Publiziert am: Freitag, 18. Mai 2018

Den Kunden Gehör verschaffen

VERBAND HÖRAKUSTIK SCHWEIZ VHSDie Branche ist dank dem technischen Fortschritt, 
dem freien Wettbewerb sowie der neuen beruflichen Grundbildung zum Hörsystemakustiker EFZ im Aufwind. Zurzeit ist 
ein möglicher Zusammenschluss zwischen den Verbänden VHS und Akustika im Gespräch.

Pro Jahr werden bis zu 75 000 Hörsysteme verkauft. «Die Bedeutung der Hörsysteme ist enorm gross und nimmt immer mehr zu. Das Gehör ist denn auch ein wichtiges Sinnesorgan. Wir können beispielsweise ohne Hören keine Sprache entwickeln», erklärt Christian Rutishauser, Präsident des Verbands Hörakustik Schweiz VHS. Während aufgrund einer starken Sensibilisierung die Hörverluste im Beruf eher rückläufig sind, nehmen durch Freizeitaktivitäten bedingte Hörschäden 
erheblich zu. Für eine Zunahme 
ist primär jedoch die Überalterung verantwortlich.

«Die IV zahlt 
nur noch eine 
geringere Pauschale an die Hörsysteme, 
es spielt 
der freie Markt.»

Die Branche erfuhr 2011 eine einschneidende Veränderung. Bis dann wurde nämlich die Hörgeräteversorgung fast zu 100 Prozent von der IV übernommen. «Jetzt ist dem nicht mehr so. Die AHV/IV zahlt nur noch eine geringere Pauschale an die 
Hörsysteme, es spielt der freie Markt», stellt Rutishauser fest. Dies hätte zu mehr Dynamik und Wettbewerb in der Branche geführt, da die Preise nicht mehr tarifär vorgegeben seien, sowie zu einer Konsolidierung. «Einzelne Fachgeschäfte haben stagniert, während die Ketten mit ihren Filialen leicht gewachsen sind», so Rutishauser. In der Schweiz gibt es rund 400 Fachgeschäfte, 
die im Hörsystemakustikmarkt tätig sind.

Mit neuem Beruf 
die Jungen besser erreichen

Ein Kerngebiet des VHS ist die Aus- und Weiterbildung. So hat der Verband in den letzten 15 Jahren erfolgreich eine branchenspezifische Schule – die «akademie hören schweiz ahs» – aufgebaut. Sie ist heute Trägerin der überbetrieblichen Kurse üK und bietet Weiterbildungstage an. Dort werden überdies auf dem zweiten Bildungsweg in einem dreijährigen Lehrgang die Hörgeräteakustiker mit eidg. Fachausweis ausgebildet. Seit dem Sommer 2016 wird diese Ausbildung durch eine dreijährige berufliche Grundbildung Hörsystemakustiker EFZ abgelöst. «Wir haben in der beruflichen Grundbildung nur zwei Schulfächer respektive Handlungskompetenzbereiche im Fachunterricht: Einerseits ‹Ermitteln der Kundenbedürfnisse und Verkaufen von Hörsystemen›, und andererseits ‹Anpassen von Hörsystemen›», so Rutishauser. «Das 
haben wir mehr oder weniger gleich gewichtet, weil wir denken, dass es heute notwendig ist, den Kundenbedürfnissen ein stärkeres Gewicht beizumessen.»

2016 lassen sich in der Deutschschweiz 11 und in der Romandie 2 sowie 2017 17 respektive 6 Lernende zum Hörsystemakustiker ausbilden. «Wir könnten noch mehr Lernende benötigen. Es sind nämlich nicht 
alle verfügbaren Ausbildungsplätze besetzt. Der neue Beruf ist auch ausgezeichnete Werbung für unsere Branche. Wir können die jungen Leute damit bessere erreichen und auch an die Branche binden», so 
Rutishauser. Und er doppelt nach: «Aber man muss sich ranhalten, den Beruf weiter bekannt machen und sich frühzeitig um potenzielle Lehrlinge bemühen. Das muss man proaktiv angehen. Insbesondere in der französischen Schweiz sind wir noch sehr gefordert.»

«Die Digitalisierung katapultierte die Hörsysteme in eine andere Liga.»

Geplant ist, die bestehende 
Berufsprüfung BP zu einer neuen Höheren Fachprüfung HFP aufzuwerten. «Da wir bislang nur einen Fachausweis im höheren Berufsbildungsbereich hatten und jetzt Teil dieser Inhalte in die berufliche Grundbildung gerutscht sind, müssen wir die Berufsprüfung reformieren», sagt Rutishauser. Da das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) nur einen Ansprechpartner möchte, haben wir den Verein Bildung Hörsystemakustik VBHA gegründet», erklärt Rutishauser. Die neu geschaffene Organisation der Arbeitswelt (OdA) hat nur zwei Mitglieder, die beiden Verbände VHS und Akustika. Sie ist Träger der beruflichen Grundbildung und reformiert nun die Berufsprüfung.

Ein wichtiges Anliegen ist dem Verband die Qualitätssicherung. «Unsere Mitglieder verpflichten sich, mit Qualitätssicherungsrichtlinien diesbezüglich gewisse Standards einzuhalten. Dies wird auch in einem Label festgehalten», so Rutishauser. Eine Herausforderung für den VHS ist der technologische Wandel, der in der Branche herrscht. «Die Hersteller produzieren jedes halbe Jahr Neuheiten. Da gilt es, ständig up to date zu sein, um erfolgreich im Wettbewerb mitzu­mischen», betont Rutishauser. Die schnellen technologischen Veränderungen eröffnen neue Möglichkeiten, und die Digitalisierung katapultierte die Hörsysteme sowie den 
Zubehörmarkt in eine andere Liga. «Die Hörsysteme sind heute zu 100 Prozent digitalisiert. Sie sind auch viel kleiner und angenehmer zum Tragen und Handhaben. Sie unterscheiden beispielsweise die verschiedenen Lärmpegel, können via Bluetooth mit dem Smartphone oder dem TV gekoppelt werden – der technologische Fortschritt ist riesig und trägt wesentlich zur Kunden­zufriedenheit bei», sagt Rutishauser.Neue Geschäftsfelder seien auch durch Prävention und Sensibilisierung für ein geschütztes und gesundes Gehör entstanden.

Branche hat noch viel Potenzial

Gemäss Rutishauser sei die Branche im Aufwind und hätte noch viel Potenzial. «Mit dem technischen Fortschritt, der Entstigmatisierung der Hörgeräte und einem immer grösseren Bedürfnis, das hauptsächlich auf die Überalterung zurückzuführen ist, sind wir laufend am Wachsen.» Der geplante Zusammenschluss mit Akustika zu einem einzigen grossen Hörakustikverband wird in der Branche für noch mehr Flexibilität und Möglichkeiten sorgen. (vgl. Kasten).

Corinne Remund

www.verband-hoerakustik.ch

Eine Chance für die HörsystemakustikBranche