Publiziert am: Freitag, 20. März 2015

Die grüne Stadt im Süden Chinas

SHENZhEN – Shenzhen, im Hinterland von Hongkong, ist neben Schanghai die am schnellsten wachsende Stadt Chinas. Nirgendwo in China, auch nicht in Schanghai, ist das Einkommen pro Kopf höher.

Vor drei Jahrzehnten wussten höchstens Chinakenner, dass Shenzhen überhaupt existiert. Im Jahre 1979 zählte das damalige Fischerdorf erst 30 000 Einwohner. Doch dann ging es Schlag auf Schlag: 1979 erhielt Shenzhen die Stadtrechte, ein Jahr darauf beschloss die Führung in Peking, die Stadt zur Sonderwirtschaftszone zu erheben. «Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll», war damals die Parole von Machthaber Deng Xiaoping. Und die wurde befolgt: Ein unerhörter Bauboom setzte ein, Millionen Chinesen aus allen Teilen des Landes strömten in die aufstrebende Metropole, die im Auftrag der Kommunistischen Partei die damalige britische Kolonie Hongkong in den Schatten stellen sollte. Heute leben dort über 12 Millionen Menschen.

Ein Vorzeige-Wirtschaftsstandort

Shenzhen spiegelt wie keine zweite Stadt den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht wider. Taktgeber der pulsierenden Metropole sind die Telekommunikations- und Elektroindustrie. Auch städtebaulich und architektonisch ist das Wachstum imposant. Überall entstehen neue Wolkenkratzer. Es gibt Baustellen, soweit das Auge reicht. Dank der Dapeng-Bucht im Osten und des Perlfluss-Deltas im Westen verfügt die Grossstadt über acht Seehäfen. Chinas Vorzeigewirtschaftsstandort entwickelt sich zum Hochtechnologiezentrum des Landes: Rund 
35 Prozent der Produktion kommen von High-Tech-Unternehmen, die alte Branchen wie Textilindustrie und Maschinenbau ablösen. Bereits jetzt werden die Produkte der chinesischen Informationstechnologie zu 50 Prozent in Shenzhen hergestellt. Shenzhen ist unter anderem die Heimat des Innovationskonzerns BYD (ein Besuch bei BYD steht auf dem Programm der sgv-Studienreise vom kommenden ­April). Das Unternehmen stellt Batterien, Fahrzeuge und batteriebasierte Speicherkraftwerke her. Weltweit ist es der grösste Produzent von wiederaufladbaren Akkumulatoren, vor allem für Mobiltelefone. Zudem ist es einer der grössten Automobilproduzenten Chinas. Der Name ist Programm, denn BYD steht für: Build your dreams – Baue deinen Traum.

Den Nahverkehr elektrifizieren

Doch Shenzhen ist auch die Heimat der «Green City Solution» – und diese wurde von BYD entwickelt. Es geht darum, den Nahverkehr in Städten zu elektrifizieren. Dabei sollen die bisher genutzten Busse und Taxis (mit Diesel- oder Benzinmotoren) durch rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge (BYD e6 und BYD ebus) ersetzt werden.

«SHENZhEN ENTWICKELT SICH ZUM HIGH-TECH-ZENTRUM CHINAS.»

Das Konzept Green City Solution will nicht nur CO2-Emissionen durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen reduzieren. Vielmehr soll der benötigte Strom durch Solar- und Windkraftanlagen (des Unternehmens) erzeugt, in BYD-Batterie-Speicherkraftwerken gespeichert und an ein zu errichtendes Netz von Ladestationen in den Städten übertragen werden. Die Idee ist, das Konzept weltweit zu verbreiten. Die grüne Stadt Shenzhen ist also enorm vielseitig. Genau deswegen führt die sgv-Studienreise durch diese boomende Stadt und in dieses innovative Unternehmen. Es lohnt sich, alles anzuschauen.

Sc

KOOPERATION

Aktive Berner

Im Februar 2015 haben der Kanton Bern und die Stadt Shenzhen ein Schwesterabkommen unterzeichnet. Ziel ist eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Präzisions-, Elektronik- und Telekommunikationsindustrie sowie im Pharmabereich.