Publiziert am: 18.09.2020

Der Traum von mehr Diversität

DIGITALISIERUNG – Analog zu einer Währung, deren Wert auf der Akzeptanz von uns allen beruht, ist die zunehmende Bedeutung der Techgiganten auf die immer grössere Toleranz der Nutzerinnen und Nutzer zurückzuführen. Dies könnte – sollte? – sich ändern.

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Manche sprechen von einer Herausforderung, die es zu meistern gilt. Das ist meiner Meinung nach falsch, denn die eigentliche Herausforderung der Zukunft wird darin bestehen, ohne sie auskommen zu wollen! Einmal mehr zeigt nämlich der technologische Fortschritt, wie gut wir bei unseren analogen, eingespielten und sicheren Abläufen bleiben können.

Ist dies tatsächlich so? Nein, natürlich nicht, im Gegenteil. Denn die Digitalisierung birgt eindeutig die Chance, genau diese eingespielten Abläufe zu beschleunigen und sie weniger zeitaufwendig zu gestalten. Sie öffnet uns die Tür zu mehr Wettbewerbsfähigkeit – und vor allem zu weniger Zeitverschwendung durch unnötigen Papierkram. Der Weg in eine Beschleunigungsphase ist also gegeben, mit den unweigerlich damit einhergehenden Gefahren, die es zu vermeiden gilt.

Wo stehen die KMU?

Doch wie sieht die Situation aktuell aus? Oft – nur allzu oft übrigens – beschränkt sich die Rede auf Netflix, Airbnb, Tesla und Uber, kurz die NATU-Konzerne ,und vor allem die fünf Technologiegiganten GAFAM (Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft), die sich den digitalen Markt aufteilen.

Wo aber stehen die KMU im Prozess der digitalen Transformation? Wie gehen sie mit diesen dominierenden Techgiganten um? Wie sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler und Henrique Schneider, der stellvertretende Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, in ihrem Buch «Der Wert der KMU» festhalten, bedeuten mehr KMU mehr Vielfalt, was zu mehr Wertschöpfung führt, aber auch zu mehr Arbeitsteilung und damit zu mehr Prozessen und Schnittstellen. Nun, die Digitalisierung ist ein Instrument zur Vereinfachung von Prozessen und Schnittstellen. Sie sollte daher den so unterschiedlichen KMU den Zugang zum digitalen Markt erleichtern – theoretisch.

Maximale Vernetzung

Im Moment liegt das Problem der digitalen Welt darin, dass sie von wenigen monopolistischen Firmen, den genannten fünf Techriesen GAFAM eben, dominiert wird. Die Effizienz dieser Digitalkolosse basiert auf einer maximalen Vernetzung und damit auf einer maximalen Anzahl von Nutzern.

«DIE DIGITALISIERUNG BIRGT DIE CHANCE, SCHNELLER UND WETTBEWERBSFÄHIGER ZU WERDEN.»

Je mehr Personen einen Dienst nutzen, umso mehr setzt er sich auch bei den anderen durch. Ich wähle nicht den Social-Media-Dienst, der meinen Bedürfnissen am besten entspricht, sondern jenen, der am weitesten verbreitet ist – und das heisst jenen, der von den meisten genutzt wird. Mit dem Geld ist es genau das Gleiche. Unser Geld an sich hat keinen Wert. Der Wert des Geldes fusst darauf, dass alle seinen Tauschwert anerkannt haben und sich dieser gesetzlich durchgesetzt hat. Die GAFAM-Konzerne funktionieren nach demselben Prinzip: Ihr Wert entsteht dadurch, dass eine grosse Mehrheit sie nutzt. Auch wenn ebenfalls klar ist, dass Marktriesen von den Waren und Dienstleistungen der KMU abhängig sind.

Mehr Vielfalt – mehr Wohlstand

Der nächste Schritt sollte darin bestehen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Vorherrschaft dieser Giganten verhindern und die gegenseitige Kompatibilität der digitalen Schnittstellen fördern.

Obwohl die digitale Transformation derzeit – aufgrund der technologisch bedingten Konzentration der Prozesse – Monopole zu begünstigen scheint, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese digitale Technologie auch in der Lage sein wird, der zunehmenden Komplexität der Prozesse Rechnung zu tragen. Die Monopole werden dannzumal durch die digitalen Möglichkeiten herausgefordert. Diese wiederum werden zunehmend die Einbindung anderer, von KMU entwickelten Dienstleistungen ermöglichen. Mit mehr Vielfalt wird es mehr Wohlstand zu teilen geben.

Mikael Huber, sgv-Ressortleiter Digitalisierung

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