Publiziert am: Freitag, 18. September 2015

Der freiwillige, gute Weg

Lohngleichheit – Lohnunterschiede nehmen ab, dies zeigen aktuelle Studien. Die Analyse der Lohnpraxis bringt Unternehmen dabei aber noch einen Zusatznutzen.

Alle zwei Jahre wieder publiziert das Bundesamt für Statistik die Ergebnisse zur Lohngleichheit von Frau und Mann. Sie basieren auf der Lohnstrukturerhebung 2012, welche Daten von nahezu 35 000 Schweizer Unternehmen und mit rund 1,7 Millionen Arbeitnehmenden beinhaltet. Die Lohnunterschiede haben gemäss der Statistik zwischen den Geschlechtern weiter abgenommen: Frauen verdienen im privaten Sektor durchschnittlich 21,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (im Vergleich dazu betrug dieser Wert im Jahre 2010 23,6 Prozent und im Jahre 2008 25 Prozent). Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern variieren nach Wirtschaftszweigen immer noch stark: Im Gastgewerbe beispielsweise betrug die Differenz 11 Prozent, im Kredit- und Versicherungsgewerbe dagegen 34 Prozent.

678 Franken weniger pro Monat

Ein Teil des Lohnunterschiedes ist auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die gleichzeitig mit persönlichen Merkmalen (Alter, Ausbildung, Dienstjahre), mit der Arbeitsstelle und mit dem Tätigkeitsbereich zusammenhängen. Der übrige Anteil der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern bleibt unerklärt und macht im Jahr 2012 40,9 Prozent des gesamten Lohnunterschiedes aus. Er hat sich in den letzten Jahren nur wenig verändert. Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren verdienten Frauen im Jahr 2012 – gemäss Bundesamt für Statistik – monatlich durchschnittlich 678 Franken weniger als ihre männlichen Kollegen.

Im März 2009 haben die Sozialpartner – mit Beteiligung des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv – sowie drei Bundesämter den sogenannten Lohngleichheitsdialog aufgenommen, um gemeinsam die Umsetzung der Lohngleichheit zu beschleunigen. Anfangs 2014 wurde das Pilotprojekt Lohngleichheitsdialog in das «Engagement Lohngleichheit» überführt. Damit können Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden die Lohngleichheit von Frau und Mann in ihrem Betrieb freiwillig und sozialpartnerschaftlich untersuchen. Bis heute haben sich 50 Unternehmen und Verwaltungen mit mehr als 220 000 Arbeitnehmenden diesem freiwilligen und sozialpartnerschaftlichen Weg angeschlossen.

Unterschiede innerhalb von vier Jahren beseitigen

Sozialpartnerschaftlich heisst dabei: Die Geschäftsleitung vereinbart mit einer externen Arbeitnehmerorganisation oder einer internen Arbeitnehmervertretung das Vorgehen zur Überprüfung der Lohngleichheit. Die anschliessende Lohnanalyse basiert auf einer Regressionsanalyse und kann beispielsweise mit dem kostenlosen Excel-Instrument Logib durchgeführt werden. Die Resultate werden einer paritätisch zusammengesetzten internen Begleitgruppe präsentiert. Allfällige diskriminierende Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern werden mit einem geeigneten Massnahmenplan innerhalb von höchstens vier Jahren beseitigt.

Lohngleichheit von Frau und Mann ist für Schweizer Unternehmen eine Selbstverständlichkeit – das Engagement Lohngleichheit bringt einigen Zusatznutzen: Mit einer Teilnahme bezeugen die Unternehmer die Bedeutung der Lohngleichheit in ihrem Betrieb, sie schaffen Vertrauen und Transparenz, ihr Image als attraktive Arbeitgeber wird weiter gefestigt. Unternehmen sind mit einer Teilnahme am Engagement Lohngleichheit auch bestens für allfällige staatliche Massnahmen und die bereits laufenden Kontrollen im Beschaffungswesen vorbereitet. Die Fachstelle Engagement Lohngleichheit steht für Fragen zur Verfügung und bietet eine kostenlose Erstberatung an.

Martin Urech,

Fachstelle

Engagement Lohngleichheit