Publiziert am: 05.07.2019

Deckungsgrad deutlich über 100%

PROPARIS – Das schwierige Börsenjahr prägte 2018 auch das Anlagegeschäft von proparis. Im Quervergleich fielen die Verluste jedoch deutlich geringer aus als bei vielen anderen Pensionskassen.

Seine Ausführungen zur Jahres­rechnung 2018 leitete Jean-Claude Bregnard an der Stiftungsversammlung von proparis in Spiez mit John Maynard Keynes ein: «Drei Dinge treiben den Menschen zum Wahnsinn. Die Liebe, die Eifersucht und das Studium der Börsenkurse.» Ob der grosse englische Ökonom bezüglich Liebe und Eifersucht richtig liegt, liess der langjährige Leiter Finanzen & Controlling und Stv. Geschäftsführer von proparis offen. Die Entwicklung der Finanzmärkte aber sorge tatsächlich ab und an für Sorgenfalten. Das letzte Quartal 2018 habe die Stimmung deutlich getrübt. Die Dezemberrendite sei gar die «schlechteste seit 1931» gewesen. Mit entsprechendem Resultat: Praktisch alle Anlageklassen wurden zum Jahresende auf dem Jahrestiefststand bewertet. Entsprechend schlossen die Betriebsrechnungen der Pensionskassen per Bilanzstichtag tiefrot.

Auch die Sammelstiftung des Schweizer Gewerbes bekam das schwierige Umfeld deutlich zu spüren und litt spürbar unter der negativen Entwicklung der Märkte. Zur Besorgnis bestand jedoch für proparis auch letztes Jahr kein Grund. «Dafür sind die finanzielle Substanz und die daraus resultierende Sta­bilität eindeutig zu gross», sagte Bregnard. Inzwischen haben sich die Kurse bekanntlich weitherum deutlich erholt.

«Sehr stattliche» Überdeckung

Der gesetzliche Deckungsgrad lag per Ende 2018 unter dem Vorjahreswert. Mit 108,8% bewegte er sich indes nach wie vor deutlich über 100%. Risikobereinigt sei diese Überdeckung sogar «sehr stattlich», sagte Finanzchef Bregnard an der Stiftungsversammlung von proparis in Spiez. Denn im Vergleich mit anderen Vorsorgeeinrichtungen, die ohne Versicherungsschutz mit ihren Anlagen voll im Risiko stünden, benötige proparis mit ihrem hohen Anteil an rückversicherten Vermögensanlagen «zur Abfederung des Anlagerisikos viel weniger Wertschwankungsreserven». Auch der tiefere versicherungstechnische Deckungsgrad («Deckungsgrad 2»), der den Zielwert der benötigten Wertschwankungsreserven impliziert, lag zum Jahresende mit einer Überdeckung von 3,1% im grünen Bereich.

Deutliche Spuren hinterliess das schwierige Finanzjahr bei den Freien Mitteln, die im Vergleich zum Vorjahr um knapp 30% zurückgingen. Darin zeigt sich laut Bregnard, dass auch proparis, wie alle Schweizer Pensionskassen, im heutigen politischen und wirtschaftlichen Umfeld um risikoreichere Anlagen nicht herumkommt. Andernfalls lässt sich die notwendige Soll-Rendite langfristig und nachhaltig nicht erwirtschaften.

Angesichts dieser Entwicklung arbeitet proparis denn auch seit einiger Zeit gezielt daran, die Wertschwankungsreserven auszubauen und so ein zusätzliches Polster zur Absicherung der erhöhten Risikoexposition zu schaffen. Per Ende 2018 erreichten die in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsenen Wertschwankungsreserven den Spitzenwert von 292 Millionen Franken. «Damit lässt sich das gewünschte Sicherheitsniveau sicherstellen», sagte Bregnard.

Mehr Gewicht für Selbstanlagen

Trotz des deutlichen Trends hin zu Anlagen mit höherem Renditepotenzial verfügt proparis im Ansparprozess noch immer über einen sehr hohen Rückversicherungsgrad. Ende 2018 bestand die Bilanzsumme von insgesamt über 6,7 Milliarden Franken zu 81% aus rückversicherten Vermögensanlagen mit Kapitalschutz. Mit dem Ablauf der geltenden Verträge mit den Versicherern werden den Selbstanlagen bei proparis ab 2021 jedoch ein markant höheres Gewicht zukommen. Jean-Claude Bregnard schätzt, dass schon Ende 2021 in der Bilanzsumme die eigenen Vermögensanlagen 35% und die Aktiven aus Versicherungsvertrag noch 65% betragen werden.

Die Verzinsung des rückgedeckten Anlagevermögens ging in den letzten Jahren immer weiter zurück. Auch 2018 sank die Gesamtverzinsung der drei Versicherer von proparis weiter und liegt heute deutlich unter dem BVG-Mindestzinssatz von 1%. Daran wird sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Somit steigt der Druck, mit eigenen renditestärkeren Anlagepositionen die heute ungenügenden Renditen der risikoarmen Anlagen zu kompensieren. In schlechten Börsenjahren wie 2018 jedoch funktioniert das nicht. Wie praktisch alle Pensionskassen realisierte auch proparis im letzten Jahr auf den eigenen Anlagen eine Minusperformance. Mit einem Minus von 10% trugen diese massgeblich zum ungenügenden Jahresergebnis von proparis bei. Einmal mehr sorgten aber die rückversicherten Vermögen für willkommene Stabilität. Über die ganze Bilanz gerechnet ergab sich dank dieser rückversicherten Vermögen für proparis per Ende 2018 eine konsolidierte Anlagerendite, die nur minim unter der schwarzen Null liegt.

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