Publiziert am: 24.02.2017

Das grosse Fest in Südwest

ENGAGEMENT in Lateinamerika – Ob in Infrastruktur, Agro-Industrie oder Bergbau: China hat die Weichen für die langfristige Zusammenarbeit mit den Staaten Südamerikas längst gestellt.

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat die Volksrepublik China in grossem Stil ihre Rolle als Handelspartnerin und Kreditgeberin in den lateinamerikanischen Ländern verstärkt. Die strategischen Planer in Peking sind es gewohnt, lange vorauszudenken, und konnten auch viele Staaten des südlichen Kontinents davon überzeugen, ihnen zu folgen.

Grossformatige Projekte

Daraus entstanden grossformatige Partnerprojekte, vor allem in Bereichen wie Infrastruktur, Landwirtschaft und Bergbau. Doch auch der Technologietransfer wurde intensiviert. Meist chinesische Banken finanzieren mit langfristigen und günstigen Krediten die Unternehmen vor. Überwiegend chinesische Firmen werden auch in die Ausführung integriert, teilweise werden sogar chinesische Arbeitskräfte eingesetzt.

Das Engagement Chinas ist gross. Das reicht von Erdölpipelines in Kolumbien und Venezuela über Süsswasserleitungen für grosse Bewässerungsprojekte in Argentinien bis hin zu Hafenanlagen oder einem neuen Schiffskanal für moderne Riesentanker in Nicaragua. In Mittelamerika sind zudem neue Zugverbindungen zwischen Honduras, Guatemala und Kolumbien geplant. Aber auch Brasilien und Peru sind an Eisenbahnlinien interessiert. Eine Reihe von Staudämmen für den vermehrten Energiebedarf stehen in Ecuador, Argentinien und Bolivien auf der Traktandenliste. Dort will man damit die Abhängigkeit von fossilem Brennstoff zurückschrauben – oder sogar in die Lage kommen, elektrischen Strom zu exportieren.

Vorteil für China

China ist den Staaten Lateinamerikas gegenüber häufig in einer wirtschaftlich überlegenen Machtposition. Dennoch agiert die Volksrepublik klug genug, um Raum für Verhandlungen zu lassen. China ist mittlerweile ein unersetzlicher Handels- und Investmentpartner. Die Direktinvestitionen aus dem Reich der Mitte in Lateinamerika betragen über 106 Milliarden Dollar.

Aber die lateinamerikanischen Staaten sind nicht blauäugig. Während einige das chinesische Klumpenrisiko mit einer näheren Anbindung an die USA versuchen – derzeit dürfen hier Fragezeichen angebracht werden –, schauen Brasilien und Argentinien nach Europa. Freihandel mit der EU und der Efta scheint für die beiden Grosswirtschaften eine Möglichkeit zu sein.

«Die Direktinvesti­tionen aus dem Reich der Mitte in Lateinamerika betragen über 106 Milliarden Dollar.

Interessanterweise fehlt eine wichtige Komponente in der lateinamerikanischen Risikobalance: Der Freihandel untereinander. Zwar gibt es sogenannte Handelsblöcke wie der Mercosur (vgl. Haupttext auf dieser Seite) oder die pazifische Allianz. Doch der freie Handel ist unter deren Mitgliedern oft nur Wunschvorstellung…Sc