Publiziert am: Freitag, 19. Mai 2017

Dank Präzision an der Weltspitze

FRITZ GYGER AG — Die Gyger AG in Thun steht für Innovation, Präzision und Weitsicht. Aus der Produzentin von 
Grammophonnadeln ist ein weltweit führendes Unternehmen für Mikrotechnik geworden.

Die Fritz Gyger AG im Gwatt bei Thun hat es mit Bescheidenheit, Präzision und Weitsicht an die Weltspitze gebracht. Dies hat das Familienunternehmen seinem Gründer Fritz Gyger senior zu verdanken. Der Decolleteur bei der eidgenössischen Konstruktionswerkstätte in Thun wagte 1959 den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete die Fritz Gyger AG in Heimberg. Er ahnte damals nicht, dass er damit den Grundstein für ein weltweit führendes Unternehmen für mikrotechnische Anwendungen legte. Im Keller in Heimberg tüftelte der sechsfache Familienvater in den 50er-Jahren an der Optimierung des Schleifprozesses. Dabei widmete er sich der Produktion von Nadeln aus Saphir für Plattenspieler-Tonabnehmer. Der Pionier erfand einen kurvengesteuerten Nadelschleifautomaten für die serienmässige Herstellung von Saphir-Tonnadeln. Damit war der erste Meilenstein in der Geschichte der Fritz Gyger AG gelegt. «Das Grundprinzip des kurvengesteuerten Nadelschleifautomaten bewährt sich heute noch. Mittlerweile sind wir weltweit DER Spezialist für Lösungen in der Mikrotechnik. Dies ist sozusagen unser Erfolgsrezept», betont Fritz Gyger junior, der Besitzer des Unternehmens heute.

«Wir finden Lösungen für die ausgefallensten Kundenwünsche.»

In der Hochblüte der Vinyl-Ära, 1980 bis 1985, erreichte der Ausstoss nach Angaben der Firma gegen 2,5 Millionen Saphirnadeln pro Monat. Gyger teilte den Markt in der Schweiz mit zwei Konkurrenten. «Wir belieferten ausschliesslich Grossisten», berichtet Gyger. Die Saphirnadel löste damals die Stahlnadel ab.1978 wurde der Gygerschliff entwickelt und patentiert. «Unser Schliff kommt am nächsten an den Schneidstichel heran, der die Vinylplatten schneidet, somit haben wir die grösstmögliche Abtastfläche, welche Töne sehr reell wiedergibt», so Gyger. Zurzeit vermag das Unternehmen die steigende Nachfrage wegen mangelnder Kapazität allerdings nicht zu decken. «Wir bauten die Produktion nicht aus, weil wir nicht wussten, wie lange der Markt hält.» Und er ergänzt: «Da Vinyl trotz Digitalisierung eine ungeahnte Renaissance erlebte, sind Diamantnadeln immer noch gefragt.»

Alles aus einer Hand

Heute ist das KMU ein moderner Betrieb, der weltweit führend im Gebiet der Mikrotechnik ist. Vor einigen Jahren wurde ein Neubau in Betrieb genommen. Das Unternehmen beschäftigt 27 Mitarbeitende, darunter Polymechaniker, Techniker und Softwarespezialisten. Familienmitglieder der zweiten und dritten Generation sind Teil der heutigen Firmenleitung. Nebst Fritz Gyger als Inhaber arbeiten die beiden Töchter Monika Grossen und Karin Gyger sowie Sohn Reto Gyger im Betrieb mit. Die Firma produziert immer noch hochwertige Diamantnadeln, aber ihren hauptsächlichen Umsatz macht sie mit neuen Produkten in der Mikrotechnik wie Mikroventilen (siehe Kasten). «Unsere Kernkompetenz ist die Mikrotechnik sowie die Bearbeitung von harten Werkstoffen in Kombination mit Metall und Kunststoff», erklärt Karin Gyger.

Charakteristisch für die Fritz Gyger AG ist die hohe Fertigungstiefe sowie das breitgefächerte Dienstleistungsangebot. Die Herstellung der Gyger-Produkte, von der kleinsten Spezialschraube über Mikrodüsen bis zum komplexen Gehäuse, erfolgt grösstenteils in der eigenen Firma. «Bei uns kommt alles aus einer Hand, von der Entwicklung inklusive Software über die Produktion bis zu Montage und Service», so Karin Gyger. «Wir begleiten und unterstützen unsere Kunden auf dem gesamten Produkteweg.» Und Fritz Gyger junior konkretisiert: «Wir versuchen, Kundenwünsche umzusetzen, und finden Lösungen für die ausgefallensten Anliegen. Es kann manchmal mehrere Jahre dauern, bis ein solches Projekt realisiert ist.»

