Publiziert am: 27.05.2016

Der Verfalltag rückt immer näher

VERLUSTSCHEINE – In Kürze stehen tiefgreifende Veränderungen im Bereich von Verlustscheinen an. Erstmals verjähren am Stichtag 1. Januar 2017 sämtliche über 20 Jahre alten Verlustscheine.

Pünktlich zum Jahreswechsel verlieren in der Schweiz am 1. Januar 2017 sämtliche Verlustscheine, die vor 1997 ausgestellt wurden, ihren Wert. Dahinter steckt die Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts (SchKG), welche 1997 in Kraft trat. Damals wurde eine Verjährung von Verlustscheinen 20 Jahre nach Ausstellung beschlossen. Nach Ablauf dieser Frist verlieren Verlustscheine ihre gerichtliche Durchsetzbarkeit und sind deshalb wertlos. Selbst wenn der Schuldner zu neuem Geld gekommen ist, hat der Gläubiger keinerlei rechtliche Handhabe mehr, seine Forderung einzufordern.

Handlungsbedarf besteht – jetzt

Bisherige Erfahrungen zeigen dringenden Handlungsbedarf, besonders bei KMU, aber auch auf Konzern­ebene. Längst abgeschriebene und ausgebuchte Werte tauchen zwar in keiner Buchhaltung mehr auf, bergen aber dennoch ein nicht unerhebliches finanzielles Potenzial.

Häufig besteht die Meinung, die Bewirtschaftung von Verlustscheinen sei völlig aussichtslos. Doch dies ist nur ein Teil der Wahrheit. Bei Verlustscheinen von natürlichen Personen (Pfändungs-, Konkursverlustschein) sowie Pfandausfallscheinen besteht Handlungsbedarf. Konkursverlustscheine von juristischen Personen sind in der Tat wertlos, da das Subjekt nach Konkursschluss untergegangen ist.

Bewirtschaftung 
als Herausforderung

Am Anfang der Verlustschein-Bewirtschaftung steht immer die zweifelsfreie Identifikation. Bereits hier besteht aber in der Praxis eine der grössten Herausforderungen. Wohnsitzwechsel, Heirat oder Scheidungen verkomplizieren die Schuldneridentifikation zusätzlich. Hinzu kommt die Frage nach der aktuellen Bonität des Schuldners. Ohne entsprechende Informationen scheitert das Unterfangen oftmals bereits in dieser ­Phase.

Mehraufwand durch 
Auslagerung vermeiden

Im Zusammenhang mit Verlustscheinen sollen weitere Aufwände vermieden werden. Daher empfiehlt es sich, eine Auslagerung der gesamten Bewirtschaftung an einen Dienstleister zu prüfen. Gläubigerschutzverbände wie Creditreform bieten hier Unterstützung und verfügen dank einer Bonitätsdatenbank auch über entsprechende Entscheidungshilfen.

Grundsätzlich wird durch Zahlung, Schuldanerkennung oder Betreibung die Verjährung unterbrochen. Für den Schuldner stellt sich die Frage, ob er nicht freiwillig der Verjährungsunterbrechung zustimmt. Damit kann er eine erneute Betreibung verhindern, die zu einem weiteren Betreibungsregistereintrag führt. Denn dies ist in den allermeisten Fällen das letzte dem Gläubiger noch verbleibende Mittel, um sich zukünftige Handlungsoptionen nicht zu verbauen.

Amtsgeheimnis und Datenschutz

Der Datenschutz sowie das Amtsgeheimnis bleiben bei der Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister gewahrt. Viele Unternehmen und die öffentliche Hand übertragen daher seit Jahren die Verlustscheinbewirtschaftung an Spezialisten. Sorgen diesbezüglich sind daher unbegründet.

«Bei erfolg gibts geld – bei misserfolg fallen keine kosten an.»

Im Hinblick auf den baldigen Jahreswechsel tun Unternehmen gut daran, umgehend zu handeln und ihre Verlustscheine zusammenzutragen. Nach der Übergabe an den Outsourcingpartner folgen als erstes das Scanning der Dokumente und somit eine saubere Erfassung sowie die Dossiereröffnung. Der Gläubiger erhält eine Übersicht über sämtliche Fälle. Periodische Reportings zeigen ihm jederzeit den aktuellen Stand der Bearbeitung und die realisierten Erfolge.

Dank externer Unterstützung lassen sich unnötig Aufwände vermeiden und zusätzlicher Ertrag ohne Aufwand generieren. Im Erfolgsfall wird dem Gläubiger ein ausserordentlicher Ertrag gutgeschrieben. Bei Misserfolg fallen für den Auftraggeber keine weiteren Kosten an.

Raoul Egeli,
Präsident Schweizerischer
Verband Creditreform