Publiziert am: 07.10.2016

Die Hausaufgaben müssen gemacht sein Weniger regulieren, mehr produzieren

Das Thema Unternehmensnachfolge bewegt die Gemüter. Überhöhte Erwartungen der Verkäufer belasten oftmals den gesamten Prozess.

Schweizer KMU verbrennen jedes Jahr rund zehn Milliarden Franken 
für die Einhaltung regulativer 
Bestimmungen, deren Nutzen oft heftig umstritten ist.

Nach Einschätzung der Universität St. Gallen wird die Frage nach der Nachfolge für insgesamt ein Fünftel der über 500 000 KMU-Inhaber in den nächsten fünf Jahren virulent. Und es ist keine einfache Frage, denn die Übergabe der eigenen Firma ist ein komplexer Prozess, sowohl rechtlicher als auch finanzieller Art. «Viele Unternehmer denken, sie könnten vom Verkauf der Firma ihren Lebensabend finanzieren, aber das ist sehr oft ein Irrglaube. Man muss die drei Pfeiler Vorsorge, Vermögen und Firma lange vorher anfangen aufzubauen», sagte Dr. Frank Halter, Dozent der Universität St. Gallen und einer der Referenten an der Nachfolgekonferenz im Unternehmerforum Lilienberg, zu der die Beratungsgesellschaft Consulta AG gemeinsam mit der AXA Winterthur geladen hatte.

Inhaltlich sind sich die rund 60 teilnehmenden Berater, Treuhänder, Rechtsanwälte mit den Referenten weitgehend einig: Leider hätten nur allzu viele Unternehmer ihre Hausaufgaben nicht gemacht und zu wenig vorgesorgt – sowohl strategisch als auch finanziell. Diese Unternehmer würden dann zu spät feststellen, dass sie überhöhte Erwartungen an den Preis haben, den sie beim Verkauf der Firma erzielen möchten, die aber kein Käufer am Markt erfüllen kann. Dann ist nicht nur die Enttäuschung beim Verkäufer vorprogrammiert, sondern auch die wachsende Anspannung und der steigende Druck werden bei der Suche und in Verhandlungen der Nachfolgeoptionen deutlich spürbar. Dies alles mache den eh schon komplexen Prozess nicht einfacher, im Gegenteil.

Sich frühzeitig Gedanken machen

Eine Hilfe kann manchmal bereits eine Aufteilung des Unternehmens bieten. Viele Firmen sind heutzutage angesichts der hohen Immobilienpreise bereits in einen operativen Teil und in eine Immobiliengesellschaft aufgeteilt, die sie zur Verwaltung der Liegenschaften gegründet haben – oder spätestens bei einer nahenden Firmenübergabe gründen sollten. Denn so kann der operative Teil des Unternehmens günstiger verkauft werden, und der bisherige Firmenchef kann die Immobiliengesellschaft weiter behalten und einen monatlichen Ertrag daraus ziehen. «Es gibt viele Mittel und Wege, um einen geeigneten Nachfolger aufzubauen oder zu finden», weiss Stephan Illi, CEO und Präsident des Verwaltungsrates der gastgebenden Consulta AG. Wichtig sei es aber, sich möglichst frühzeitig Gedanken darüber zu machen und sich eine Strategie zurechtzulegen.

«Rund die Hälfte der KMU, die in den kommenden Jahren den Besitzer wechseln, sind Kunden der AXA Winterthur, und ihnen möchten wir auch in Nachfolgefragen ein kompetenter Ansprechpartner sein», erklärt Christian Wyss, Leiter Aussendienst & Grossunternehmen der AXA Schweiz, die Gründe, warum sich die AXA Winterthur für dieses Thema so starkmacht.

Sandra Willmeroth

Nachfolgenavigator

Ohne Orientierung kann kein Ziel erreicht werden. Zu diesem Zweck entwickelte die Consulta AG den Nachfolgenavigator®. Dieser Kompass führt auch Ihr Unternehmen sicher durch den Prozess einer erfolgreichen Nachfolgeregelung. Schritt für Schritt wird nachvollziehbar aufgezeigt, welche Inhalte und Resultate erarbeitet werden müssen.

Zuletzt scheiterten die Vorlagen an ihrer Formulierung. Unternehmen mit unter 
50 Mitarbeitenden seien vom Statistikaufwand zu befreien, forderte die Motion des SVP-Nationalrats Ulrich Giezendanner. Sein Ratskollege Ernst Schibli (SVP) wollte dies sogar für grössere Unternehmen prüfen lassen. Der Nationalrat hatte beiden Motionen im Herbst zugestimmt. Der Ständerat schickte sie in der Frühlingssession Anfang März indes bachab. Man könne nicht 98 Prozent der Schweizer Unternehmen, die 44 Prozent der Erwerbstätigen im Land beschäftigen, vom Radar des Bundesamts für Statistik (BFS) entfernen.

Zu wichtig seien ihre Daten zur Erhebung zwingender Referenzstatistiken wie Bruttoinlandprodukt (BIP) oder Landesindex für Konsumentenpreise (LIK). Enttäuscht sind Befürworter wie FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. Niemand wolle die KMU aus Erhebungen wie dem BIP herausnehmen. Problematisch sei aber, dass neben dem BFS auch andere Bundesämter die Unternehmen auf eigene Faust mit Befragungen konfrontieren. «Die Absicht der Motionen war, wirklich notwendige Statistiken zu identifizieren, diese dem Obligatorium zu unterstellen und alle übrigen für die Unternehmen freiwillig zu gestalten», so der Direktor des Gewerbeverbands (sgv), der rund 300 000 KMU vertritt. Diese Chance habe man verpasst. Froh ist man indes beim BFS, obschon Direktor Georges-Simon Ulrich die Problematik der administrativen Belastung für KMU erkennt: «Es wäre interessant zu sehen, wer neben dem BFS mit Befragungen auf Unternehmen zugeht.»

