Publiziert am: 21.10.2016

Der zweitgrösste Handelspartner

SCHWEIZ–USA – Gerademal 24 Prozent der Schweizer KMU halten das Zustandekommen des Transatlantischen Freihandels­-
abkommens TTIP zwischen der EU und den USA für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich.

Der US-Markt ist schwierig. Der Markteintritt ist teuer, die Regulierungskosten sind hoch und die Anstrengungen, die man unternehmen muss, um im US-Markt erfolgreich zu sein, sind gross. Und trotzdem sind die USA der zweitgrösste Handelspartner der Schweiz. Auch für KMU sind sie ein wichtiger und interessanter Markt.

Positive Aussichten

Unabhängig vom Ausgang der anstehenden US-Präsidentschaftswahlen: Gemäss Umfragen der Credit Suisse erwarten Schweizer KMU, die in den Staaten tätig sind, eine positive Entwicklung. Auch die Ökonomen gehen von einer robusten Konjunkturentwicklung in den USA aus. Das Wachstum für 2016 dürfte bei 1,5 Prozent liegen und für 2017 auf über 2 Prozent zulegen, wobei insbesondere die Konsumausgaben als Treiber wirken.

Bettina Rutschi, Senior Economist bei der Credit Suisse, sagt dazu: «Die erwartete Beschäftigungszunahme und das Lohnwachstum steigern den Konsum und treiben damit die ganze US-Wirtschaft an. Ausserdem könnte das positive Momentum im Arbeitsmarkt zu höheren Wohnbauinvestitionen und einer Verstärkung der Bauaktivität führen. Die Unternehmens­investitionen dürften demgegenüber relativ verhalten bleiben. Dies ist teilweise dem Anpassungsprozess in den Sektoren Energie und Bergbau zuzuschreiben, aber auch der generell hohen Unsicherheit und dem nach wie vor starken US-Dollar. Letzterer wirkt allerdings weiterhin vorteilhaft für Schweizer Exporteure.»

Nicht zu unterschätzen

Auch Alberto Silini, Leiter Beratung bei Switzerland Global Enterprise 
(S-GE), bestätigt dieses Bild: «Die USA mit ihrem grossen Binnenmarkt, solidem Wachstum und ihrer harten Währung werden weiter ein wichtiges Standbein für die Schweizer Exporteure bleiben. Trotz sprachlicher und kultureller Nähe dürfen sie sich jedoch nicht dazu verleiten lassen, den Markt zu unterschätzen. Das regulatorische Umfeld ist komplex und der Wettbewerb intensiv, wie unsere Umfrage zeigt. Ein Markteintritt will also gründlich vorbereitet werden. KMU tun zudem gut daran, ihr Netzwerk gezielt aufzubauen – das ist der erste Schritt zum Erfolg im Markt.»

Konkrete Probleme

Doch die USA sind nicht ohne Probleme. Auf die Frage, welche Probleme sich beim Export in die USA stellen, nennen 40 Prozent der KMU administrative und rechtliche Hürden, 
32 Prozent ihr mangelndes Netzwerk vor Ort und 29 Prozent die mangelnde preisliche Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte. Um diese Hürden zu überwinden, setzt jedes zweite der Unternehmen auf den gezielten Aufbau eines Netzwerks, 20 Prozent auf Anpassungen der Preise und 19 Prozent auf Anpassungen der Produkte.

Was die Erfolgschancen des Transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) zwischen der EU und den USA betrifft, sind die Schweizer KMU 
gespalten: 24 Prozent halten das Zustandekommen des TTIP für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, 33 Prozent für unwahrscheinlich oder sehr unwahrscheinlich. 43 Prozent sind unentschieden oder gaben keine Antwort.

Und die Präsidentschaftswahl?

Im Zentrum der aktuellen Kontro­versen steht die Präsidentschaftswahl. Der republikanische Kandidat, selbst ein Ex-Demokrat, Trump verspricht ein protektionistisches Programm. Die Demokraten-Kandidatin, selbst eine Ex-Republikanerin, verspricht ein Umverteilungsprogramm. Sollte das nicht Angst machen?

«IN DEN USA TÄTIGE SCHWEIZER KMU ER-
WARTEN EINE POSITIVE 
ENTWICKLUNG.»

«Zwischen den Kandidaten und dem Präsidenten gibt es einen Unterschied», erklärt der politische Analyst Ed Feulner in Washington. «Wenn jemand einmal im Amt ist, orientiert man sich neu – oder man wird vom Kongress und von der Verwaltung diszipliniert. Das mussten sowohl 
Reagan wie auch Obama lernen. Und das werden auch Clinton oder Trump lernen müssen.»

Henrique Schneider, 
Stv. Direktor sgv