Publiziert am: Freitag, 8. April 2016

Das Schweizer Holz mehr fördern

HOLZINDUSTRIE SCHWEIZ – Die Branche ist stark gefordert mit hohen Transportkosten, Margenverlusten, Ertragsproblemen und nicht zuletzt dem starken Franken. Dennoch zeigen sich mit dem Boom des Holzbaus Silberstreifen am Horizont.

Ob Hausbau, Möbelherstellung, industrielle Verarbeitung, Verpackung oder Energieproduktion: Wo Holz gebraucht wird, steht am Anfang immer die Sägerei. Sie sorgt für die schnelle Verfügbarkeit, Vielfalt, Verarbeitung und nicht zuletzt auch die Qualität des Werkstoffes Holz. Sie spielt als Partnerin der Forstwirtschaft eine wichtige Rolle bei der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes. In den 90er-Jahren ist die Anzahl Sägewerke jedoch massiv zurückgegangen. «Vor allem kleinere Betriebe sind eingegangen, da es das klassische Bauholz in grossen Dimensionen nicht mehr gibt. Es ist durch verleimtes Holz abgelöst worden», erklärt Hansruedi Streiff, Direktor von Holzindustrie Schweiz. «Weil es auf Schnitt-holz keinen Grenzschutz gibt, sind die Sägereien dem internationalen Wettbewerb ungleich stärker ausgesetzt als Zimmereien und Schreinereien. Die Branche durchlebt deshalb einen Strukturwandel hin zu grösseren Produktionseinheiten», so Streiff. In den letzten zehn Jahren seien im Holzbau 5000 Jobs kreiert worden. «Der Holzbau ist eine Erfolgsstory. Immer mehr Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Zweckbauten werden in Holz gebaut», sagt Streiff.

Die Mitglieder von Holzindustrie Schweiz verarbeiten überwiegend Nadelholz der Arten Fichte und Tanne. Laubholz macht nur fünf Prozent aus. Die Schweizer Waldbesitzer schlagen jedes Jahr etwa 5 Mio. Kubikmeter Holz, davon sind etwa 3,5 Mio. Kubikmeter sägefähiges Rundholz. Von dieser Rundholzmenge werden 70 Prozent verarbeitet, der Rest wird bis jetzt exportiert. Aus den runden und konischen Stämmen entsteht zirka 60 Prozent Schnittholz, als Hauptprodukt. Gleichzeitig fallen 40 Prozent Restholz als Nebenprodukte an: Säge- und Hobelspäne, Hackschnitzel, Schwarten/Spreissel, Rinde. «Die kontinuierliche Abfuhr dieser grossen Restholzmenge ist wichtig, sonst stünden die Sägewerke bald still», hält Streiff fest. Die Schnittholzproduktion von derzeit 1,2 Mio. Kubikmetern geht zu 50 bis 60 Prozent in den Baubereich. Dann folgen Paletten/Kisten, Export, Baumärkte, Innenausbau und Fensterbau. Restholz wird für die Herstellung von Papier, Zellstoff und Holzwerkstoffen (z.B. Spanplatten) verwendet. Immer wichtiger wird Restholz auch für die Energieerzeugung. «Viele Sägewerke produzieren bereits Wärme für die eigenen Trockenkammern und für Fernwärmenetze, die grösseren Betriebe kommen nun auch für die Produktion von Biomassestrom in Frage», streicht Streiff hervor.

«Die Sägereien sind dem internationalen Wettbewerb ungleich stärker ausgesetzt als Zimmereien und Schreinereien.»

Ein brennendes Thema ist die ausreichende Rundholzversorgung. Aufgrund des starken Franken herrsche ein enormer Preisdruck. «Wir bezahlen den Waldbesitzern 10 bis 15 Prozent weniger seit der jüngsten Frankenaufwertung. Dies führt zu Verunsicherungen und die Motivation der Waldbesitzer ist unter diesen Rahmenbedingungen nicht so klar», erklärt Streiff. Ebenso Sorge bereitet dem Verband der sinkende Anteil Nadelholz in den Wäldern des Mittellandes. «In der Forstpolitik wird auf mehr Laubwald gesetzt, allerdings ist das Bauwesen zu 95 Prozent auf Nadelholz ausgerichtet», so Streiff.

