Publiziert am: 04.10.2019

Das Znüni ist eine Institution

ARBEITSPAUSEN – Wie lange und auf welche Art wir die Arbeit zur Erholung unterbrechen, wird von vielen Faktoren beeinflusst. Die Mittagspause ist besonders wichtig.

Mit der Mittagspause ist es so eine Sache. Manche unterbrechen ihre Arbeit nur kurz oder essen gar vor dem PC ein Sandwich. Andere brauchen mindestens eine Stunde Pause und, wahlweise nach Tätigkeit, ein bisschen Bewegung oder Schlaf. Auf dem KMU-Portal hat sich Charlotte Weidmann Schneider zum Thema Mittagspause geäussert. Sie ist Fachexpertin für Ernährung und Betriebliches bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Für Weidmann Schneider ist klar: «Das Gehirn muss abschalten, um kreativ zu bleiben.» Mittagessen mit der Maus in der einen und der Gabel in der anderen Hand sei keine Pause.

Andere Länder, andere Sitten

In Spanien gibt es die Siesta. Der traditionelle Mittagsschlaf beginnt nach dem Mittagessen, welches üblicherweise ab 14 Uhr eingenommen wird, und kann schon mal zwei Stunden dauern. In England dagegen sind eher zehn bis dreissig Minuten Mittagspause üblich. Einfluss auf die Mittagspause haben aber noch ganz andere Dinge. Arbeitgeber und Kollegen spielen ebenfalls eine Rolle.

In Firmen, die mittags schliessen, sei die Pause beispielsweise fest etabliert. Gäbe es weder Kantine noch Mikrowelle, könne dies das Verhältnis, das ein Mitarbeiter zu seiner Mittagspause habe, verändern, so die Expertin. Das habe dann nicht zuletzt auch mit der Ernährung zu tun, Stichwort Fast Food. Weidmann Scheider empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit rohem oder gekochtem Gemüse, einer stärkehaltigen Beilage und Proteine. Das gelte auch, wenn man auswärts esse oder das Essen über eine der zahlreichen Lieferapps bestelle.

Auch das Budget kann einen Einfluss haben: «Einige Mitarbeiter schrecken vor den hohen Kosten zurück und gehen aus finanziellen Gründen nachlässig mit ihrer Ernährung um», erklärt Weidmann Schneider. «In diesem Fall kann es eine Lösung sein, sich das Essen von zu Hause mitzubringen, um Geld zu sparen.

Pause bedeutet abschalten

Um dem Organismus Zeit zu geben, ohne Hast satt zu werden, brauche es laut Weidmann Schneider eine Pause von mindestens zwanzig Minuten. «Ausserdem gehört zu dieser Pause auch etwas Bewegung. Man sollte seinen Arbeitsplatz verlassen und sich einen Moment Ruhe gönnen.»

Damit eine Pause ihre Wirkung auch wirklich entfalte, müsse sie sich gänzlich von der Arbeitszeit unterscheiden. «Deshalb ist auch ein Business Lunch oder ein Essen mit Kollegen, bei dem man über die ­Arbeit spricht, keine echte Unterbrechung.»

Schliesslich wurde die Expertin noch gefragt, ob eine einmalige Pause am Mittag pro Arbeitstag ausreiche. Die Antwort: «Die Unterbrechung in der Tagesmitte ist wichtig. Da man sich nicht länger als ­45 Minuten gut konzentrieren kann, ist es hilfreich, während des Tages weitere kurze Pausen zu machen.» Vieles hänge vom Rhythmus ab. Wer morgens sehr früh anfange, mache gerne um 9 Uhr eine Pause mit einem Snack. «In der Deutschschweiz ist das sogenannte ‹Znüni› eine feste Institution, von der in der Industrie oder im Handwerk kaum jemand abweicht.»

uhl

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