verdienenden Eltern absolut unattraktiv. In den meisten Fällen ist es schlicht ein «Verlustgeschäft». Das ist es, was hochqualifizierte Mütter im Wesentlichen davon abhält, ihr Arbeitspensum zu erhöhen.

Anreiz für hochqualifizierte Mütter

Entgegen der Behauptung des Referendumskomitees würden fast 60 Prozent der Steuerzahlerinnen und -zahler mit Kindern, welche die direkte Bundessteuer bezahlen, von der Erhöhung des Abzugs der Kinderbetreuungskosten profitieren. Wir sprechen hier von einer Bandbreite des zu versteuernden Einkommens zwischen 50 000 Franken und 149 900 Franken. Der Abzug ist also keineswegs ein Steuergeschenk an reiche Eltern, denn qualifizierte Fachkräfte sind nicht automatisch wohlhabend und reich.

Im Berufsleben ist nichts auf Ewigkeit in Stein gemeisselt. Jede Person kann sich heute weiterbilden und einen Abschluss erreichen, ein hohes Erwerbspensum oder eine Vollzeitbeschäftigung an­nehmen – womit sie oder er aber unweigerlich höhere Steuern und Betreuungskosten für die Kinder bezahlt.

«MEHRARBEIT IST HEUTE OFT EIN VERLUST-GESCHÄFT – VOR ALLEM FÜR MÜTTER. DAS MUSS SICH ÄNDERN.»

Qualifizierte Personen sind also nicht automatisch auch «reiche» Personen. Es sind jedoch Personen, deren Fähigkeiten heute nicht ausreichend genutzt werden. Es sind in den allermeisten Fällen die gut qualifizierten Mütter, welche ermutigt werden müssen, sich in den Arbeitsmarkt zu (re)integrieren und ihr Wissen zu erweitern. Die Vorlage ist also Frauenförderung pur – und verdient am 27. September ein kräftiges «JA» an der Urne.

Alexa Krattinger, Ressortleiterin sgv

Meist Gelesen