Publiziert am: Freitag, 19. Januar 2018

Der Wert der KMU

Die Meinung

 

Die KMU sind das Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft. Doch wie kann dieser Wert in politische Erfolge beim Kampf gegen unnötige Regulierungen umgemünzt werden? Wie schöpfen KMU Wert in ihren strategischen und operativen Geschäftsfeldern? Und wie kann der Wert der Berufsbildung erhalten bleiben?

Diesen Fragen ging letzte Woche die Gewerbliche Winterkonferenz des sgv in Klosters nach (vgl. S. 7–9). Eines vorneweg: Die traditionelle Plattform – nächstes Jahr mit dem 70-Jahre-
Jubiläum – wurde von den 200 Teilnehmenden intensiv zum gegenseitigen Gedankenaustausch genutzt. Die Stimmung war herzlich, kollegial und aufgeräumt. Kurz: Wenn es diese Networking-Plattform nicht geben würde, man müsste sie erfinden.

«95 Prozent der Kosten als Folge von Gesetzgebung trägt die Wirtschaft»: Diese überraschende Aussage machte gleich zu Beginn von «Klosters 2018» Johannes Ludewig, der Vorsitzende des nationalen Normenkontrollrats (NKR) in Deutschland. Und weiter wies er nach, dass dank der Arbeit des NKR Regulierungskosten in dreistelliger Millionenhöhe reduziert werden konnten.

In der Schweiz ist der Bundesrat daran, ein ähnliches Gremium einzuführen. «Bürokratieabbau durch neue Bürokratie», spötteln die Kritiker hier gerne. Das ist auf den ersten Blick nicht einmal falsch. Auf den zweiten Blick aber ist es nicht durchdacht. Denn was initial an Investitionen anfällt, wird in der Folge um ein Zig­faches kompensiert. Allerdings: Die Unabhängigkeit dieser Regulierungskosten-Messstelle muss sichergestellt werden, indem sie ausserhalb der Verwaltung und mit direktem Reporting an den Bundesrat angesiedelt wird.

Für die Wertschöpfung ebenso von Bedeutung ist die Steuerbelastung. Die Steuervorlage17 harrt in diesem Jahr der Klärung. Unbestritten ist, dass eine Lösung gefunden werden muss, um im internationalen Standortwettbewerb erfolgreich bestehen zu können. Problematisch ist hingegen, wenn die Lasten der Finanzierung weitgehend von den KMU getragen werden sollen. Genau dies wäre der Fall, wenn die Teilbesteuerung von Dividenden und die Familienzulagen erhöht werden. Hier kommt in den nächsten Monaten ein gerüttelt Mass an Überzeugungsarbeit auf den sgv zu.

Tangiert wird die Wertschöpfung ebenso von den Kosten der Sozialwerke. Nachdem die Altersreform 2020 letzten November an der Urne gescheitert ist, ist die rasche Ausarbeitung von zwei schlanken, voneinander abgetrennten Vorlagen zentral. Auf mittlere Frist muss das finanzielle Gleichgewicht der AHV und der beruflichen Vorsorge sichergestellt werden. Der Bundesrat wird bereits in den nächsten Wochen seine Vorstellungen präsentieren.

Digitalisierung, Globalisierung, Mobilität oder Migration wandeln die Gesellschaft und die Arbeitswelt. Das stellt die Berufsbildung – eines der Kerngeschäfte des sgv – vor Herausforderungen. Auf den Punkt gebracht: Die Organisationen der Arbeitswelt müssen als Verbundpartner in der Berufsbildung gestärkt werden. Akademische Angebote dürfen nicht bevorzugt werden, und die Wirtschaft muss bei der Weiterentwicklung der Berufe mehr Freiheiten und Entscheidkompetenzen erhalten.

Zurück nach Klosters. Christian Hertig, Inhaber der traditionsreichen und höchst erfolgreichen Zürcher Altstadtbäckerei, brachte es auf den Punkt: «Wir sollten weniger zögen, von unseren Ideen überzeugt sein und sie schnell umsetzen. Es ist entscheidend, beharrlich seinen Weg zu gehen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.» Dem gibt es nichts mehr anzufügen.