Publiziert am: 22.09.2017

Die Bauversicherung schützt

VERSICHERUNGSRATGEBER– An einem Bau existieren viele Beteiligte, deshalb muss man eine Bauversicherung mit dem Spezialisten abklären. Nur so ist Deckungsschutz garantiert.

S.S. aus H: Nach erfolgreichem Abschluss meiner Zusatzausbildung als dipl. Architekt HTL konnte ich im Sommer die Innenarchitekturfirma meines Vaters übernehmen. Ich darf dabei nicht nur in seine Fussstapfen treten, sondern auch die Dienstleistungen unseres Betriebes massgeblich erweitern. Künftig biete ich auch meine neu erworbenen Fähigkeiten in der Beratung, Planung und Gestaltung an. Selbstverständlich erwartet der Bauherr auch eine tadellose Bauleitung. Andererseits muss ich wohl auch mit Haftpflichtansprüchen rechnen – zum Beispiel, wenn der Nachbar einen Schadenersatz geltend macht, weil sein Haus wegen einer Baugrube zu rutschen beginnt. Welche Versicherungen sind zu empfehlen?

Sehr geehrter Herr S: In Ihrem Fall ist eine Bauversicherung zu empfehlen. Dafür gibt es verschiedene Bezeichnungen, am geläufigsten ist die «Bauwesenversicherung». Sie bietet Schutz aus der Bauherrenhaftplicht und aus der Bauwesenversicherung. Die Bauherrenhaftpflicht dient dem Schutz vor Schadenersatzforderungen des Nachbarn wegen Schäden an seinem Gebäude. Sie wehrt ungerechtfertigte Ansprüche ab und gewährt eine Deckung bei berechtigten Ansprüchen, sodass das Vermögen geschützt ist. Der Teil «Bauwesen» beinhaltet eine Art Kaskoschutz für das «entstehende» Bauwerk. Er deckt Beschädigungen und Zerstörungen des Baus durch plötzliche, unvorhergesehene Bauunfälle infolge Baugrundbewegungen oder Baugrubeneinsturzes, aber auch Schäden infolge Vandalismus oder Sabotage. An einem Bau existieren viele Beteiligte, sodass Streitigkeiten zwischen dem Bauherrn und den weiteren Beteiligten wie Ingenieure, Architekten und Bauunternehmer programmiert sind. Genau hier greift der Bauwesenschutz, da dieser auch eine Deckung gewährt für Schäden, die an sich zulasten der beteiligten Planer und Unternehmer gehen würden.

Versicherungsbedingungen 
studieren

Der genaue Versicherungsschutz kann trügerisch sein. Viele Bedingungen gewähren keine volle Deckung, beispielsweise wenn die gesetzlichen Vorschriften oder die «anerkannten Regeln der Baukunst» nicht befolgt werden oder ein Schaden auf ein «pflichtwidriges Verhalten» der Beteiligten zurückgeführt werden muss. Dieses Versicherungslatein lässt sich etwa so übersetzen: Stürzt die Baute oder die Decke ein, weil ein Planer sich verkalkuliert hat, kann die Versicherung die Leistungen kürzen oder verweigern. Oder: Wurde die Baugrube nicht hinreichend stabilisiert, sodass das Haus des Nachbarn in Bewegung kommt, kann die Versicherung die Leistungen aus der Bauherrenhaft reduzieren oder verweigern.

Gute Kenntnis der
Deckung schützt

Den genauen Versicherungsumfang insbesondere bei kombinierten Versicherungsarten zu erkennen, ist eine Spezialdisziplin. Wenden Sie sich vor dem Versicherungsabschluss an Ihren Berater und lassen Sie sich dieses Produkt genau erklären. Konsultieren Sie aber bei allzu rigoros formulierten Deckungsausschlüssen auch die Bedingungen einer Konkurrenzversicherung, die vielleicht einen besseren Schutz bietet.