Publiziert am: Freitag, 24. November 2017

«Der Fahrplan wird jetzt sehr eng»

RAPHAEL BÄTTIG – Der Projektleiter ISO 20022 beim Business-Software-Anbieter Sage rät Unternehmen, sich rasch um die bevorstehende Umstellung im Zahlungsverkehr zu kümmern.

Die grösste Umstellung im Schweizer Zahlungsverkehr steht kurz bevor: Banken und PostFinance vereinheitlichen ihre Zahlungssysteme und nutzen neu den ISO-20022-Standard (vgl. Haupttext). Doch was ist konkret zu tun? Raphael Bättig, Projektleiter ISO 20022 bei Sage, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Schweizerische Gewerbezeitung: Wieso stellt die Schweiz überhaupt auf ISO 20022 um?

Raphael Bättig: Die Schaffung zusätzlicher Transparenz und damit einhergehend die Bekämpfung der Geldwäscherei sowie der Terrorismusfinanzierung sind sicher einige der Hauptgründe. Zudem muss unser Schweizer Zahlungsverkehrssystem stetig steigenden nationalen und internationalen Anforderungen genügen. Die Vereinheitlichung zahlreicher Formate sowie die Zusammenführung der bisher getrennten Systeme der PostFinance und der SIX schaffen, verglichen mit den bestehenden Systemen, diesbezüglich vielerlei Vorteile.

Welche Anpassungen müssen Unternehmen konkret vornehmen?

 Sowohl das Verfahren für Überweisungen als auch die Formate und Systeme für Lastschriften werden vereinheitlicht. Aus dem heutigen DTA-System der Banken sowie dem EZAG-System von PostFinance entsteht das einheitliche Format «pain.001». Die Systeme und Formate für Lastschriften werden in das neue Format «pain.008» überführt. PostFinance stellt auch hier per Ende 2017 auf «pain.008» um. Es gibt in der Schweiz ein weiteres Projekt names LEON (Lastschriften/E-Rechnung/Online/ Neu) in der Pipeline, welches sich nach der Implementierung der neuen ISO 20022 der gesamten Harmonisierung der Lastschriften und der E-Rechnung annehmen wird. Die Buchhaltungssoftware muss entsprechend mit diesen neuen Formaten umgehen können. Aber auch die Kontoauszüge in der Avisierung und im Reporting verändern sich. Zudem wird mit ISO 20022 die IBAN-Nummer zwingend. Die Stammdaten müssen entsprechend angepasst werden. Schliesslich gibt es auch Umstellungen, die jeden Schweizer betreffen: Die sieben verschiedenen Einzahlungsscheine für Schweizer Franken und Euro, welche heute im Einsatz stehen, werden durch einen einheitlichen Zahlteil mit QR-Rechnung abgelöst.

Was sind die Vorteile der Um­stellung und der neuen Formate?

 Dank des neuen QR-Codes werden Überweisungen mit jedem Smartphone oder anderem Lesegerät möglich. Nicht nur damit kann Zeit gespart werden, auch die vereinheitlichten wirtschaftlichen Prozesse, beispielsweise ein vereinfachtes Cashmanagement, die verbesserte Datenqualität oder diverse Auto­matisierungsmöglichkeiten, bringen grosse Vorteile mit sich. Nicht zuletzt können so auch Betriebskosten 
gespart werden.

Wie kommen Unternehmer an die relevanten Informationen?

 Die KMU werden sowohl von Softwareherstellern wie Sage als auch von den Finanzinstituten informiert. Als Sage informieren wir die relevanten Entscheidungsträger umfassend via Newsletter, Website mit ISO-Check oder eigenen ISO-20022-Seminaren. Zudem gibt es mit www.­paymentstandards.ch ein offizielles Kommunikationsorgan der SIX.

Wer hilft den Unternehmen bei der Umstellung?

 Als Softwarehersteller bieten wir den Kunden gezielte Supportleistungen, vertiefte Informationen in Form von Leitfäden und Checklisten an. Bei komplexeren Fällen übernehmen wir die Projektleitung oder zumindest die Projektberatung. Die Banken wiederum richten spezielle Supporthotlines und Kundenberatungsabteilungen ein.

Was kostet die Umstellung ein Unternehmen?

 Für viele Vertragskunden von Sage sind die Neuerungen und die dafür benötigten Updates bereits Teil ihres Servicevertrages. Dem KMU entstehen somit keine Zusatzkosten. Bei grösseren Firmen, bei denen eine Softwareaktualisierung sowie ein Update anderer IT-Systeme notwendig werden, fallen entsprechende Projektkosten an.

Was passiert, wenn man nicht rechtzeitig umstellt?

 Falls die Software bis zur Umstellung der Finanzinstitute noch nicht auf die neuen Formate umgestellt wurde, werden Zahlungen von der Bankenseite schlicht nicht mehr akzeptiert. Löhne und Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden. Der Fahrplan ist daher eng, insbesondere für Unternehmen, die etwas komplexere Softwaresysteme im Einsatz haben.

Interview: zvg