Publiziert am: Freitag, 21. November 2014

«Der Wille zum Zusammenhalt zählt»

RÜCKBLICK – proparis-Geschäftsführer Erhard D. Burri geht Ende November in ­Pension.

Schweizerische Gewerbezeitung: Zehn Jahre lang waren Sie Geschäftsführer der grössten verbandlichen Vorsorgestiftung in der 2. Säule mit einer aktuellen Bilanzsumme von gegen sechs Milliarden Franken. In wenigen Tagen gehen Sie in Pension: Sind Sie darauf vorbereitet?

Erhard Burri: Ja, das bin ich. Schliesslich wird man nicht urplötzlich 65. Deshalb habe ich meine Ablösung mit meinem Präsidenten und dem Stiftungsrat schon vor über einem Jahr in die Wege geleitet. Und nun habe ich sehr konkrete Pläne für die Zeit danach.

«KURZFRISTIGE ERFOLGE WAREN NIE UNSER ZIEL.»

...als da sind?

Ich werde halbtags in meinem zu diesem Zweck gegründeten Beratungsunternehmen tätig sein, vorwiegend auf der strategischen Ebene. Dennoch war Ihre Frage nach der Vorbereitung berechtigt. Denn auf der emotionalen Seite ist die Pensionierung als Geschäftsführer der proparis natürlich nicht einfach mit neuen Einträgen im Terminkalender abgetan.

Und was unternehmen Sie in den anderen 50 Prozent?

Ich werde viel mehr Zeit haben für meine Familie. Und ich werde meine alten Hobbys pflegen, etwa die Musik oder die Modellfliegerei. Und ­natürlich meinen US-Traumwagen, einen 87er Pontiac...

Welches waren die Ereignisse und Meilensteine, die Ihre zehnjährige Amtszeit bei der proparis geprägt haben?

In den Jahren 2004 und 2005 waren es zwei Dinge: Erstens hat die erste Revision des BVG die formelle Struktur der proparis ganz schön durchgeschüttelt. Auf einen Schlag musste der Stiftungsrat die Stiftungsversammlung als oberstes Organ ablösen – nota bene staatlich dekretiert. Der Umbau ist jedoch sehr erfolgreich verlaufen. Primär darum, weil die wirklich zentralen Kompetenzen der angeschlossenen Vorsorgewerke erhalten werden konnten.

«DAS GESAMTWOHL KOMMT immer VOR
DEN EINZELINTERESSEN.»

Zweitens wurde ein strategisch entscheidendes Informatikprojekt gestartet: Die Entwicklung einer eigenen Softwarelösung mit der Bezeichnung AKIS-Net/BV. Die angeschlossenen Pensionskassen und die Geschäftsstelle der proparis spielten zusammen mit der Produzentin Mathys & Scheitlin AG die tragenden Rollen.

Weitere Meilensteine waren der Abschluss von vier Generationen der Grund- und Verbandsversicherungsverträge mit unseren Partnern der Privatversicherung.

Was macht den seit 1957 ununterbrochenen Erfolg der proparis aus?

Entscheidend ist wohl die langfristige Ausrichtung nach nachhaltigen Kriterien. Die Verantwortlichen haben – auch wenn die Versuchung auf vermeintlich schnelle Gewinne immer wieder gelockt hat – bewusst auf Massnahmen verzichtet, die einen kurzfristigen Erfolg vorgaukeln sollten.

Anders gefragt: Was könnte künftig den Erfolg der proparis gefährden?

Überheblichkeit und Übermut wären in unserem Geschäft schlechte Ratgeber. Die proparis wird so lang erfolgreich weiterbestehen, als der Wille der Partner die Gemeinschaft zusammenhält. «Gemeinschaft» bedeutet in diesem Zusammenhang, dass manchmal Einzelinteressen gegenüber dem Gesamtwohl zurückstehen müssen. Darum waren und sind nicht immer alle glücklich – aber unter dem Strich waren wir gemeinsam erfolgreich.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Ich hüte mich, an dieser Stelle Ratschläge zu erteilen. Schon die Zusammensetzung des Wortes – Rat-Schlag! – hält mich davon ab. Zudem ist mein Nachfolger Michael Krähenbühl ein Profi, der eigene Ideen entwickeln wird und soll. Das ist doch genau die Chance eines Generationenwechsels. Wissen und Informationen über die proparis werden wir sicher austauschen. Aber Erfahrung hat nur Wert für den, der sie gemacht hat.

Sind Sie da nicht etwas zu bescheiden?

Das glaube ich nicht. Es gibt schon genügend Unternehmensleiter oder sogenannte Manager und CEOs, die sich als Zentrum der Welt verstehen und dabei kaum wissen, wie ihr eigenes kleines Biotop wirklich funktioniert.

Interview: Gerhard Enggist

Lesen Sie dazu auch