Publiziert am: Freitag, 14. August 2015

Deutsch im Betrieb fördern

TAK – Die Tripartite Agglomerationskonferenz setzt sich für die Integration ein. Wichtig dabei ist die Sprachförderung am Arbeitsplatz: Mit zunehmender Sprachenvielfalt steigt deren Bedeutung.

Die Zeiten sind vorbei, als ausländische Arbeitskräfte überwiegend aus Italien, Spanien und Portugal stammten und sich relativ einfach untereinander verständigen konnten. Heute beschäftigen auch kleinere Betriebe oft Arbeitskräfte aus Ländern mit verschiedenen Sprachen.

Eile mit Weile

Diese Durchmischung bringt den Unternehmen viel, etwa im Kontakt mit Lieferanten und Kunden. Sie bringt aber auch Herausforderungen. Dies, da sich ausländische Arbeitskräfte oft nur schlecht auf Deutsch verständigen können.

Der Mitarbeiter meldet: «Chef, Maschine kaputt.» Für genauere Angaben fehlt ihm der deutsche Wortschatz. Es muss jemand aufgetrieben werden, der seine Erklärungen übersetzen kann. Solche Situationen sind ärgerlich und kosten Zeit. Das müsste nicht sein, wenn der Betrieb etwas Zeit und Geld in die Deutschkenntnisse seines ausländischen Personals investieren würde.

Gezieltes Vorgehen

Unternehmen können dabei gezielt vorgehen. Sie lassen sich von einem Sprachkursanbieter einen Kurs gestalten, der auf die Betriebsbedürfnisse zugeschnitten ist. Kleinere Firmen können auch einen überbetrieblichen Kurs durchführen. Eine andere Möglichkeit sind die berufsbezogenen Sprachkurse, die im Rahmen von Landes-GAV angeboten werden, zum Beispiel auf dem Bau, in der Reinigung oder in Gastgewerbe und Hotellerie.

Die Betriebe können zudem die Mitarbeitenden dabei unterstützen, ihre Deutschkenntnisse im Arbeitsalltag zu festigen und zu erweitern. Das ist weder aufwendig noch kompliziert.

Deutsch als Betriebssprache

Die beste Voraussetzung für die Sprachförderung am Arbeitsplatz ist es, Deutsch als Betriebssprache zu fördern. Hilfreich ist auch, wenn das einheimische Personal im Kontakt mit den anderssprachigen Kollegen kein «Ausländerdeutsch» spricht. Denn, was man hört, das lernt man. Wer Anweisungen im Stil «Sie morgen sieben Uhr Baustelle Bahnhof» erteilt, darf sich nicht wundern, wenn der Mitarbeiter auch nach längerer Zeit im Betrieb bloss «Chef, Maschine kaputt» melden kann.

In kleineren Teams können Vorgesetzte allenfalls mit den einzelnen Mitarbeitenden die anstehenden Aufgaben durchgehen und sicherstellen, dass sie alles verstanden haben. Bei grösseren Teams fehlt dazu schlicht die Zeit. Hier lohnt sich eine kurze Schulung der Vorgesetzten für die mündliche Kommunikation mit Mitarbeitenden, die sich noch nicht gut auf Deutsch verständigen können.

Motivation schaffen

Um die Motivation von Mitarbeitenden für einen Kursbesuch zu steigern, gibt es verschiedene Anreize: die Übernahme der Kurskosten (verschiedene Landes-GAV verfügen über paritätische Fonds zur Finanzierung), eine teilweise oder ganze Anrechnung des Kurses an die Arbeitszeit, die Aussicht auf eine anspruchsvollere oder besser bezahlte Tätigkeit oder auf Weiterbildung. Nicht zuletzt spornt regelmässiges Loben über die gemachten Fortschritte zum Weiterlernen an.

Michèle Laubscher,

Staatssekretariat für Migration (SEM)

Tipps für KMU

Sprachförderung am Arbeitsplatz

Deutsch als Betriebssprache festlegen.

Belegschaft und Vorgesetzte einbeziehen.

Lerngelegenheiten schaffen: Fertigen Sie Listen mit den häufigsten Begriffen und Sätzen an, welche im Betriebsalltag verwendet werden und illustrieren Sie diese mit Bildern.

Mit Handbewegungen zum Verständnis beitragen: Zeigen Sie auf Gegenstände, von denen Sie gerade sprechen. Benennen Sie Werkzeuge, Materialien und Unterlagen immer wieder mit den üblichen Fach- und Sachbegriffen.

Nachfragen: Wurden Ihre Anweisungen richtig verstanden?

Einfaches und korrektes Deutsch verwenden.

Zum Lernen motivieren: An­erkennung und Wertschätzung der Anstrengungen stärken die ­Motivation. Ein freundliches, 
angemessenes Lob über ­Fortschritte spornt zum Weiter­lenen an.

Mit Sprachkursen schneller am Ziel: Es lohnt sich, anderssprachige Mitarbeitende zum Besuch von (branchenspezifischen) Deutschkursen zu motivieren.