Publiziert am: Freitag, 23. Mai 2014

Der Wettbewerb wird immer härter

VERBAND SCHWEIZER GOLDSCHMIEDE- UND UHRENFACHGESCHÄFTE – Die Hauptaufgabe des rund 100-jährigen VSGU ist die 
­Aus- und Weiterbildung in drei Berufen. Das Markendiktat in der Uhrenbranche ist eine grosse Herausforderung für den Verband.

Im Zentrum der Verbandsarbeit steht die Aus- und Weiterbildung der Berufe in der Uhren- und Bijouteriebranche. Bei den Uhrenmachern absolvieren jährlich zehn junge Berufsleute die vierjährige Lehre bei Verbandsmitgliedern. Die duale Ausbildung gestaltet sich durch die theoretischen Lehrgänge in der Uhrenmacherschule Grenchen sowie den praktischen Bereich. «Der grosse Teil der Lernenden wird in Berufsschulen und in der Uhrenindustrie ausgebildet und nur wenige in Uhrenfachgeschäften», erklärt Marc-Alain Christen, Geschäftsführer des VSGU, und bedauert: «Die Nachfrage wäre gross, doch haben wir leider zu wenig Ausbildungsplätze in Uhrenfachgeschäften.» Ähnlich verhält es sich bei den Goldschmieden. 260 Lernende absolvieren gesamtschweizerisch auf vier Jahre diese kunsthandwerkliche Ausbildung. Während in der Deutschschweiz in Ateliers und regionalen ÜK in Bern, Zürich, Luzern und 
St. Gallen ausgebildet wird, geschieht dies in der Westschweiz hauptsächlich in Ausbildungsstätten. Der dritte Beruf im Bunde ist der Detailhandelsangestellte Fachrichtung Uhren/Schmuck. Hier werden die ÜK gesamtschweizerisch in Lyss durchgeführt, mit über 110 Lernenden pro Ausbildungsjahr. Ein wichtiger Bereich, der unter dem Kapitel Ausbildung läuft, ist auch das Organisieren und Durchführen der Meisterprüfungen ca. alle sechs Jahre für Uhrenmacher und Goldschmiede sowie die Unterstützung der Goldschmiede für die Schweizer Meisterschaften.

«Die Nachfrage wäre gross, doch haben wir zu wenig ­Ausbildungsplätze.»

Nach wie vor sind Uhren ein Luxusprodukt, das im Trend ist. «90 Prozent aller in der Schweiz produzierten Uhren gehen in den Export und 80 Prozent der Uhren im Hochpreissegment gehen via Touristen ins Ausland», so Christen, der noch Präsident der Union de la Bijouterie et de l`Orfèvrerie Suisse UBOS ist. Die Landschaft der Uhrenfachgeschäfte setzt sich aus vielen kleineren Betrieben und KMU sowie grösseren Geschäften mit Filialen zusammen. «Gut ausgebildetes Fachpersonal ist die Grundlage des Uhren- und Schmuck-Fachgeschäftes», betont Christen. Der Markt wird von den drei grossen Gruppen der Uhrenhersteller gesteuert. Dementsprechend bläst in der Branche ein harter Wind: «Die Uhrendetaillisten haben mit immer schwierigeren Wettbewerbsbedingungen zu kämpfen. Der Rabattdruck steigt und der Detailhandel leidet unter Vorschriften, Margenkürzungen, Distributionsreduktion sowie höheren Volumina der Uhrenmarken», betont Christen.

«Markenvorschriften sind eine grosse 
Herausforderung.»

Besonders werde ein Stadt-Land-Gefälle deutlich. Ein Stadt- und Tourismusgeschäft setzt im Schnitt etwas mehr als doppelt so viel um, wie ein Anbieter im ländlichen Einzugsgebiet. Reine Markenboutiquen verstärkten dieses Markendiktat noch, das dazu führe, dass es auf dem Lande immer weniger Uhrenfachgeschäfte gäbe. «Diese Markenvorschriften sind eine echte Herausforderung für viele eigenständige Juweliergeschäfte», gibt Christen zu bedenken.

Die Branche der Goldschmiede setzt sich aus Mikrobetrieben und Ateliers mit wenigen Angestellten zusammen. Sie positionieren sich dank ihren Eigenkreationen, Unikaten und Schmuckstücken höchster Qualität erfolgreich im Nischenmarkt. «Goldschmiede und Juweliere sind weniger marktabhängig», sagt Christen. Für die Zukunft hat sich der Fürsprecher, der schon über 30 Jahre die Schmuck- und Uhrenbrache vertritt, zum Ziel gesetzt, mit einer fundierten Grundausbildung weiterhin mit kompetenten Fachleuten hochstehende Qualität in der Branche zu garantieren. Corinne Remund

 

DER VSGU KURZ ERKLÄRT

Aus- und Weiterbildung als Kerngeschäft

Der Verband Schweizerische Goldschmiede- und Uhrenfachgeschäfte ist aus dem 1892 in Zürich gegründeten Zentralverband Schweizerische Uhrenmacher herausentstanden. Er zählt rund 350 Mitglieder aus den drei Fachgruppen Uhrenfachgeschäfte, Goldschmiede und Verkauf. Das Kerngeschäft der Verbandsarbeit ist die Aus- und Weiterbildung der verschiedenen Berufe in der Uhren- und Bijoutierbranche wie Uhrenmacher, Gold- und Silberschmiede sowie Detailhandelsfachleute Fachrichtung Uhren/Schmuck. Weitere Dienstleistungen sind ein Rechtdienst, brancheninterne Informationen sowie Lobbyarbeit, die hauptsächlich über die Dachorganisation Vereinigung Schweizerischer Juwelen- und Edelmetallbranchen UBOS erfolgt. Mit dem Ethik-Codex hat der VSGU ein sogenanntes Qualitätslabel geschaffen. Darin werden die Qualitätsprodukte bezüglich Verarbeitung und Herkunft deklariert. Rund 300 Angehörige der Uhren- und Schmuckbranche in der Schweiz haben den Ethik-Codex unterschrieben. CR