Hohe Transportkosten

Eine Herausforderung für die Branche sind auch die Transportkosten. «Wir bemühen uns, die negativen Auswirkungen der LSVA in Grenzen zu halten. Jeder Stamm wird zunächst auf einen Lkw geladen, Rückfuhren in den Wald sind nicht möglich und unser Rohmaterial ist im Vergleich zum Wert sehr schwer», sagt Streiff und ergänzt: «Da auch Schnittholz und Nebenprodukte (Sägespäne, Hackschnitzel) wiederum transportiert werden müssen, wird dasselbe Stück Holz sogar mehrfach mit LSVA belastet.» Der Bund habe seinerzeit die besondere Belastung der Holzbranche anerkannt und einen Viertel LSVA-Rückerstattung zugestanden. «Dennoch ist unsere Transportkostenbelastung im internationalen Vergleich sehr hoch», stellt Streiff fest. Auch hier verstärke der starke Franken die Problematik noch und der Verband plant im Transportbereich nochmals Vorstösse. Mit Margenverlusten und Ertragsproblemen bläst ein rauer Wind in der Branche. «Wir sind stark gefordert und müssen mehr vom Boom der Holzbauer profitieren können», so Streiff. Ein zentrales Anliegen und Jahresziel des innovativen Verbandes ist die Aufwertung des Schweizer Holzes. «Wir müssen noch mehr Werbung dafür machen und den Endkonsumenten auf die Qualität des Schweizer Holzes sensibilisieren», betont Streiff.

Zu wenig Lernende

Ganz nach dem Motto «Zukunft braucht Jugend» engagiert sich der Verband mit dem Beruf der Sägerin / des Sägers Holzindustrie EFZ in der Ausbildung. 15 bis 20 junge Berufsleute absolvieren jährlich diese dreijährige Lehre. Holzindustrie Schweiz bietet zudem gemeinsam mit den Verbänden Holzbau Schweiz und FRM die zweijährige Attestlehre zur Holzbearbeiterin / zum Holzbearbeiter EBA an. Hier beenden jährlich 10 bis 20 Junge diese Ausbildung. «Leider mangelt es in diesen Kleinstberufen an Lernenden. Die Lehrstellen wären vorhanden», bedauert Streiff. Er führt dies auf den Trend im Dienstleistungssektor sowie die starke Konkurrenz in der Branche mit den beliebten Berufen Schreiner und Zimmermann zurück. An der Höheren Fachschule Holz in Biel bestehen zudem Weiterbildungsmöglichkeiten zum Dipl. Techniker/-in HF, Vertiefung «Holzindustrie / Handel». Ebenso kann die Eidg. Berufsprüfung für Holzfachleute absolviert werden.

«Wir müssen mehr vom Boom der 
Holzbauer 
profitieren können.»

Für die Zukunft ist gemäss Streiff in der Holzindustrie Schweiz noch viel Potenzial vorhanden. Im Baubereich sei es wichtig, mit dem Inlandanteil möglichst erfolgreich beim Holzbau partizipieren zu können. Die Energieperspektive mit zunehmenden Holzfeuerungen und erneuerbaren Energien seien eine grosse Chance für die Holzindustrie. «Holz als Energierohstoff ist im Trend», so Streiff. Die Waldbesitzer müssten künftig wieder mehr die Bedeutung des Walds als Produktionsstätte von Holz erkennen. Bei den Sägewerken sei zu hoffen, dass sie die schwierige wirtschaftliche Phase überständen und die Währung nicht zu einem Standortfaktor werde. «Es ist wichtig, dass es uns gelingt, die Holzbauer ins Boot zu holen, dass die Wertschöpfungskette wieder mehr gelebt wird, und dass wir bezüglich Schweizer Holz auf den Swiss-Zug aufspringen können», betont Streiff.

Corinne Remund

Holzindustrie Schweiz

Aktive Plattform

Holzindustrie Schweiz ist die Dachorganisation für alle Hersteller von Schnittholz und Holz-Halbfabrikate. Der Verband wurde 1886 gegründet. Damals schlossen sich die Inhaber der Sägewerke aus Holzmangel im Schweizerischen Sägerei- und Holzindustrieverband zusammen. Die Betreuung der Branchenlösung 17S, ein Gesamtarbeitsvertrag, Gruppenzertifizierung FSC, betriebswirtschaftlicher Support und eine Rechtsberatung zählen zu den Dienstleistungen für die Mitglieder. Als massgebende

Schweizerische Branchenorganisation stellt Holzindustrie Schweiz den Kontakt zu Verbänden, Organisationen, Behörden und Öffentlichkeit her. Der Verband repräsentiert die Branche im politischen Umfeld und vertritt zudem die Interessen der Holzindustrie gegenüber Politik, Behörden, Medien, Öffentlichkeit und Organisationen. Der Berufs- und Arbeitgeberverband wirkt bei holzspezifischen Normierungen mit, entwickelt Branchenstrategien, macht internationale Vergleiche und engagiert sich in der Forschung. Der Organisationsgrad liegt bei 90 Prozent. Der Verband verfügt über 230 Mitglieder, davon 180 Sägewerke. Daneben gehören noch Hersteller von Hobelwaren und Brettschichtholz zu den Mitgliedern, die alles KMU sind.

Aus- und Weiterbildung

Ein Kerngebiet ist die Berufsbildung. Der Verband stellt in den Berufen Säger Holzindustrie EFZ und Holzverarbeiter EBA das Prüfungswesen sicher und bietet auch eine Weiterbildung für Fachkräfte in der Holzindustrie an. In der Holzindustrie arbeiten rund 2800 Beschäftigte. Die Branche macht einen Umsatz von ca. 600 Millionen Franken.

CR