Publiziert am: 19.06.2015

Die Holzbranche steht unter Druck

HOLZINDUSTRIE SCHWEIZ – Nationalrat Jean-François Rime blickte zu seinem Abschied als Präsident auf 40 Jahre Verbandstätigkeit bei den «Hölzigen» zurück.

Zur Ehrung und Verabschiedung von Jean-François Rime versammelten sich über 110 Mitglieder von Holz­industrie Schweiz (HIS) und Gäste in Bulle– gleich neben Rimes Sägewerk Despond SA. Der neue HIS-Präsident Thomas Lädrach würdigte die grossen Verdienste Rimes für die Schweizer Holzindustrie, sowohl in seinen Verbandsfunktionen, als auch im Nationalrat. Rime wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

40 Jahre in der Holzindustrie

Jean-François Rime blickte auf seine Berufs- und Verbandstätigkeit in der Holzindustrie zurück und zeigte auf, welche grossen strukturellen, technologischen und produktemässigen Veränderungen die Branche in den vergangenen 40 Jahren durchlebt hat. Die Zahl der Betriebe hat zwischen 1971 und 2012 um zwei Drittel abgenommen – von 1073 auf 376. Dies entspricht einem Minus von 2,5 Prozent pro Jahr.

«STATT GENUTZT WIRD GEFORSCHT, BERATEN UND ADMINISTRIERT.»

Rime bedauerte, dass die Nutzfunktion der Wälder an Bedeutung verloren habe, obwohl die Klimapolitik und die 2000-Watt-Gesellschaft heute nach mehr Holz als Baumaterial riefen. Das Nadelholz sei im Mittelland übermässig zurückgedrängt worden, zugunsten der Buche, die aber in Europa keinen genügenden Absatz bzw. Markt finde.

Der Sturm Lothar von Ende 1999 habe seitens der Waldbesitzer Gelüste zur Neuansiedlung von zusätzlichen Sägewerkskapazitäten geweckt. «Heute ist kaum zu glauben, dass 2007/08 drei Grosssägewerke gleichzeitig in Planung waren und als versorgbar galten», sagte Rime. «Dies im scharfen Kontrast zum Nadelholzrückgang im Mittelland und zur Freiheit der Waldbesitzer, irgendeinen Verarbeiter zu beliefern und nicht nur den vom Kanton vorgeschlagenen.»

Subventionen für die Holzindustrie hätten vor allem in Deutschland viel Schaden in der Sägeindustrie angerichtet und zu einer permanenten Überproduktion geführt. Die Banken liessen unrentable Werke viel zu lange weiterlaufen.

Herausforderung starker Franken

Der neue Präsident Thomas Lädrach übernimmt einen gesunden Verband, in einer bedrohlichen Währungssituation. Für die ganze Branche erachtet Lädrach in den nächsten Monaten die Bewältigung der jüngsten Frankenaufwertung als zentral. Noch zeigten der Bund und insbesondere das BAFU zu wenig Verständnis für die neue Situation der Wald- und Holzwirtschaft. «Bund und Kantone haben im Wald einen üppigen unproduktiven Sektor heranwachsen lassen: Bezogen auf die Waldfläche wird ungleich mehr geforscht, beraten und administriert als in allen anderen Ländern», so Lädrach. Parallel nähmen der produktive Sektor (die Waldbewirtschaftung) und damit die Waldgesundheit ab, und dieser Trend drohe sich wegen der Aufhebung des Mindestkurses zu verschärfen. «Da ist eine neue Weichenstellung gefragt.»