Publiziert am: Freitag, 6. Oktober 2017

Der Aufwärtstrend geht weiter

KMU-BAROMETER – Barometer der KMU in der Industrie steigend. Auch bei den Dienstleistern verbessert sich die wirtschaftliche Lage auf breiter Front. Bei den Grossunternehmen der Industrie fiel der Wert leicht.

Von April bis Juli kletterte das Barometer der kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) in der Industrie von 0,49 auf 0,65 Punkte. Bei den Grossunternehmen der Industrie fiel der Wert leicht von 0,51 auf 0,41 Punkte. Beide Barometer liegen damit über ihrem langjährigen Durchschnitt. Auch bei den Dienstleistern verbesserte sich die wirtschaftliche Lage auf breiter Front.

Postitivere Beurteilung

Der Anstieg des KMU-Barometers von April 2017 bis Juli 2017 von 0,49 auf 0,65 Punkte war vor allem dem Anstieg der Indikatoren im Vorjahresvergleich geschuldet, während sie sich im Vormonatsvergleich verschlechterten. Zum Wachstum trugen unter anderem die positive allgemeine Beurteilung der Geschäftslage sowie der gesamten und der ausländischen Auftragsbestände bei. Bei den Grossunternehmen drückten hauptsächlich die tieferen Bestellungseingänge zum Vormonat sowie das niedrigere Produktionsniveau auf den Barometer, der leicht von 0,51 auf 0,41 Punkte sank. Einen noch stärkeren Rückgang verhinderten die allgemeine Beurteilung der Geschäftslage sowie die optimistischeren Erwartungen der Produktion, welche beide seit April anstiegen.

Trotz leichtem Rückgang lag das Barometer der Grossunternehmen im Juli immer noch über dem langjährigen Schnitt. Diese verbesserten Aussichten der Industrieunternehmen decken sich auch mit den Einschätzungen der UBS-Ökonomen eines breiter abgestützten Wirtschaftswachstums von 1,4 Prozent in diesem Jahr.

Aufwärtstrend bei den 
Dienstleistern ungebrochen

Im Dienstleistungssektor hellte sich die Geschäftslage weiter auf. Die Grossunternehmen schnitten dabei leicht besser ab als die KMU, was vor allem auf die bessere Ertragslage in den letzten drei Monaten zurückgeführt werden kann. Aber auch bei den KMU verbesserte sich die Ertragslage in den letzten Monaten. Beide Unternehmensgrössen sind bei der zukünftigen Entwicklung der Verkaufspreise eher pessimistisch, wobei die Grossunternehmen die zukünftige Preisentwicklung deutlich trüber einschätzen als die KMU. Bei den Detaillisten entspannte sich die Situation zwar etwas, doch die Unternehmen stuften die Geschäftslage im Juli immer noch als unbefriedigend ein. Die jüngste Frankenabschwächung gegenüber dem Euro dürfte die wirtschaftliche Lage der Detailhändler verbessern. Allerdings blieben ihre Erträge im dritten Quartal rückläufig und beide Unternehmensgrössen gehen über die nächsten drei Monate von sinkenden Preisen aus. Diese Entwicklung dürfte auch die Ertragslage weiter belasten.

Grosse Divergenz 
bei Tourismusunternehmen

Die Lage der KMU im Tourismus verbesserte sich in den letzten drei Monaten merklich, sie hinkten aber der Entwicklung der Grossunternehmen immer noch hinterher. Zwar stuften die KMU ihre Geschäftslage weiterhin als schlecht ein und auch die Ertragslage verschlechterte sich weiter leicht. Doch seit einigen Monaten ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. Bei den Grossunternehmen, die ihre Geschäftslage bereits das zweite Mal in Folge als gut beurteilten, ist die wirtschaftliche Erholung schon deutlich weiter fortgeschritten. Der Umsatz und die Nachfrage erholten sich bei beiden Unternehmensgruppen weiter; allerdings schnitten die Grossunternehmen auch hier besser ab als die KMU.

KMU im Bau kämpfen 
weiterhin mit Kostendruck

Im Baugewerbe verschlechterte sich die Geschäftslage der KMU in den letzten Monaten wieder leicht, während sie sich bei den Grossunternehmen weiter verbesserte. Deren leicht optimistischere Sicht könnte auf die besseren Erträge und auch die befriedigende Auftragslage zurückzuführen sein. Zudem erwarten die Grossunternehmen, dass sich die Preise weiter erholen werden. Bei den KMU verschlechterte sich die Ertragslage, was sich auch nicht sehr bald ändern dürfte, rechnen diese doch in naher Zukunft mit fallenden Preisen. Zudem sank bei den KMU im dritten Quartal der Auftragsbestand.

Dienstleistungen: Preisentwicklung

Dienstleistungen: Geschäftslage

Dienstleistungen: Ertragslage

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Industrie: Auftragslage

Industrie: Preisentwicklung

Industrie: Ertragslage

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KOMMENTAR

Die Schweiz ist ein Land der KMU

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind im Wesentlichen die Schweizer Wirtschaft. Im Ernst: Über 99 Prozent aller Firmen haben weniger als 250 Mitarbeitende. Diese Unternehmen stellen zwei Drittel aller Arbeits- und zwei Drittel aller Berufsbildungsplätze zur Verfügung. Über 60 Prozent der Wertschöpfung gehen auf die KMU zurück. Ein Drittel dieser Unternehmen erzielt über 50 Prozent ihres Umsatzes in Auslandsmärkten.

Beeindruckend? Nicht wirklich. Diese Zahlen sind hinlänglich bekannt, und sie werden von der Politik gebetsmühlenartig wiederholt. Man muss tiefer gehen, um die wirkliche Bedeutung der KMU zu ergründen. Sie halten die Wirtschaft diversifiziert. Das ist sehr wichtig: Eine vielfältige Wirtschaft ist dank dem Wettbewerb innovativ und auch weniger krisenanfällig. Deshalb wirken KMU auch als Konjunkturpuffer.

Wie der UBS-Konjunkturbarometer einmal mehr zeigt, sind KMU zwar weniger optimistisch als Grossunternehmen, was die Ertragslage angeht, aber weniger pessimistisch in Hinsicht auf Arbeitsstellen. Sie sind bereit, Beschäftigung zu halten, auch wenn der Preis dafür die eigenen Erträge sind.

Wird das politisch honoriert? Nein. Statt die KMU in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, werden Gesetze und Regulierungen gemacht, welche einseitig die Grossen bevorteilen. Beispiele: Die neue Aktienrechtsreform; die Strommarktliberalisierung; die Befreiung der Subventionszahlungen im Strombereich; Zusatzverpflichtungen im Finanzmarkt … Die Liste hört nicht auf.

Die Schweiz ist ein Land der KMU – doch die Schweizer Politik ist nicht eine für KMU. Und das ist ein Problem.

Henrique Schneider, 
Stv. Direktor sgv