Publiziert am: Freitag, 9. Dezember 2016

Die Ansprüche bleiben sehr hoch

SWISSFUR – Die Pelzbranche hat politisch immer wieder einen schweren Stand. Der Verband setzt sich mit Innovation und vorbildlichem Verhalten bezüglich Transparenz und Qualität für sein Metier ein und fördert dabei das uralte Handwerk des Kürschners.

Wer in Schweizer Städten unterwegs ist, sieht ihn überall: Pelz am Kragen der Jacke, Pelz an den Schuhen und Pelz als Bommel an den Mützen oder ganz einfach zu einem eleganten Mantel verarbeitet. Der Pelz ist für seine Nachhaltigkeit bekannt. Er ist natürlich und langlebig. Wenn er entsprechend gepflegt wird, erhält er seine Funktionalität über viele Jahre und bleibt schön. «Im Unterschied zu anderen Textilien können Kleidungsstücke aus Pelz erneut zugeschnitten und umgearbeitet werden, wenn sich die Mode ändert. Pelzmäntel zählen zu den wenigen Kleidungsstücken, die oft über zwei oder sogar drei Generationen vererbt werden», erklärt Jacques Sinz, Präsident von SwissFur. Der Kürschnermeister, der in Altstätten (SG) seit über 30 Jahren das älteste Pelzhaus und Kürschner­atelier der Schweiz führt, kennt sich in der Branche bestens aus.

«Heute werden mehr Pelze als vor zehn Jahren verkauft, 
einfach in einer 
anderen Form.»

Die Branche steckt mitten in einem Strukturwandel. Pelzfachgeschäfte nehmen tendenziell ab. Oftmals finden sich keine Nachfolger. «Unsere Fachgeschäfte sind im Gegensatz zu früher nicht mehr handwerklich organisiert. Viele verkaufen Artikel, die nicht aus ihrer Produktion stammen», erklärt der Präsident. «Das Angebot ist modischer und vielfältiger geworden auf Kosten des Handwerks.» Heute würden mehr Pelze verkauft als vor zehn Jahren, einfach in einer anderen Form. Gemäss der International Fur Federation IFF wurden 2013/14 weltweit 87,2 Millionen Nerzfelle im Wert von 3,7 Millionen Euro gezüchtet. Ausserdem wurden 7,8 Millionen Fuchsfelle im Wert von über 88 Millionen Euro produziert. Dazu Sinz: «Europa gilt als grösster Exporteur und China als grösster Importeur von Pelzen.» In den Schweizer Ateliers werden Pelze verarbeitet, die grossmehrheitlich aus Europa stammen. «Fertige Pelzteile kommen auch aus Europa, wurden aber in Osteuropa oder Asien produziert», so Sinz.

Ein wichtiges Anliegen ist SwissFur die Aus- und Weiterbildung. Der Verband stellt Fachlehrer für den Beruf Bekleidungsgestalter/-in - Fachrichtung «Kürschnerei» und «Pelznähen» zur Verfügung und bieten mit verwandten Verbänden Weiterbildungen an. Allerdings ist der Kürschner nach wie vor ein Kleinstberuf mit zurzeit einem einzigen Lehrverhältnis. «Uns ist es wichtig, diesen Beruf zu fördern und den jungen Leuten damit auch eine Perspektive zu geben», erklärt Sinz. «Dazu arbeiten wir mit Modefachschulen zusammen und ermöglichen den jungen Berufsleuten, ihre Arbeiten jeweils im Frühling am internationalen Modewettbewerb ‹Remix› in Mailand präsentieren zu können.»

Pioniere im Bereich Transparenz und Qualität

In der Branche weht ein harter Wind. Als in den 80er Jahren der Pelz geboomt hat, führte dies zum Verlust der Wertigkeit des Fellmaterials. «In den Warenhäusern wurden die Pelzmäntel unter ihrem Wert verkauft. Dies führte zu einer gefährlichen Preisspirale, sodass wir in den Fachgeschäften mit unseren Preisen massiv unter Druck gerieten und nicht mehr mithalten konnten», so Sinz. Heute finden die Kunden den Weg wieder zurück ins Fachgeschäft. Doch die Ansprüche an den Pelzhandel sind und bleiben hoch. Dazu Markus Hugentobler, Geschäftsführer von SwissFur: «Verbraucher erwarten, dass sich die Pelzbranche verantwortungsvoll verhält und hohe Tierschutzstandards beachtet.» SwissFur nimmt seit Jahren mit der Abgabe eines Produktezertifikates eine Vorreiterrolle im Bereich Transparenz und Qualität ein. Die auf den 
1. März 2013 in Kraft gesetzte Deklarationspflicht für Pelze und Pelzprodukte des Bundes ist auf die Pionierarbeit von SwissFur zurückzuführen. «In den letzten 30 Jahren haben wir auf die Einführung der Pelzdeklaration hingearbeitet und uns nicht gescheut, auch Schwachstellen in unserer Branche aufzudecken. Dies hat auch mit unserer Berufsehre zu tun», so Hugentobler. SwissFur ist zudem führend in der fachgerechten Verarbeitung einheimischer Rotfuchsfelle. Mit dem Projekt «SwissRedFox» werden seit 1993 jährlich rund 10 000 Rotfuchsfelle, die aus der einheimischen Jagd stammen, handwerklich verarbeitet.