Kosten senken wollen alle

Für den Gewerbeverband geht der Kampf weiter. Sein Anliegen, die Regulierungskosten für KMU markant zu senken, findet in Wirtschaft und Politik einen breiten Konsens. Unabhängig voneinander haben Bundesrat und sgv errechnet, dass Schweizer Unternehmen jährlich zehn Milliarden Franken abseits ihres operativen Kerngeschäfts für administrative Zusatzaufwendungen auf Bundesebene ausgeben. Bigler schätzt die Ausgaben noch höher. «Insgesamt betragen die jährlichen Regulierungskosten sogar gegen 60 Milliarden Franken oder rund zehn Prozent des BIP.» «Viel zu viel», finden auch Gegner der Motionen Giezendanner und Schibli wie die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz. Die Einsparungen müsse man aber sinnvoll vornehmen. «Fällt der Statistikzwang für KMU weg, beträgt das nachgewiesene Entlastungspotenzial rund sieben Millionen Franken.» Hochgerechnet sind das auf Kosten von 1000 Franken gerade mal 70 Rappen. Dies sei ein Tropfen auf den «heis­sen und erst noch falschen Stein». Für Fetz, die selber ein KMU führt, blähen andere Vorschriften den Regulierungsapparat unnötig auf. «Wirkungsvoller entlasten könnte man KMU mit Vereinfachungen bei der Mehrwertsteuer, übersichtlicheren Steuerformularen, vereinfachten Bau- und Hygienevorschriften oder One-Shop-Digitalangeboten.

Das Hauptproblem für kleine KMU sei, dass die zu erfüllenden Verpflichtungen breit gestreut seien und nicht wie in Grossunternehmen an spezialisierte Fachabteilungen ausgelagert werden könnten. Als konkreten Verbesserungsansatz würde Fetz zum Beispiel die Einführung von Mehrwertsteuer­ 
und anderen Pauschalen für KMU mit Umsätzen bis 500 000 Franken begrüssen. Regulierungen verschwinden, neue kommen dazu. Der Bund will aktiv werden. «Es ist uns ein Anliegen, die adminis­trative Belastung der Unternehmen möglichst gering zu halten», sagt etwa Eric Jakob, Leiter Direktion für Standortförderung beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Um den Puls der KMU zu fühlen, hat das SECO einen «Bürokratiemonitor» in Form von repräsentativen Befragungen eingeführt. Die jüngste Erhebung vom Herbst 2014 zeigt, dass statistische Verpflichtungen nicht zu den vordringlichsten Problemen der KMU zählen. Als hohe Belastung haben stattdessen fast zwei Drittel der Unternehmen gesetzliche Regulierungen in den Bereichen Lebensmittelhygiene und Bauvorhaben angegeben. Dahinter folgen im Kosten-Ranking die Themen Berufsbildung/Lehrlingswesen 
(59 %), Rechnungslegung / Revision (54 %) und Mehrwertsteuer (52 %).

Als Ko-Präsident des KMU-Forums setzt sich Eric Jakob aktiv für den Abbau von Bürokratie ein. 
220 Empfehlungen zur Verminderung der administrativen Belastung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für KMU hatte die Kommission dem Bundesrat zwischen 2012 und 2015 vorgelegt. «Unsere Erfolgsquote erreicht immerhin 70 Prozent.» So habe man erreicht, dass bei der Revision des Aktienrechts die Möglichkeit einer Teilliberierung auch künftig gegeben sei, was Firmengründungen erleichtere. Ferner werde die Pflicht zur öffentlichen Beurkundung bei der Gründung einfach strukturierter Kapitalgesellschaften wohl bald entfallen. «Auch Doppelspurigkeiten und Widersprüche zwischen Arbeitsrecht und den kantonalen Brandschutzvorschriften sollen eliminiert werden», zitiert Eric Jakob aus dem Erfolgskatalog des KMU-Forums.

Dennoch bleibe viel zu tun. «Unter­nehmen beklagen noch immer eine Nettozunahme der administrativen 
Kosten», räumt Eric Jakob ein. Denn Parlament und Bundesrat verabschieden immer wieder neue Regulierungen, welche die positiven Effekte der Vereinfachungen teils zunichtemachen. Beispiele sind neue Bestimmungen in den Bereichen Swissness oder im Lebensmittelgesetz.

Weitere Initiativen zur Entlastung der Unternehmen sind von der Politik gefordert. KMU-Vertreter wie Hans-Ulrich Bigler werden diese nach dem Nein zur Befreiung vom Statistikaufwand erst recht begrüssen.

Robert Wildi

Weniger Aufwand mit «myAXA»

Die AXA Winterthur vereinfacht die Administration für ihre Unternehmenskunden mit dem Kundenportal «myAXA». Es steht rund um die Uhr zur Verfügung und ermöglicht den Zugriff auf Informationen wie Policen und Rechnungen zu all ihren Produkten. Über die Plattform können Schäden direkt gemeldet und Datenmutationen, beispielsweise Adressänderungen, veranlasst werden. myAXA ermöglicht zudem den zentralen Zugang zu weiteren Kundenportalen, wie zum Meldeportal Personenversicherungen, zum Online-Rechtssupport MyRight.ch, 
zur Motorfahrzeugflotten-, Fahrzeugverwaltung und zu WincoLink.

WincoLink vereinfacht die Administration in der beruflichen Vorsorge, etwa bei Eintritten von Arbeitnehmern oder Lohnänderungen. Darüber hinaus zeigt das Portal die Vertrags- und Versichertendaten im Überblick und ermöglicht Online-Berechnungen und Formularservices.