Unter den internationalen Kunden befinden sich berühmte Konzerne wie Novartis, Astra Zeneca, Robert Bosch oder Thermo Fischer. Ebenso gehören Hochschulen und Forschungsinstitute dazu. «Unsere Kunden finden wir in den diversen Branchen wie Hi-Fi, Life Science, Forschung, Automation, Druckindustrie, Automobiltechnik und so weiter», sagt Karin Gyger. Schweizer Qualität sowie Termintreue und Zuverlässigkeit spielen bei den Kunden eine grosse Rolle. «Qualität kommt immer vor Quantität», hält Fritz Gyger junior fest. Und es sei auch in seiner Branche entscheidend, am Werkplatz Schweiz festzuhalten. 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Gyger im Export. «Wir schätzen auch, dass ein grosser Teil vom Inlandverkauf indirekt exportiert wird», so Gyger junior.

«Qualität kommt immer vor Quantität.»

Das Familienunternehmen bewegt sich dank einzigartiger und genauer Arbeit an der Spitze und ist seinen Mitbewerbern – wenn es denn welche gibt – weit voraus. «Da wir immer an der Grenze des Machbaren arbeiten, heben sich unsere Produkte weltweit von der Konkurrenz ab», so Gyger junior. Dabei führt das Unternehmen eine klare Preisstrategie: «Unsere Produkte sind so einzigartig und überzeugend, dass der Kunde bereit ist, einen entsprechenden Preis dafür zu zahlen.» Das Unternehmen ist daher auf gute Fachkräfte angewiesen. Gyger ist an beständigen Arbeitsverhältnissen interessiert, da die Einarbeitung aufwändig ist und viel Zeit beansprucht. «Wir haben viele langjährige Mitarbeiter. Wer in Pension geht, ist fast nicht zu ersetzen.» Um den Nachwuchs auch für die Zukunft zu sichern, bietet das Unternehmen zwei Lehrstellen für Polymechaniker. «Es ist immer schwierig, geeignete Fachleute zu finden. Die Affinität zu grossen, teuren Maschinen und Teilchen im Millimeterbereich liegt nicht jedem», so 
Gyger junior.

Neue Produkte bekannt zu machen, ist trotz allem Renommee eine Herausforderung für das KMU. «Für eine kleine Firma wie uns ist es nicht einfach, in den Life-Science-Markt zu kommen», gibt Karin Gyger zu bedenken. Für die Zukunft hat sich das KMU auf die Fahne geschrieben, seine Produkte stetig weiterzuentwickeln. «Wir wollen auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber auf dem Platz Thun sein», so Gyger junior.

Corinne Remund

Dank INNOVATION weltweit einzigartig

Das Herzstück der Produktion

Die Fritz Gyger AG ist in der biologischen und pharmazeutischen Forschung an der Weltspitze dabei. Gygers Mikroventile sind derart unübertroffen, dass die Firma weder den starken Franken scheuen noch Werbung schalten muss. «Die Mikroventile sind das Herzstük unserer Produktion. Wir haben dazu eine eigene Produktelinie», sagt Fritz Gyger junior. Die Mikroventile kommen beispielsweise in der Certus-Produktelinie vor. Die Qualität der Ventile liest sich wie ein Zeugnis der Superlative: «Dosiergeschwindigkeit bis zu 4000 Hertz mit Dosiermengen von weniger als 20 Nanolitern. Die berühmte Diamantnadel liefert das Know-how für die Fertigung der hartdichtenden Mikroventile (Rubinkugel auf Saphirsitz). Dies ermöglicht hochpräzise Dosierung und Tropfenbildung. Die Ventile sind gefragt in der Pharmaforschung und werden zum Beispiel zur Befruchtung von Zellkulturen eingesetzt. Momentan tüftelt Gyger an einem neuen Ventil, das noch genauer arbeitet als das bisherige: «Der Trend geht in Richtung Miniaturisierung. Schneller, besser, genauer und günstiger», so Gyger.

Die Entwicklung ist zentral

Das Unternehmen steckt sehr viel in die Entwicklung. «Unsere Abteilung Technik ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Firma. Erst kürzlich haben wir personell aufgestockt», sagt Gyger. Durch die stetige Weiterentwicklung bleibe man nie stehen und perfektioniere die Produkte immer mehr. Um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse man Ohren und Augen immer offenhalten und auf die Wünsche der Kunden eingehen. «Denn was man heute nicht machen kann, wird morgen vielleicht bei uns verkauft», schmunzelt Gyger junior.

CR

Erste INDUSTRIENACHT

Bildungssystem im Fokus

Zum ersten Mal findet am Freitag, 19. Mai, 
die Industrienacht in der Region Thun statt. Dabei steht das duale Bildungssystem im Fokus. Auch 
die Gyger AG macht mit, liefert sie doch mit dem 
Werdegang des Patrons das Paradebeispiel für
das bewährte duale Bildungssystem. Hier zeigt sich, 
welche beruflichen Möglichkeiten ein Handwerker hat. So schaffte es Fritz Gyger junior ohne Hochschulabschluss zum Geschäftsinhaber einer Firma, die 
an der Weltspitze steht. Der Tag der offenen Tür findet am Samstag, 20. Mai, statt. Hier können die Besucher sich ein eigenes Bild der Gyger AG machen. Dank audio Aebersold Thun besteht die Möglichkeit, eine Gyger-High-End-Diamantnadel auf dem Plattenspieler von Fritz Gyger junior zu hören.CR

LINK: www.industrienacht.ch

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