«Leider werden unsere Anstrengungen durch die Politik nicht honoriert.»

Die Branche ist stark reguliert. Dennoch gerät sie immer wieder wegen kontroversen Meinungen über Tierhaltung etc. in die Schlagzeilen der Medien oder wird mit Antipelzkampagnen auch politisch angegriffen. «Was das Thema Tierschutz betrifft, so hat es hier einen Wertewandel respektive eine Verschiebung der Optik gegeben. Wir reden nicht mehr von Tierschutz, sondern von Tierrecht. Dass jedes Tier ein selbstbestimmtes Leben führen darf, wird sogar zu einer politischen Forderung», stellt Hugentobler fest. Häufig würden solche Themen «bewusst» missverstanden und das eigentliche Wort «Tierschutz» völlig falsch dargestellt, weil man das Produkt «Pelz» mit Tierquälerei gleichstelle, mit skrupellosen Menschen, für welche Ethik ein Fremdwort sei, die nur im Kopf hätten, kurzfristig Geld zu verdienen. «In zivilisierten europäischen Ländern wie etwa in der Schweiz sowie in Kürschnerkreisen, wo wir ein uraltes Handwerk weiterhin fördern und erhalten wollen, trifft dies sicher nicht zu», betont Sinz.

Trotz vorbildlichem Verhalten bezüglich dieser Thematik gerät die Branche aber immer wieder unter Beschuss. «Leider werden unsere Anstrengungen durch die Politik nicht honoriert», bringt es Sinz auf den Punkt. So steht der Verband einmal mehr vor der grossen Herausforderung, das Postulat der Aargauer ­Ständerätin Pascale Bruderer zu verhindern. Dieses beinhaltet ein Importverbot für Pelze. «Sämtliche ­Pelzprodukte, die nicht nach dem schweizerischen Tierschutzgesetz produziert werden, dürften dann nicht mehr eingeführt werden», konkretisiert Hugentobler. «Dies wäre verheerend für unsere Branche, denn 90 Prozent der verarbeiteten Felle – alles, was in der Schweiz nicht jagdbar ist – wird importiert», so Sinz.

Gleich lange Spiesse für alle

Die Branche hat in der Politik einen schweren Stand und muss mit wissenschaftlichen Aspekten gegen Emotionen kämpfen. Dennoch kann sie sich gut behaupten. Wichtig sind dabei auch internationale Kampagnen wie FurNow, die speziell die jüngere Kundschaft für die innovativen Pelzprodukte sensibilisiert. «International gesehen hat der Pelzmarkt einen ganz anderen Stellenwert als in der Schweiz. Pelze sind Luxusgüter und Statussymbole, die man gerne anzieht und vorführt. Die Nachfrage steigt nicht nur in China, sondern auch in Korea, der Ukraine und Südamerika», so Sinz. Der internationale Handel mit Pelzen sei eine verantwortungsbewusste und wachsende Branche. Für die Zukunft will SwissFur für seinen Berufsstand einstehen und alles daransetzen, die Pelzdeklarationen weiterzuführen. «Dies ist ein wichtiges Instrument für den Konsumentenschutz», weiss Hugentobler. Es sei dabei allerdings wichtig, dass sowohl der Fachhandel als auch die Modeboutiquen dabei gleich behandelt würden. Corinne Remund

SWISSFUR KURZ ERKLÄRT

Handwerkliche und fachliche Unterstützung

Erste Kürschnerzünfte wurden im Jahre 1226 in Basel und 1268 in Bern gegründet. In der Schweiz hat bis heute die «Zunft zu Kürschnern» in Basel Bestand. 1927 haben sich die Handwerksbetriebe zum Verband Schweizerischer Pelzindustrie zusammengeschlossen. Sie wollten sich damals gemeinsam organisieren. Vor rund zehn Jahren folgte die Namensänderung in SwissFur. Zu den Dienstleistungen des Fachverbandes gehören handwerkliche, fachliche Unterstützung der Mitglieder sowie die Aufklärung und Informationen rund um die Fellproduktion. Ferner betreibt der Verband die eigene AHV- und Familienausgleichskasse «EXFOUR». Ein Hauptanliegen ist die Information der Öffentlichkeit über Pelzgewinnung und Pelzverarbeitung. Der Verband vertritt seine Mitglieder nach aussen und setzt sich auch auf politischer Ebene ein. Er tauscht sich mit anderen artverwandten Verbänden und Organisationen aus und stellt seinen Mitgliedern ein breitgefächertes Netzwerk zur Verfügung. International engagiert er sich dafür, dass Gesetze, Verordnungen und fachliche Standards in den einzelnen Ländern eine tier-, umwelt-, aber auch menschengerechte Produktion des Rohstoffes «Pelz» erreichen. SwissFur ist Mitglied der International Fur Federation IFF mit Sitz in London.

Ein Kernthema des Verbandes ist die Aus- und Weiterbildung. So wird durch SwissFur der Beruf Bekleidungsgestalter/in Fachrichtung «Kürschnerei» und «Pelznähen» gefördert. SwissFur zählt 30 Mitglieder, was gesamtschweizerisch einen Organisationsgrad von 50 Prozent beträgt. Die Mitglieder sind alle KMU – Pelzfachgeschäfte mit Kürschner­ateliers. In der Branche arbeiten rund 150 Personen. Sie generiert einen jährlichen Umsatz von ca. 40 Millionen Franken. CR